Die Bewohner der ehemals geräumten Hochhäuser an der Töddinghauser Straße 135 und 137 mussten vier Monate lang auf ihr Bett verzichten. Deutlich länger müssen sie ohne ihren Stellplatz auskommen.

Bergkamen

, 06.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bewohner der beiden Hochhäuser Töddinghauser Straße 135 und 137 haben im vergangenen Jahr einiges mitgemacht, als sie aufgrund mangelnden Brandschutzes ihre Wohnungen räumen mussten. Vier Monate lang kamen sie bei Bekannten, Verwandten oder in der Notunterkunft unter. Manche zogen ganz aus.

Jetzt lesen

Die Lage hat sich mittlerweile entspannt. Zwar müssen noch weitere Brandschutzauflagen erfüllt werden, aber die Bewohner dürfen in ihren Wohnungen bleiben. Damit haben sie im September zumindest ihren Schlafplatz wiederbekommen. Was jetzt noch fehlt, sind die Stellplätze für ihre Autos. Denn auch auf die müssen die Eigentümer derzeit verzichten – mit Brandschutz hat das Ganze aber nichts zu tun.

Denn die 60 Stellplätze, die den Eigentümern eigentlich zur Verfügung stehen, gibt es nicht mehr. Sie befanden sich im Parkhaus der Turmarkaden – von denen mittlerweile nicht mehr viel übrig ist. Während der Abrissarbeiten können die Mieter und Eigentümer der Wohnungen nicht auf ihren Parkplätzen stehen. Warum, ist offensichtlich.

Durch den Turmarkaden-Abriss sind in der City vorerst 60 Parkplätze verschwunden

Neben dem Eingang des Hochhauses an der Töddinghauser Straße 137 befinden sich ein Hydrant und eine Steigleitung. Davor darf man nicht parken. Auch vor die Tür dürfen die Bewohner nicht fahren – der Bereich gehört zur Feuerwehrzufahrt. © Marcel Drawe

Neuer Eigentümer wird 60 Parkplätze bauen

Wie der Hausverwalter Jörg Berchem erklärt, gibt es für die Hochhäuser eine entsprechenden Eintrag im Grundbuch. Die Stadt habe damals die Auflage gemacht, dass jede Wohnung einen Stellplatz nachweisen muss.

Der neue Eigentümer des Turmarkaden-Grundstücks ist laut Berchem nun verpflichtet, die 60 Stellplätze für die Bewohner zu bauen. Und das wird er auch tun, wie Alexander Dold, Geschäftsführer der Interra AG aus Düsseldorf bestätigt. Die Interra AG reißt derzeit die Turmarkaden ab und plant, dort dann ein Einkaufszentrum mit dem Namen „Bergkamen Galerie“ zu bauen. In dessen Tiefgarage sollen sich dann die Parkplätze befinden.

Die Stadt wird sich mit dem Grundbuch befassen, sobald ein Bauantrag der Interra AG vorliegt und sich dann auch davon überzeugen, dass genug Stellplätze vorgesehen sind, erklärt der Beigordnete Marc Alexander Ulrich. Da sich bislang niemand beschwert habe und in der Innenstadt kein akuter Stellplatzmangel bestehe, gebe es für die Stadt keinen Grund, einzugreifen. Sie muss als Kommune darauf achten, dass es genug Plätze gibt und das ist laut Ulrich derzeit auch der Fall.

Jetzt lesen

Bis die Stellflächen den Bewohnern zur Verfügung stehen, müssen sie selber dafür sorgen, dass ihr Auto einen Platz hat. Manche haben dem Vernehmen nach einen Platz gemietet, andere parken auf umliegenden Plätzen, auf denen sie länger stehen dürfen. Davon gibt es direkt am Gebäude allerdings nicht massig viele. Eigentlich sogar nur die Plätze an der Friedenskirche vor dem Wasserpark – wenn man das Kaufland-Parkhaus nicht mitzählt.

Denn dort kann man sich auch kostenlos hinstellen, muss allerdings beachten, dass nachts Schranken die Ein- und Ausfahrt verhindern. Das Geschäft hat aber auch draußen noch einen Parkplatz. „Nur für Kunden“ steht zwar auf einem Schild, kontrolliert wird dort aber nicht.

Durch den Turmarkaden-Abriss sind in der City vorerst 60 Parkplätze verschwunden

Auf dem Parkplatz vor Kaufplatz dürfen nur Kunden stehen. Eine Parkraumbewirtschaftung gibt es dort allerdings nicht. © Marcel Drawe

„Eine Parkraumbewirtschaftung findet nicht statt. Wenn wir feststellen, dass Parkplätze unberechtigt durch Fremd- oder Dauerparker belegt werden, behalten wir uns entsprechende Maßnahmen vor“, heißt es aus der Pressestelle von Kaufland. Über 500 Parkplätze bietet das Kaufhaus seinen Kunden. Auf dem Oberdeck dürfen zudem Rathausbesucher stehen.

Bewohner müssen selber sehen, wo sie ihr Auto abstellen

Wo die Bewohner der Hochhäuser nicht stehen dürfen, ist direkt vor den Hauseingängen. Theoretisch kann man dort zwar bis vor die Tür fahren, aber erlaubt ist es nicht. Denn dort befinden sich Feuerwehrzufahrten. Auch auf die Fläche neben der Hausnummer 137 darf man sich nicht stellen. Dort befindet sich ein Hydrant und der Zugang zur Steigleitung. Durch sie kann die Feuerwehr Wasser bis nach oben ins Haus leiten, um zu löschen.

Durch den Turmarkaden-Abriss sind in der City vorerst 60 Parkplätze verschwunden

Vor einem Hydranten oder einer Steigleitung darf man kein Fahrzeug abstellen. Die Feuerwehr muss in Notfällen einen Zugriff haben. © Marcel Drawe

Dass dort aber dennoch schon einmal ein Fahrzeug steht, verriet in der vergangenen Woche eine trockene Stelle, die sich deutlich von dem vom Regen nassen Boden abhob. Auch das Ordnungsamt hat dort schon das ein oder andere Knöllchen verteilt, wie eine Nachfrage ergab.

„In einer Feuerwehrzufahrt darf nicht gehalten werden und auch an den Hydranten muss die Feuerwehr immer drankommen können“, erzählt ein Mitarbeiter.

Für Bewohner, die derzeit weiter weg parken müssen und ihre Einkäufe am liebsten direkt vor die Tür bringen möchten, ist das sicherlich ärgerlich. Aber ihre eigene Sicherheit und die ihrer Nachbarn geht in diesem Fall vor.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Unterhaltung
Anthony Karrenberg weiter bei „The Biggest Loser“ - mit einer Überraschung auf der Waage
Hellweger Anzeiger studio theater
Kabarett aus der Schweiz: Auf die Satire-Vorlesung von Andreas Thiel folgt Nonsens
Meistgelesen