39-jährige Mutter kämpft um einen Ausbildungsplatz

Unterstützung des Multikulturellen Forums

Sie wollte unbedingt eine Ausbildung: Mit 39 Jahren, als alleinerziehende Mutter von vier Töchtern und drei Jahre nach ihrer Flucht aus Syrien. Jetzt hat sich Ramia Safouri einen ihrer größten Wünsche erfüllt.

Bergkamen

, 10.10.2018, 14:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
39-jährige Mutter kämpft um einen Ausbildungsplatz

Ramia Safouri arbeitet zur Zeit im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung im Lager des Einrichtungshauses Poco. Die Syrerin, die vor drei Jahren mit ihren vier Töchtern aus der Heimat geflüchtet ist, hat gute Chancen, im kommenden Jahr einen Ausbildungsplatz bei Poco zu erhalten. © Borys Sarad

Seit August arbeit sie im Lager des Einrichtungshauses Poco. Zunächst im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung und mit der Aussicht, im kommenden Jahr eine Ausbildung in dem Möbelhaus beginnen zu können. Bis dahin war es kein leichter Weg für Ramia Safouri, die über sich selbst sagt: „Ich bin stolz auf mich.“

39-jährige Mutter kämpft um einen Ausbildungsplatz

Ramia Safouri fühlt sich wohl im Möbellager und ist froh, endlich arbeiten zu können. © Borys Sarad

Endlich ein Beruf

Allein ist sie 2015 mit ihren vier Töchter, die 20, 18, 13 und 10 Jahre alt sind, aus ihrem Heimatland Syrien geflüchtet. Damals fand sie zunächst Unterkunft bei ihrem Ehemann, der schon in Deutschland lebte. Mittlerweile lebt das Paar getrennt. Die Syrerin, der es in ihrer Heimat verwehrt blieb, nach der Schule eine Ausbildung zu beginnen oder gar zu studieren, wusste sehr genau, dass sie auf jeden Fall noch einen Beruf erlernen und arbeiten wollte. Ein Bekannter erzählte ihr von den Möglichkeiten, die das Multikulturelle Forum Frauen bietet. „Starke Mütter - Starke Unternehmen“ ist eines der Projekte, mit dem sich die Mitarbeiterinnen des Multikulturellen Forums für Frauen wie Ramia Safouri stark machen.

Frau. Mutter. Migrationshintergrund. Und was ist mit den Chancen auf dem Arbeitsmarkt? „Ihr Potenzial für den Arbeitsmarkt, für die Nachwuchsförderung und gegen den Fachkräftemangel bleibt noch zu oft ungenutzt“, heißt es in einer Informationsbroschüre des Forums. Die Mitarbeiterinnen bringen Frauen und Unternehmen zusammen. Wie auch Ramia Safouri. „Es stand von Anfang an fest, dass sie eine Ausbildung machen wollte“, sagt Emine Sancar vom Multikulturellen Forum, die die Syrerin begleitet. Anfangs favorisierte Safouri eine Ausbildung in der Pflege. Doch nach einem dreiwöchigen Praktikum stellte sie schnell fest: „Das ist nichts für mich.“ Im Rahmen der beruflichen Orientierung, die die Mitarbeiterinnen des Multikulturellen Forums ebenfalls unterstützten, war schnell klar, dass ihre Interessen eher im Bereich des Verkaufs von Lebensmitteln oder Möbeln liegen.

39-jährige Mutter kämpft um einen Ausbildungsplatz

Randi Barth und Emine Sancar (Multikulturelles Forum), Ramia Safouri und Marktleiter Christian Stepputtis. © Borys Sarad

Sehr viel Eigeninitiative

Für die 39-Jährige waren dies genug Informationen, um selbst aktiv zu werden. Auf eigene Faust stellte sie sich bei Poco vor, erzählte von ihren beruflichen Zukunftswünschen und fand zunächst einen dreiwöchigen Praktikumsplatz. Dann ging alles ganz schnell: „Wir sind sehr begeistert von Ramia Safouri und haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir sie bei uns unterbringen können“, sagt Marktleiter Christian Stepputtis. Ihr Engagement, ihre Zuverlässigkeit und ihr starker Willen, den sie vor allem beim prompten Ausfüllen nicht enden wollender Schriftstücke im Austausch mit den Behörden bewies, waren ausschlaggebend dafür, das die Syrerin nun für das Einrichtungshaus im Lager arbeitet.

Lagerarbeit, dass bedeutet nicht, dass Safouri nun tonnenschwere Möbel hin und her wuchten muss. Stattdessen kümmert sie sich um die Ware, die in der Boutique und im Geschenkartikelbereich angeboten wird. Noch ist sie im Rahmen einer „Einstiegsqualifizierung“ angestellt. „Im Prinzip ist dies eine Vorbereitung auf die Zeit in der Berufsschule“, sagt Stepputis. Diese Zeit will Ramia Safouri nutzen. Schon jetzt erhält sie fachbezogenen Unterricht. Wenn sie im kommenden Jahr den so sehr erhofften Ausbildungsvertrag erhält, hat sie sich vorgenommen, die Ausbildung zu verkürzen. Nach der Einstiegsqualifizierung ist dies durchaus möglich. Und auch ihre Vorgesetzten hätten nichts dagegen

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