„Schicht im Schacht“ war in diesem Jahr das Motto des Museumsfestes, passend zum Ende des Bergbaus. Es war ein Fest zwischen Bergbau-Nostalgie und dem Anspruch, die Erinnerung zu erhalten.

von Sharin Leitheiser

Bergkamen

, 19.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Im Dezember diesen Jahres wird der Kohlehobel zum letzten Mal hobeln und der deutsche Steinkohlen-Bergbau begraben werden – umso passender war das diesjährige Motto zum Tag des Bergmanns im Bergkamener Stadtmuseum. Mit „Schicht im Schacht“ verabschiedete Bergkamen den aktiven Bergbau am Wochenende in den Ruhestand und begrüßte ihn gleichzeitig als Kulturgut für zukünftige Generationen.

„Es ist ein unglaublich schönes Bild, wenn Opas mit ihren Enkelkindern durch unsere Ausstellung gehen und ihnen erklären, wie es unter Tage war“, sagt Museumsleiter Mark Schrader. Die Bergbau-Kultur zu bewahren, betrachtet er als wichtige museumspädagogische Aufgabe. Von der Förderung des „schwarzen Goldes“ verabschiede sich vor allem das Ruhrgebiet mit einem lachenden und einem weinenden Auge – vom Kohle-Stopp profitiere jetzt am meisten die Natur. „Trotzdem ist der Bergbau ein Teil unserer Geschichte, der nie in Vergessenheit geraten sollte.“

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Museumsfest Bergkamen

19.08.2018
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Bergkamen. Das Museumsfest im Stadtmuseum Bergkamen hatte in diesem Jahr das Motto "Schicht im Schacht" und stand ganz im Zeichen des Abschieds vom Bergbau. Die Mitglieder des Geschichtskreises Haus Aden/Hrimberg 3/4 führten unter anderen durch den Barbarastollen im Keller des Museums.© Marcel Drawe
Der ganze Stolz der Geschichtskreis-Mitglieder ist der neue Lehrstollen, den sie in dreijähriger Arbeit auf dem Musuemshof gebaut haben.© Marcel Drawe
Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Musuems führten die Besucher durch die Ausstellung. Ludwika Gulka-Höll (l.) und Jolanta Wolanin zeigen die Ausrüstung eines Bergmanns© Marcel Drawe
Dabei gab es einiges zu sehen, wie dieser Kohlehobel, der jetzt im Musuemshof zu besichtigen ist.© Marcel Drawe
Tossa Büsing erklärt Besuchern des Grubenauausbau im Lehrstollen.© Marcel Drawe
Viele ehemalige Bergleute nutzten die Gelegenheit, ihren Enkeln etwas über die Arbeit unter Tage zu erzählen wie Larl-Werner Elandt mit Enkel Felix (6).© Marcel Drawe
Für die Kinder gab es viele Angebote. Sie konnten zum Beispiel mit Ludwika Gulka Höll. Museumsleiter Mark Schrader und Tosaa Büsing in der Grubenbahn probesitzen.© Marcel Drawe
Die Zwillinge Miguel (l.) und Rodrigu (11) machten eine Erkundungstour im Barbarastollen.© Marcel Drawe
Jill (10) probierte die Bergmannskluft und einen Pressluftbohrer aus.© Marcel Drawe
David (3, l.) und sein Bruder Jonas (5) krochen durch den eigens aufgebauten Kinderstollen.© Marcel Drawe
Der Barbarastollen im Museumskeller vermittelt, wie es unter Tage aussah.© Marcel Drawe
Die Besucher konnten sich auch Filme zum Bergbau anschauen.© Marcel Drawe
Der Sonntag stand ganz im Zeichen einer Feier auf dem Musuemshof, zu dem Knappenverine, der Geschichtskreis, das Werkorchester Bergwerk Ost und der Chor der ehemaligen Zeche Victoria gekommen waren.© Marcel Drawe
Bei dem Festakt übergab die Sängervereinigung Oberaden/Beckinghausen, die sich Ende des Jahres auflöst, ihre Fahnen ans Museum.© Marcel Drawe
Beim Festakt gab es eine ganze Reihe Redner, die an die Geschichte des Bergbaus in Bergkamen erinnerten.© Marcel Drawe
Unter anderem redete Volker Wagner vom Geschichtskreis.© Marcel Drawe
Das Werkorchester Bergwerk Ost spielte auch die Melodie, als alle zum Abschluss das Steigerlied sangen.© Marcel Drawe
Knappen und Sänger waren in ihren Uniformen gekommen.© Marcel Drawe
Pfarrer Reinhard Chudaska hielt im Bergmannshemd einen ökumenischen Gottesdienst.© Marcel Drawe

Originalgetreuer Stollen

Ein originalgetreu ausgestatteter Lehrstollen im Museumshof bildet von nun an das Herzstück der Bergbau-Abteilung im Stadtmuseum. Er ergänzt die Nachbildung des Barbara-Stollens im Museumskeller und vermittelt Interessierten ein noch lebhafteres Bild von der geheimnisvollen Untertage-Welt. Am Samstag gaben Schrader und sein Team die Vortriebsstrecke nach über drei Jahren Vorbereitung erstmals für jedermann frei.

Fachmännische Auskunft gaben die Mitglieder des Geschichtskreises Haus Aden/Grimberg 3/4 – mit stilecht um den Hals geknotetem Schweißtuch und in weißer Arbeitshose. „Eine weiße Hose war für den Bergmann Pflicht, um für seine Kumpel in dunkler Umgebung besser sichtbar zu sein“, erklärte Hermann Wedemeyer. Dass der Lehrstollen nun endlich fertig sei, mache ihn und seine Kameraden sehr glücklich. „Vom Fundament über den Ausbau bis hin zu den Grubentelefonen an der Wand haben wir alles selbst bei Kollegen und in ehemaligen Schachtanlagen zusammengesucht, um es dann hier wieder aufzubauen“, so der ehemalige Bergmann. Ein Teckel-Wagen für den Transport von Langmaterial, zu Sitzgelegenheiten umfunktionierte Munitionskisten und viele weitere liebevolle Details komplettieren das authentische Gruben-Erlebnis für Groß und Klein.

Besucher Stefan Szameitat und sein fünfjähriger Sohn Ben hatten am Samstag sichtlich Spaß bei der Erkundung des Lehrstollens. „Der Opa war auf der Zeche und sein Papa auch, deshalb ist Ben von Anfang an Feuer und Flamme für alles gewesen, was mit Bergbau zu tun hat“, verriet der Familienvater. Er selbst habe acht Jahre unter Tage gearbeitet, bevor ihn das große Zechensterben eingeholt habe, sagt Szameitat. „Die Arbeit war schwer, es war dunkel und staubig, aber ich würde sofort wieder runtergehen.“

Abschiedsfest für den Bergbau

David (3, l.) und sein Bruder Jonas (5) erkundeten den Kinder-Stollen, der eigens für den Familientag zum Museumsfest im Hof des Stadtmuseums stand. © Marcel Drawe

Kinder-Stollen im Hof

Keine Frage, dass Ben am Samstag auch in den kleinen Kinder-Stollen krabbeln wollte, der eigens für den Familientag im Museumshof aufgebaut war. „Da habe ich sechs Kohle-Stücke gefunden. Die kommen zu Hause in meine Steinsammlung“, erzählte der Fünfjährige stolz.

Musikalisch sorgte am Samstag Peter Schedalke mit einem Schlager-Hit nach dem nächsten für Unterhaltung, gegen den Hunger gab es Grillwurst oder Kuchen. Sogar echte Bergmanns-Ausrüstung durften die Kinder aus- und anprobieren – vom drei Kilo schweren Gürtel bis hin zum Schutzhelm.

Abschiedsfest für den Bergbau

Der Sonntag war mehr den ehemaligen Bergleuten gewidmet. Knappenvereine und der Geschichtskreis feierten einen emotionalen ökumenischen Gottesdienst. © Marcel Drawe

Festakt für die Bergleute

Zum zweiten Teil der Veranstaltung am Sonntag richtete sich das Programm eher an ein älteres Publikum und ehemalige Bergleute. So begrüßten Willi Null und Volker Wagner vom Geschichtskreis die Anwesenden mit emotionalen Ansprachen, in der sie die Bedeutung des regionalen Bergbaus aufarbeiteten. Viele Mitglieder der örtlichen Knappenvereine nahmen am anschließenden ökumenischen Gottesdienst mit Pfarrer Reinhard Chudaska, dem Werkorchester Bergwerk-Ost und dem Bergmannschor Victoria teil. Als am Ende die gesamte Versammlung das traditionelle Steiger-Lied anstimmte, erreichte der Bergkamener „Tag des Bergmanns“ seinen absoluten Höhepunkt.

Mit harmonischem Rock-Pop von der Band „Lass’se“ ließen Museumsleiter Schrader und sein Team das Wochenende ausklingen.

„Das waren für uns zwei ganz besondere Tage“, bilanzierte Mark Schrader. Im kommenden Jahr wolle er zwar noch Schilder anbringen, damit sich die Bergbau-Ausstellung auch von selbst erkläre, „aber der größte Teil ist geschafft.“

Um sich auszuruhen, hat der Museumsleiter aber keine Zeit. Der Barbarastollen müsse bald aufgeräumt, das Hauptgebäude saniert und der Zwischentrakt umgebaut werden. „Allmählich legen die Architekten ihre finalen Entwürfe für einen zweiten Museums-Eingang vor“, so Schrader.

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