Abrissreife Hauptschule in Weddinghofen ist immer noch voll möbliert

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Von außen wirkt die alte Heideschule an der Berliner Straße ungepflegt, heruntergekommen und so abrissreif, wie sie ist. Im Innern aber hat sich seit dem Auszug der Schüler nichts verändert.

Bergkamen

, 15.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Bauzaun umschließt seit Monaten die abrissreife Heideschule an der Berliner Straße in Weddinghofen. Die ehemalige Hauptschule ist seit dem Aus der Schulform in Bergkamen ungenutzt. Das Gebäude hat als Schule keine Zukunft mehr und soll abgerissen werden.

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Doch wer glaubt, dass das Gebäude besenrein dem Investor übergeben wurde, der irrt – und zwar gewaltig. Im Inneren der Schule soll es noch so aussehen wie damals, als täglich Schüler ein- und ausgingen. Das Mobiliar sei noch fast vollständig erhalten, heißt es aus mehreren Quellen. Sogar der Chemieraum soll noch voll eingerichtet sein. Und Bücher und Papier gäbe es in Mengen.

Überall steht noch Schulmobilar

Das bestätigt auch ein Sprecher der Fakt AG, die das Gebäude einst von der Stadt kaufte und inzwischen an eine Wohnungsbaugesellschaft weiterveräußert hat. Die Fakt AG ist jedoch noch für den Abriss – und damit die fachgerechte Entsorgung der Gebäudebestandteile – verantwortlich.

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In der Woche vor dem Brand war ein Mitarbeiter der Fakt AG mit dem Abrissunternehmer vor Ort gewesen und hatte in Augenschein genommen, welche Arbeiten zu erledigen seien. „Wir sind durch alle Etagen gelaufen. Überall stand noch Mobiliar“, sagt er. Der Abrissunternehmer habe „ganz schön gestaunt, was da alles zu tun sei“.

Beim jüngsten Einsatz musste die Feuerwehr etliches Brandgut aus dem Schulgebäude holen, um es im Freien ablöschen zu können.

Beim jüngsten Einsatz musste die Feuerwehr etliches Brandgut aus dem Schulgebäude holen, um es im Freien ablöschen zu können. © Stephanie Tatenhorst

Umstand war bekannt

Unbekannt war niemandem, dass die ehemalige Schule alles andere als besenrein war. Schließlich musste nicht zuletzt die Feuerwehr immer wieder zu dem verwinkelten Schulgebäude eilen, weil es dort brannte. Selbst Übungen wurden dort abgehalten. Bei vielen echten Einsätzen wurden Türen und Fenster aufgebrochen und diverse Winkel der Schule begangen. In Einsatzberichten und Protokollen dürfte festgehalten worden sein, was die Brandbekämpfer vor Ort vorfanden: eine unterm Strich immense Brandlast.

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Wem gehört der Müll?

„Von uns wurde davon nichts übernommen“, sagt der Fakt-Sprecher. „Da sind zig Schulbücher, Tische, Stühle, Tafeln. Räume, die überhaupt nicht geräumt wurden“, beschreibt der Fakt-Mitarbeiter, der selbst im Gebäude war. Was damit passieren sollte, hätte die Stadt entscheiden müssen. „Mehr als absperren und sichern konnten wir nicht.“

Stadt weist Eigentum zurück

Grundstücksangelegenheiten und Immobilienfragen obliegen bei der Stadt dem Liegenschaftsamt, das dem Dezernat IV zugeordnet ist, dem der Erste Beigeordnete Dr. Hans-Joachim Peters vorsteht. „Wir sind da aber der falsche Adressat“, stellt Peters klar. Das Inventar einer Schule falle in den Budgetbereich des Dezernates II. Dort werde entschieden, ob es noch zu nutzen sei oder nicht. „Ohne der Kollegin Busch vorgreifen zu wollen“, sagt Peters jedoch, dass seinerzeit entschieden worden sei, dass es ein zu großer Aufwand gewesen wäre, alle Dinge aus der Schule herauszuholen, die ohnehin abgerissen werden sollte. „Das wäre für den Steuerzahler ineffektiv gewesen“, erklärt Peters.

Gekauft wie gesehen?

Ohne nochmals einen Blick in die seinerzeit geschlossenen Verträge geworfen zu haben, erklärt Peters, dass der Verkauf der Immobilie erfolgt sei „wie gesehen. Da gibt es auch eine Schadstoffverpflichtung. Da weiß jeder, woran er ist und da wird auch seitens des Käufers genau hingesehen, was er da kauft.“ Denn die Objektsicherheit obliege ab dann dem Käufer, sagt Peters.

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Dass es diese Variante von Verträgen gibt, bestätigt auch der Fakt-Sprecher, doch im Fall der Heideschule sei das nicht der Fall. Vom Ausmaß des vorhandenen Inventars sei man doch überrascht gewesen.

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Nun hofft das Essener Unternehmen, nach der Brandstiftung so schnell wie möglich die Freigabe der Polizei zu erhalten und tätig werden zu können, um die Gefahrenquelle ein für alle Mal zu beseitigen.

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