Abschied von immergrünen Fichten: Die Todesprophezeiung eines Revierförsters

dzBäume in Bergkamen

„Es sieht düster aus“, sagt Revierförster Oliver Stenzel-Franken nüchtern. Einige Baumarten wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben – nicht nur in Bergkamen. „Da gibt es nichts zu beschönigen.“

Bergkamen

, 26.09.2019, 15:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich glaube, das war jetzt der Kipppunkt“, sagt Oliver Stenzel-Franken vom RVR – und macht damit eine schaurige Vorhersage. Kipppunkte führen zu Veränderungen des Klimas. „Es besteht die Gefahr, dass abrupte, drastische Klimaänderungen die Anpassungsmöglichkeiten der menschlichen Gesellschaft übersteigen. Dies gilt besonders für solche Fälle, in denen die bewirkten Änderungen nicht mehr umkehrbar sind“, schreibt das Umweltbundesamt über die Veränderungen, die diese Punkte hervorrufen können.

„Irgendwann ist der Kipppunkt erreicht und dann bricht alles drastisch zusammen.“
Förster Oliver Stenzel-Franken

„Irgendwann ist der Kipppunkt erreicht und dann bricht alles drastisch zusammen“, sagt auch Stenzel-Franken mit Blick auf seine Wälder. Der für Bergkamen zuständige Förster prophezeit einen drastischen Baumwechsel. Und der ist schon jetzt sichtbar.

Bergkamen soll auch ohne Fichten grüne Akzente behalten

In Bergkamen gebe es kaum noch Fichten, einige musste Stenzel-Franken bereits abholzen – zum Beispiel am Kleiweg am Lüttke Holz. „Von den Fichten müssen wir uns verabschieden“, sagt er. Die Bäume werden künftig nur noch in höher liegenden Regionen wachsen.

Auch die Bergkamener Buchen haben es schwer. Sie sind das zweite Sorgenkind der Förster. Obwohl der Sommer von den Temperaturen her noch relativ normal gewesen sei – abgesehen von ein paar Ausreißern – sei er immer noch viel zu trocken gewesen, sagt Stenzel-Franken. „Es gibt massivere Schäden als noch vor dem Sommer angenommen.“

Jetzt lesen

Abschied von immergrünen Fichten: Die Todesprophezeiung eines Revierförsters

Die Buchen im Lüttge Holz sterben langsam, von oben nach unten ab. Sie bekommen einen Sonnenbrand, die Rinde platzt, die Krone wird lichter. © Marcel Drawe

In Bergkamen werden neue Bäume gepflanzt – wenn es denn welche gibt

Stenzel-Franken ist besorgt, aufgegeben hat er aber freilich nicht. Er kämpft unter anderem dafür, dass Bergkamen grün bleibt – auch ohne die Fichten. Er will neben robusteren Laubbäumen Douglasien-Tannen pflanzen. Die Betonung liegt jedoch auf dem Wörtchen „will“.

Stenzel-Franken hat am Kleiweg und an eine von der Erich-Ollenhauer-Straße abgehenden Radtrasse ganz in der Nähe des Lüttke Holz bereits gemulcht und Schutzzäune errichtet. Jetzt fehlen nur noch die bestellten jungen Pflanzen. Ob die den Förster je erreichen, weiß er nicht.

„Von den Fichten müssen wir uns verabschieden.“
Förster Oliver Stenzel-Franken

„Im RVR-Gebiet müssen 120 Hektar Wald aufgeforstet werden, aber es sind kaum Pflanzen greifbar, weil auch viele junge Bäume vertrocknet sind“. Zwar werden die Bäume in einer Baumschule gewässert, „aber sie sind auch der prallen Sonne ausgesetzt.“

Für das Lüttke Holz hat sich Stenzel-Franken etwas anders überlegt: Naturverjüngung. Der Wald soll sich selbstständig erneuern und erholen. Alte Bäume lässt er extra stehen. „Sie sind wie Sonnenschirme für die jungen.“ Die Methode fordert zwar Geduld, ist aber stabiler.

Abschied von immergrünen Fichten: Die Todesprophezeiung eines Revierförsters

Förster Oliver Stenzel-Franken ist besorgt um die Bäume in Bergkamen. Einige musste er fällen. © Stefan Milk

Bäume könnten noch dieses Jahr gepflanzt werden

Wenn der Wunsch des Försters in Erfüllung geht, dann pflanzt er im November die jungen Bäume ein. Von dem Fahrradweg, den der RVR von der RAG übernimmt, hat er die Pappeln entfernt und visiert nun eine Art Allee an. „Ich würde dort gerne Flatterulmen pflanzen.“

„Es gibt massivere Schäden als noch vor dem Sommer angenommen.“
FÖRSTER OLiver STENZEL-FRANKEN

Auch Esskastanien wünscht sich der Baumexperte für Bergkamen. Stenzel-Franken will den Nachwuchs noch in diesem Jahr einpflanzen. „Früher ging das noch im März oder April. Aber die Zeiten sind vorbei“, sagt er mit Blick auf die steigenden Temperaturen. Der November hingegen sei perfekt zum Einpflanzen, weil es dann feucht ist.

Stenzel-Franken wird die Fichten und kranken Buchen nicht durch gleiche Arten ersetzen. Die Wälder in Bergkamen und anderswo werden in wenigen Jahren nicht mehr aussehen wie heute. „Da gibt es nichts zu beschönigen.“

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bergkamener Straße/Nordring

Anwohner verärgert: Gelbe Mülltonnen bleiben wegen Straßen-Großbaustelle ungeleert

Meistgelesen