Abriss und Neubau oder Umbau des Rathauses: Das kommt noch einmal auf den Prüfstand

dzFinanzprobleme durch Corona

Wenn sich Bergkamen ein neues Rathaus leistet, würde das etwa 45 Millionen Euro kosten. Angesichts zu erwartender finanzieller Probleme durch die Corona-Krise kommt das Projekt noch einmal auf den Prüfstand.

Bergkamen

, 20.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Bergkamen wollte zwar auch Anfang des Jahres noch prüfen lassen, ob der Bau eines neuen Rathauses besser ist oder die Sanierung des Altbaus aus der Mitte der 70er Jahre. Für sich persönlich hätte er die Frage aber leicht beantworten können, sagt Bürgermeister Roland Schäfer. „Ich wäre für einen Neubau gewesen“, bekennt er. Die Investitionssumme sei zwar auf den ersten Blick gewaltig. Angesichts niedriger Zinsen und der langen zu erwartenden Nutzungsdauer des neuen Rathauses sei das jedoch recht problemlos machbar gewesen.

Kämmerer fürchtet schlechtere finanzielle Lage

Die Corona-Krise hat jetzt alles geändert. Kämmerer Marc Alexander Ulrich kann die möglichen Verluste bei den Einnahmen zwar noch nicht beziffern. Er geht aber fest davon aus, dass sie nicht mehr so fließen wie erwartet. Insbesondere bei der Gewerbesteuer muss die Stadt wahrscheinlich deutliche Abstriche machen.

Daher sollen auch die Pläne noch einmal auf den Prüfstand. Schäfer ist dafür, einen Gutachter zu beauftragen, der die mögliche Sanierung und den Umbau des bisherigen Rathauses noch einmal genau prüfen soll.

Zwischen Rathaus und dem ehemaligen Friedhof sieht die Stadt Platz für den Neubau des Rathauses. Ob es dazu kommt, hängt von einem Gutachten ab.

Zwischen Rathaus und dem ehemaligen Friedhof sieht die Stadt Platz für den Neubau des Rathauses. Ob es dazu kommt, hängt von einem Gutachten ab. © Marcel Drawe

Gutachter soll auch etagenweise Sanierung prüfen

Dabei geht es auch um den schwierigsten Punkt bei der Sanierung: Im Rathaus ist an vielen Stellen Asbest verbaut – unter anderem in den Außenplatten. Die Stadt war deshalb davon ausgegangen, dass es während der Sanierung komplett geräumt werden muss. Der Gutachter soll jetzt untersuchen, ob auch eine etagenweise Sanierung möglich ist, während der Betrieb in den anderen Etagen weiter läuft. Das würde der Stadt die teuren Kosten für eine Unterbringung der Stadtverwaltung in Containern ersparen.

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Der Gutachter soll aber auch abschätzen, ob ein Umbau des alten Rathauses überhaupt so möglich ist, dass es auch in den kommenden 20 oder 30 Jahren noch für die Arbeit der Stadtverwaltung taugt. Schon jetzt fehlen im Rathaus Räume, in denen Besprechungen möglich sind, auch wenn alle Richtlinien des Datenschutzes beachtet werden.

Rathaus muss an neue, digitale Arbeitsweise angepasst werden

Schäfer geht außerdem davon aus, dass sich die Arbeit auch bei der Stadt im Zuge der Digitalisierung deutlich ändert. Platz für Akten wird größtenteils überflüssig. Dafür wird es mehr sogenannte „Shared Workspaces“ geben – Büroarbeitsplätze, die sich städtische Mitarbeiter je nach Bedarf teilen.

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Ein Umbau für solche Erfordernisse stößt an Grenzen, befürchtet der Bürgermeister. Nach seinen Angaben lässt sich die Raumaufteilung im Rathaus nur sehr begrenzt verändern. Der Gutachter soll klären, was möglich ist.

Bisher hatte die Stadt einen Neubau zwischen dem bestehenden Rathaus und dem ehemaligen Friedhof favorisiert. Das alte Rathaus sollte abgerissen werden, wenn das neue bezogen ist. Das dann freie Grundstück sollte dann möglicherweise für andere zentrale Einrichtungen wie die Stadtbibliothek oder die VHS genutzt werden.

Auf dem Gelände der ehemaligen Turmarkaden ist viel Platz. Dort könnte ein Investor ein neues Rathaus bauen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Turmarkaden ist viel Platz. Dort könnte ein Investor ein neues Rathaus bauen. © Marcel Drawe

Neubau auf dem Turmarkaden-Gelände durch einen Investor

Schäfer hält auch noch eine weitere Variante für möglich: Das Rathaus könnte auch auf dem Turmarkaden-Grundstück gebaut werden, möglicherweise von einem Investor, der es der Stadt verkauft oder mit einem langfristigen Mietvertrag vermietet.

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Die Gutachter von der „Planungsgruppe Stadtbüro“ empfehlen in ihrem Stadtmittekonzept „Bergkamen mittendrin“ , das alte Rathaus auch bei einem Neubau nicht abzureißen, sondern es zu erhalten und anders zu nutzen. Sie gehen davon aus, dass Rathaus und Ratstrakt „stadtbildprägend“ sind und deshalb als Gebäude erhalten bleiben sollten. Schäfer fehlt aber bisher noch eine Idee, wie das Ratshaus-Gebäude anders genutzt werden könnte. Der Umbau zu modernen, barrierefreien Wohnungen sei schwierig. Die Stadt sucht noch Ideen für eine mögliche neue Nutzung.

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