In der Trauerhalle Hünerbein in Weddinghofen wird es dieses Jahr an Allerheiligen anders aussehen und zugehen. Wer nicht still trauern will, findet dort eine außergewöhnliche Alternative.

Oberaden

, 29.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Bei den Vorbereitungen der Ofrenda fangen die Erinnerungen an zurückzukommen“, sagt Rafaela Acosta Alvarez. Wenn die gebürtige Mexikanerin mit Verwandten oder Freunden diesen besonderen Altar vorbereitet, ist die Stimmung gut.

Dabei spricht Alvarez eigentlich über ein eher trauriges Thema. Denn der Brauch erinnert an die Verstorbenen. Und doch ist der Altar mit bunten Blumen, Kerzen und Essen bedeckt. Süßigkeiten, verschiedene Figuren sowie Fotos und Gegenstände, die an die Verstorbenen erinnern, sind darauf verteilt.

„Wir denken gemeinsam an die schönen Erinnerungen und nicht an die Trauer.“
Rafaela Acosta Alvarez, Mexikanerin

Während hierzulande nämlich eher in stiller Trauer den Toten gedacht wird, geht es an Allerheiligen in Mexiko ganz anders zu – bunt und farbenfroh statt schwarz.

Dort erwachen die Toten am 1. und 2. November wieder zum Leben – und das feiern die Mexikaner gemeinsam mit ihnen.

Diese besondere Trauerkultur, die sich so stark von der deutschen unterscheidet, können Bergkamener jetzt hautnah miterleben. Vom 1. bis zum 3. November wird in der Trauerhalle Hünerbein auf dem Parkfriedhof in Bergkamen-Weddinghofen eine Ofrenda aufgebaut.

Freude statt Trauer: Warum es in dieser Trauerhalle an Allerheiligen bunt zugeht

Auch Skelette landen auf dem bunten Altar. © Marcel Drawe

Mexikanerin baut traditionellen Altar in Weddinghofen auf

Rafaela Acosta Alvarez ist mit dem Neffen von Jutta Grziwotz-Schäfer, Chefin im Bergkamener Bestattungsunternehmen Schäfer-Kretschmer, verheiratet. So kam sie auf die Idee, dass man die mexikanische Trauerkultur auch nach Bergkamen bringen könnte. Alvarez lebt seit fünf Jahren in Deutschland. Die Trauerkultur aus ihrer Heimat fehle ihr hier.

Im vergangenen Jahr habe sie zum ersten Mal eine Ofrenda in ihrer Uni in Lüneburg aufgebaut. „Erst waren die Studenten schockiert. Aber dann waren sie offen und haben über ihre Erinnerungen gesprochen und Geschichten erzählt“, sagt Alvarez.

Freude statt Trauer: Warum es in dieser Trauerhalle an Allerheiligen bunt zugeht

Die bunten Schädel spielen auf den Tod hin, der immer gegenwärtig ist. © Marcel Drawe

Dieses Jahr wird sie wieder an der Uni und zusätzlich in Bergkamen einen solchen Altar gestalten. „Ich bin gespannt, ob die Bergkamener auch schockiert sind“, sagt sie. Der Altar soll nicht in der Mitte der Trauerhalle stehen, sondern am Rand, Plakate erklären zudem, was es damit auf sich hat. Wer Interesse daran hat, kann sich den bunten Altar ansehen – oder sich sogar beteiligen.

„Es ist eine Gelegenheit, neue Leute und Kulturen zu erreichen“, findet Alvarez. „Wir denken gemeinsam an die schönen Erinnerungen und nicht an die Trauer.“ In Mexiko gebe es sogar richtige Feste und manche bringen Essen und Kerzen zum Friedhof, wo sie dann auch übernachten. Das Essen ist dabei für die Lebenden und für die Toten gedacht.

Bergkamener dürfen Fotos von Verstorbenen vorbeibringen

Allerheiligen

Öffnungszeiten der Trauerhalle

  • Die Trauerhalle in Weddinhofen ist an Allerheiligen von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Um 15 Uhr findet die traditionelle Gräbersegnung der Katholischen Kirchengemeinde Bergkamen statt.
  • Nach der kurzen Andacht geht es gemeinsam über den Parkfriedhof in Weddinghofen. Am Samstag und Sonntag, 2./3. November ist die mexikanische Ofrenda in der Trauerhalle jeweils von 12 bis 16 Uhr zugänglich.
  • Jeder darf Fotos und Erinnerungsstücke von Verstorbenen vorbeibringen. Die Teile können nach Absprache ab Montag, 4. Novemer, wieder im Bestattungshaus Schäfer-Kretschmer in Oberaden abgeholt werden.

Übernachten sollen die Bergkamener freilich nicht auf dem Friedhof, aber Bilder oder Erinnerungsstücke dürfen sie gerne mitbringen und auf die Ofrenda stellen – nur so bleibt der Kontakt zu den Toten nach mexikanischem Glauben erhalten.

In Mexiko glaube man daran, dass es zwischen dem Totenreich und der Erde eine Verbindung gibt, erklärt Jutta Grziwotz-Schäfer. Doch die Toten könnten an Allerheiligen bzw. in Mexiko an den „Dias de los Muertos“ (Tage der Toten) nur zurückkehren, wenn Erinnerungsstücke oder Fotos aufgestellt werden. „Wenn es kein Foto gibt, dann verlassen sie das Zwischenreich endgültig“, erklärt Grziwotz-Schäfer.

Die Bestatterin findet dass die Idee, unterschiedliche Trauerformen zusammenzubringen, eine schöne Art ist, um zusammenzukommen und andere Kulturen kennenzulernen. „Trauer ist universell. Es spielt keine Rolle, wie man trauert“, sagt sie. Die mexikanische Trauerkultur sei „bunt, aber sehr gefühlvoll.“

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