Als die Bomben auf Bergkamen und Kamen fielen

dzVor 75 Jahren

Am Montag vor 75 Jahren erlebten Bergkamen und Kamen schwere Luftangriffe. Die Bomben galten den Chemischen Werken, gingen aber zumeist an anderen Orten nieder. Ein Zeitzeuge erinnert sich.

Bergkamen, Kamen

, 23.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den 24. Februar 1945 wird Erich Wuske nie vergessen. Der heute 91-Jährige, der damals im Zweiten Weltkrieg bei der Marine war, war an jenem Tag auf Heimaturlaub bei seiner Familie in Kamen.

Erich Wuske (91) ist in Kamen aufgewachsen und hat in Bergkamen im Bergbau gearbeitet. Er hat die Bombardierung miterlebt.

Erich Wuske (91) ist in Kamen aufgewachsen und hat in Bergkamen im Bergbau gearbeitet. Er hat die Bombardierung miterlebt. © Johannes Brüne

Dort erlebte er den schwersten Bombenangriff auf die Stadt. Seit 1943 waren mehrfach Bomben auf Kamen gefallen. Meist galten sie allerdings der Nachbargemeinde Bergkamen.

Die Bomben galten den Chemischen Werken

Dort produzierten die Chemischen Werke nach dem so genannten Fischer-Tropsch-Verfahren synthetisches Öl aus Steinkohle. Bereits im September 1944 waren die Werke bei einem massiven Luftangriff auf Bergkamen zerstört worden. Doch weil die Nazis den Rohstoff für ihre Kriegsführung dringend brauchten, setzten sie alles daran, die Produktion so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten sich am Wiederaufbau beteiligen, berichtet der Bergkamener Stadtarchivar Martin Litzinger.

Im Februar konnten die Chemischen Werke dann wieder produzieren. „Vermutlich erfuhren die Alliierten durch Spionage davon“, meint Litzinger. Denn kurz darauf erfolgten die Bombenangriffe.

An 25. Februar folgte ein zweiter Luftangriff

Bereits am 25. Februar fielen die nächsten Bomben, auch diesmal waren die chemischen Werke das Ziel. In Bergkamen und Kamen starben über 200 Menschen. Im März folgten weitere Luftangriffe.

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Dass ein Großteil der Bomben am 24. Februar auf Bergkamener Wohngebiete und auf Kamen und nicht auf das eigentliche Ziel niedergingen, lässt sich laut Litzinger damit erklären, dass die vorausfliegenden britische Flugzeuge das Zielgebiet ungenau markierten. Es war am 24. Februar zudem von Wolken verdeckt, wie dem Kriegstagebuch der Royal Air Force zu entnehmen ist, aus dem das Kamener Stadtarchiv zum 60. Jahrestag der Bombardierung 2005 zitierte.

Auch auf das ländliche Overberge fielen Bomben

Selbst über Overberge warfen die Flugzeuge Bomben ab, berichtet Litzinger. Der heutige Bergkamener Stadtteil war seinerzeit sehr ländlich strukturiert. „Für die Menschen, die dort lebten, war der Angriff ein Schock“, sagt der Stadtarchivar. Und Overberge gehört auch heute noch zu jenen Gebieten in Bergkamen und Umgebung, in denen regelmäßig Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden.

Im vergangenen August musste in Overberger ein Blindgänger entschäft werden. In Berkamen liegen vermutlich noch viele Hinterlassenschaften des Weltkriegs in der Erde.

Im vergangenen August musste in Overberger ein Blindgänger entschäft werden. In Berkamen liegen vermutlich noch viele Hinterlassenschaften des Weltkriegs in der Erde. © Marcel Drawe

Zeitzeuge Erich Wuske, der heute in Menden lebt, will die Erinnerung an die Bombardierung und die Toten bewahren. Ihm ist wichtig, dass auch die Nachgeborenen etwas von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs erfahren - den die Deutschen begonnen haben.

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