Gudrun Salewsky wartete etwa einen Monat auf die Genehmigung, dass ihre Zahnoperation von der Krankenkasse gezahlt wird. Sie litt. Und dann kam heraus. dass gar kein Antrag nötig war.

Bergkamen

, 20.03.2020, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gudrun Salewsky hat Schmerzen. Zwei Zähne sind entzündet. Doch einfach ziehen können die Zahnärzte sie nicht, denn Salewsky ist Bluterin. Der Eingriff wäre zu riskant. Als die 72-Jährige vor etwa einem Monat eine Fachklinik fand, die den Eingriff stationär durchführen würde, war sie erleichtert. „Ich habe unheimliche Schmerzen und kann nichts mehr zu mir nehmen“, so die Bergkamenerin.

Nachdem sie Kontakt zur Fachklinik aufgenommen hatte, musste sich Salewsky allerdings in Geduld üben. Die Klinik stellte einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse, die den Fall vom Medizinischen Dienst überprüfen ließ. Das dauerte seine Zeit und Salewsky litt weiter. „Ich habe mittlerweile 60 Antibiotika geschluckt und das zerreißt mir langsam den Magen“, sagt sie.

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Mittlerweile ist jedoch klar: Salewsky hätte gar nicht so lange warten – und vor allem nicht so lange leiden müssen. Denn die Fachklinik hätte bei der Krankenkasse gar keine Kostenübernahme anfragen müssen. „Die Behandlung hätte dort gleich durchgeführt und über die Gesundheitskarte der Versicherten mit uns abgerechnet werden können“, erklärt die Pressestelle der Krankenkasse AOK NordWest, bei der Salewsky versichert ist.

Weil die Klinik einen Antrag stellte, wurde der MDK eingeschaltet

Da die Fachklinik dennoch einen Antrag bei der AOK stellte, musste die Krankenkasse vom „Medizinischen Dienst der Krankenversicherung“ (MDK) prüfen lassen, ob die Behandlung – in diesem Fall eine stationäre Aufnahme anstelle eines ambulanten Eingriffs – notwendig ist.

„In diesem Fall stellte der MDK fest, dass es sich um eine Regelversorgung handelt, die nicht vorab durch die Krankenkasse zu genehmigen ist. Ein Kostenübernahmeantrag durch die Klinik hätte in diesem Fall also gar nicht gestellt werden müssen“, so die AOK.

Wer Anträge stellt, muss manchmal geduldig sein. Ärgerlich ist es freilich nur, wenn der Antrag gar nicht nötig gewesen wäre. Genau das erlebte nun eine Bergkamenerin.

Wer Anträge stellt, muss manchmal geduldig sein. Ärgerlich ist es freilich nur, wenn der Antrag gar nicht nötig gewesen wäre. Genau das erlebte nun eine Bergkamenerin. © picture alliance/dpa

Salewsky war das nicht klar – auch nicht, als sie nach etwa einem Monat die Antwort auf den Antrag in den Händen hielt. Denn der klang für sie eindeutig nach einer Ablehnung: Zu lesen war in dem Schreiben, dass die Kosten für die beantragte stationäre Zahnbehandlung nicht übernommen werden können.

In der Begründung stand weiter, dass eine Kostenübernahme vorab nicht erfolgen kann, gegebenenfalls erfolge eine Prüfung im Nachhinein. Salewsky wusste nicht weiter. „Ich bekomme nicht viel Rente, vorstrecken kann ich die Behandlung nicht.“

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Dass unsere Redaktion nachgehakte, brachte dann Licht ins Dunkel – denn eine Nachfrage bei der AOK ergab, dass ein Antrag durch die Fachklinik schlicht gar nicht nötig war. Die Fachklinik hätte selber entscheiden können, dass der Eingriff notwendig ist und hätte die Operation normal über die Krankenkasse abrechnen lassen können.

Ärzte können in der Regel einschätzen, wann sie einen Antrag stellen müssen

Dass Kliniken oder Ärzte nicht einschätzen können, ob sie eine Behandlung normal abrechnen können oder einen Antrag stellen müssen , kommt laut AOK selten vor. „In der Regel wissen die Ärzte, welche Leistungen vorab beantragt werden müssen, zum Beispiel bei der Abklärung, ob ggf. eine kosmetische Indikation oder medizinische Notwendigkeit bei Brustverkleinerungen vorliegt“, so die AOK.

In Salewskys Fall war aber klar, dass eine stationäre Behandlung unumgänglich ist. Das erklärte die AOK ihrer Kundin jetzt auch. Die AOK wird die Behandlung der Bergkamenerin übernehmen. Die 72-Jährige ist darüber mehr als glücklich. „Ich bin erleichtert, habe aber auch etwas Angst vor der Operation“, sagt Salewsky.

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Vor ihr liegt eine unangenehme Zeit. „Sobald die Zähne gezogen sind, kommen nach acht bis zehn Tagen die Fäden `raus und dann bekomme ich irgendwann neue Zähne. Das kommt auch noch auf mich zu. Ich habe noch etliche Wochen vor mir.“

Zumindest kann Salewsky sich jetzt aber sicher sein, dass sie nicht für die Kosten aufkommen muss. Und das ist schon einmal eine Sorge weniger. Dass die Bergkamenerin nachgehakt hat und die vermeintliche Absage nicht hinnahm, war jedenfalls genau richtig.

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