Die Fahrbahn und die Längsträger der alten Lippebrücke sind schon demontiert. Zurzeit reißen Bagger die Widerlager ab. © Stefan Milk
Neubau der Lippebrücke

Alte Lippebrücke ist schon fast weg – aber der schwierigste Teil des Abrisses kommt noch

Wer einen Blick neben die Fahrbahn der neuen Lippebrücke wirft sieht, dass die alte Überquerung schon nicht mehr besteht. Um die letzten Reste zu beseitigen, ist ein enormer Aufwand nötig.

Mehr als 70 Jahre lang ist der Verkehr zwischen Bergkamen-Rünthe und Werne über die alte Lippebrücke geflossen. Jetzt ist sie innerhalb weniger Tage fast ganz verschwunden – und zwar weitgehend unbemerkt. Autofahrer, die über die neue, noch als Behelfsbrücke angelegte Lippeüberquerung fahren, können kaum einen Seitenblick auf die alte Brücke wagen. Fußgänger und Fahrradfahrer müssen ohnehin den Weg über die ehemalige Zechenbahnbrücke nehmen.

Die komplette Fahrbahn ist schon abgerissen

Wer vom Lidl in Rünthe bis zum Bauzaun pirscht kann sehen, dass die Fahrbahn und ihre Träger schon komplett verschwunden sind. Zunächst hat das Abrissunternehmen Möller & Essing aus Osnabrück die Fahrbahn abgenommen und dann die sogenannten „Buckelbleche“ abgehoben, auf denen die Fahrbahn ruhte. Jede dieser insgesamt drei Tafeln wog immerhin zehn Tonnen. Anschließend haben die Bagger die insgesamt zwölf Längsträger abgehoben und ans Ufer gehievt. Sie sind mittlerweile zerlegt und nur noch Metallschrott.

Zurzeit ist ein Bagger dabei, das Widerlager an der Nordseite, der Werner Seite der Lippe abzureißen. Er zertrümmert den Beton mit einem riesigen Meißel, der sich vorne am Baggerarm befindet. Auf der Bergkamener Seite legt ein Bagger das Widerlager frei, damit es abgerissen werden kann.

Der Abriss des Mittelpfeilers, der im Fluss steht, ist der schwierigste Teil der Arbeiten. © Stefan Milk © Stefan Milk

Der schwierigste Teil des Abrisses steht dem auf solche Spezialaufträge spezialisierten Unternehmen aber noch bevor: Der Abriss der Brückenpfeiler. Besonders der Abriss des mittleren Pfeilers, der mitten im Fluss steht, ist problematisch. Das Unternehmen muss dabei aus ökologischen Gründen darauf achten, dass kein Abrissmaterial in den Fluss fällt, wie Projektleiter Markus Feller von Straßen NRW erklärt.

Plattform im Fluss für den Abrissbagger

Außerdem muss der Abrissbagger bis an den Pfeiler kommen. Dazu soll von der Rünther Seite eine Plattform bis zum Pfeiler gebaut werden, die fest auf dem Grund liegt. „Ein Ponton würde zu sehr schwanken“, erläutert Polier Alfons Böckmann vom Generalunternehmer, der Firma Eiffage.

Bevor die Platte verlegt wird, soll der Bereich zunächst befischt werden. In die Platte sind Rohre mit einem Durchmesser von einem Meter eingelassen, durch die das Lippewasser während der Abrissarbeiten fließen soll. Wenn das Wetter mitspielt, sollen die Abrissarbeiten Ende Januar beendet sein.

Die neue Brücke (r.) soll im Sommer an den Standort der alten Überquerung verschoben werden. © Stefan Milk © Stefan Milk

Der Pfeiler muss bis zu einer Tiefe von einem Meter unter der Fluss-Sohle abgerissen werden, damit sich an dieser Stelle wieder natürliches Sediment bilden kann. Die Lippe soll in einen möglichst natürlichen Zustand zurückkehren, denn die neue Brücke hat keinen Mittelpfeiler mehr, wie Feller erläutert.

Arbeiten für die neuen Widerlager beginnen im Januar

Bereits Mitte bis Ende Januar will „Eiffage“ mit den Arbeiten für das Widerlager an der Nordseite beginnen. Dazu werden zunächst Bohrpfähle in den Boden eingelassen, die als Verankerung für die Widerlager-Platte dienen. Spätestens Ende Februar sollen diese Arbeiten auch auf der Südseite der Lippe am Lidl in Rünthe beginnen.

Auf der Rünther Seite sind noch Reste des ehemaligen Gehwegs und des Brückengeländers zu sehen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Nach dem Bauzeitenplan sollen die Vorarbeiten bis zum Sommer beendet sein. Dann wird die Lippeüberquerung noch einmal komplett gesperrt, weil der aufwendigste Akt zum Schluss kommt. Die neue Lippebrücke, die bisher als Behelfsbrücke dient, soll dann an ihren endgültigen Standort verschoben werden und den Platz der alten Brücke einnehmen. Ganz beendet sind die Arbeiten dann jedoch noch nicht: Die Behelfswiderlager müssen abgerissen und die beiden Ufer wieder hergerichtet werden.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann
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