Der Kaufland-Markt in Bergkamen-Mitte schließt. © Stefan Milk
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Abruptes Ende des Konflikts bei Kaufland: Markt in Bergkamen schließt

Seit fast einem Jahr liegt Kaufland im Streit mit dem Betriebsrat seines Marktes in Bergkamen-Mitte. Nun findet der Konflikt ein ebenso überraschendes wie abruptes Ende.

Wann immer in den vergangenen Jahren Gerüchte aufkamen, dass Kaufland an der Töddinghauser Straße schließt, hieß es aus der Unternehmenszentrale in Neckarsulm: Nichts dran, die Filiale in Bergkamen ist eine unserer umsatzstärksten. Nun bleiben die Kunden weg, der Umsatz auch, und Kaufland schließt seinen Markt neben dem Bergkamener Rathaus. Das hat das Unternehmen am Mittwochnachmittag mitgeteilt. Über den konkreten Termin werde Kaufland in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Betriebsrat führen, teilte eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage mit. Aus Mitarbeiterkreisen verlautete, dass der 30. April möglich sei.

Die Beschäftigten und der Betriebsrat waren nach Angaben von Kaufland über die bevorstehende Schließung informiert worden. Auch für sie kam das wohl überraschend. „Der Betriebsrat ist schockiert und entsetzt“, sagte Albrecht Seidel, der Rechtsanwalt des Betriebsrates.

Beim Konflikt bei Kaufland in Bergkamen-Mitte soll es nun eine Mediation gegeben. Auch der Weg dorthin war offenbar von Streit geprägt. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Schließung hat eine Vorgeschichte: Den Konflikt zwischen dem Betriebsrat und der Unternehmensleitung, der seit fast einem Jahr schwelt. Den erwähnt Kaufland in seiner Pressemitteilung zwar nicht. Aber es liegt auf der Hand, dass er die Ursache für die Schließung ist. Von der sind rund 100 Mitarbeiter betroffen. Ihnen hat Kaufland eigenen Angaben zufolge angeboten, in einem anderen Kaufland-Markt zu arbeiten.

Die Beschäftigten sind seit einem Jahr freigestellt

Gearbeitet haben die Beschäftigten von Kaufland in Bergkamen schon seit fast einem Jahr nicht mehr. So lange streiten Betriebsrat und Arbeitgeber über eine Betriebsvereinbarung zum Schutz vor dem Coronavirus. Kaufland lehnt die ab, im Gegenzug verweigern die Arbeitnehmervertreter die Zustimmung zu den Dienstplänen. Deshalb sind die Mitarbeiter seit Mai 2020 freigestellt. Bisher bekamen sie ihr Gehalt weiter.

Den Betrieb halten Aushilfen mit Werkvertrag aufrecht. Allerdings wohl mehr schlecht als recht und zur Unzufriedenheit der Kunden: „Der Markt in Bergkamen-Mitte hat inzwischen mit einer sich stetig verschlechternden Geschäftsentwicklung zu kämpfen“, schreibt Kaufland.

Der Mietvertrag, den Kaufland mit dem Eigentümer des Rathaus-Centers abgeschlossen hat, läuft noch bis Oktober 2025. © Stefan Milk © Stefan Milk

Weil das Stammpersonal nicht zur Verfügung steht, sind die Bedientheken und auch die Kundeninformation geschlossen. „Die Kundschaft hatte darauf zuletzt immer deutlicher durch ihr Fernbleiben reagiert“, heißt es in der Kaufland-Mitteilung. Deshalb sehe Kaufland „keine Möglichkeit mehr, den betroffenen Markt wirtschaftlich und im Sinne der Kunden zu betreiben“.

Mitarbeiter klagen gegen den Betriebsrat

Auch durch die Belegschaft geht ein tiefer Riss. Im Herbst reichte knapp die Hälfte der Mitarbeiter eine Klage beim Arbeitsgericht ein, um den Betriebsrat aufzulösen. Die andere Hälfte stellte sich hinter seine gewählten Vertreter.

Das Gerichtsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Auch sonst sahen sich die Rechtsvertreter von Arbeitgeber und Betriebsrat ziemlich häufig vor Gericht, eine Lösung kamen sie dabei aber nicht näher. Anfang dieses Jahres scheiterte der Versuch einer außergerichtlichen Einigung.

Der Mietvertrag von Kaufland für das Rathauscenter läuft bis Oktober 2025. Ursprünglich hatte das Unternehmen eine langfristige Verlängerung angestrebt, um den Markt grundlegend zu modernisieren. Die Gespräche darüber mit dem Eigentümer, der DTU Beta aus Düsseldorf, wurden aber im vergangenen Herbst auf Eis gelegt.

Nach Angaben des Geschäftsführers der DTU, Thorsten Unterfeld, wollte Kaufland erst einmal abwarten, was sich auf dem Turmarkaden-Areal auf der anderen Seite der Töddinghauser Straße tut. Dort sollen unter anderem ein großer Edeka-Markt, eine DM-Filiale und andere Geschäfte öffnen. Die Schließung des Kaufland in Bergkamen-Mitte stehe jedoch „in keinem Zusammenhang mit der möglichen Ansiedlung eines Mitbewerbers“, so die Unternehmenssprecherin.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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