Endlich wieder in der Schule lernen und im Technikunterricht Experimente durchführen. Die Obenstufenschüler am Gymnasium Bergkamen haben den richtigen Unterricht vermisst. © Stefan Milk
Schule in Bergkamen

Abitur in Coronazeiten: Schüler haben ein „mulmiges Gefühl“

Die Oberstufenschüler dürfen zurück in die Schule, denn ihnen steht das Abitur bevor. Theoretisch haben sie nichts verpasst: Aber ist im Distanzunterricht wirklich alles hängen geblieben?

Die Oberstufenschüler des Gymnasiums Bergkamen fühlten sich während des Lockdowns gut aufgehoben. Ihre Lehrer gaben ihr Bestes, um den Stoff auch aus der Ferne zu vermitteln – teils im Video-Unterricht, mit Aufgaben, die die Schüler hochladen sollten oder auch auf kreativen Wegen.

„Die Lehrer haben sich sehr viel Mühe gegeben, den Stoff zu vermitteln, aber es war trotzdem nicht so gut wie im Klassenzimmer“, findet Vincent Brecht. Der 16-jährige Gymnasiast macht im nächsten Jahr sein Abitur. Das spornte ihn während des Lockdowns auch an, fleißig dabei zu bleiben und sich zu Hause zum Lernen zu motivieren.

Aber weil er und seine Mitschüler neuen Stoff teils alleine zu Hause erarbeiten mussten, wo nicht spontan Fragen gestellt werden können oder der Lehrer etwas ein zweites Mal erklären kann, bleibt bei ihm doch ein leicht mulmiges Gefühl, wenn er an die bevorstehenden Prüfungen denkt. Der Schüler fühlt sich zwar gut vorbereitet, aber gesteht, dass doch eine kleine Sorge bleibt, im Online-Unterricht vielleicht doch etwas nicht richtig verstanden haben.

Klausuren geben etwas Sicherheit

Für etwas Sicherheit sorgen da die Klausuren, in der davor behandelte Themen abgefragt werden. „Sie zeigen den Lernstand an und sind ein Beweis dafür, dass man auf einem guten Weg ist“, sagt Brechts Mitschüler Kilian Flottau.

Noten sind freilich eine hilfreiche Rückmeldung, doch nicht jeder Schüler wird mit damit wahrscheinlich so zufrieden sein wie Flottau.

Nicht alle Schüler kommen im Distanzunterricht so gut zurecht wie Brecht und Flottau, die sich auch zu Hause gut motivieren konnten. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben – zum Beispiel haben nicht alle Schüler einen gut ausgestatteten Arbeitsplatz oder die Möglichkeit, sich zurückziehen.

Dass den Schülern entgegengekommen werden muss, hat auch die Politik erkannt und die Regularien für das Abitur in diesem Jahr deshalb angepasst. „Es gibt dieses Jahr mehr Auswahlmöglichkeiten für die Lehrer“, erklärt Schulleiterin Bärbel Heidenreich.

Abi 2021: Stoff, der im Lockdown zu kurz kam, wird aussortiert

Die Lehrer können zwischen mehr Aufgaben als sonst auswählen und Aufgaben herausnehmen, weil der Stoff im Distanzunterricht zu kurz gekommen sein könnte. Die Schüler bekommen so nur Aufgaben, von denen der Lehrer weiß, dass sie den Stoff umfassend gelernt haben.

Diese erweiterte Auswahl, die es in manchen Fächern übrigens schon vorher gab, wird allerdings vorerst nur für die Prüfungen der Q2 eingeführt – also der Stufe über Brecht und Flottau, die schon dieses Jahr ihr Abitur macht. Wie das Abitur der Q1 aussieht, die ja ebenfalls abiturrelevanten Stoff im Distanzunterricht lernen musste, sei noch nicht entschieden, erklärt Heidenreich.

Die Schulleiterin kann sich die Änderungen, die es für die Q2 gibt, aber auch gut für die Q1 vorstellen. „Das schafft Flexibilität. Es wäre nur schön, das jetzt schon zu erfahren. Das würde den Druck rausnehmen.“ Doch noch herrscht bei der Q1 Ungewissheit und bei einigen ein mulmiges Gefühl, wenn sie an ihre Abiprüfung denken.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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