1800 Menschen müssen ihre Wohnung wegen Bombe verlassen

dzBombenfund in der City

Wenn sich am Dienstag der Verdacht auf eine Fünf-Zentner-Fliegerbombe bestätigt, muss ein Bereich mit etwa 1800 Bewohnern geräumt werden. Es könnte jedoch noch schlimmer kommen.

Bergkamen

, 02.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Am Dienstag gegen 9.30 Uhr wird es für das Bergkamener Ordnungsamt und für rund 1800 Bewohner der City spannend: Dann entscheidet sich, ob große Teile des Bereichs evakuiert werden müssen. Zu diesem Zeitpunkt ist eine mutmaßliche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der Konrad-Adenauer-Straße so weit freigelegt, dass die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst erkennen können, um was es sich handelt.

Experten gehen von Fünf-Zentner-Bombe aus

Bisher gehen sie und das Ordnungsamt davon aus, dass dort eine Fünf-Zentner-Bombe im Boden liegt. „Das ist der Bombentyp, den die Alliierten zu 90 Prozent bei den Angriffen auf die Chemischen Werke Bergkamen verwendet haben“, erklärt Heiko Brüggenthies, der Sachgebietsleiter für Ordnungsangelegenheiten. Die Chance, dass es sich um etwas anderes handelt oder dass die Bombe schon nicht mehr scharf ist, hält er für gering.

Die mutmaßliche Bombe ist im Zusammenhang mit geplanten Leitungsarbeiten von GSW und Gelsenwasser entdeckt worden. Die Experten haben auf alliierten Luftbildern, die nach den Angriffen entstanden sind, einen Einschlagspunkt ausgemacht. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass genau an dieser Stelle ein anderer großer Metallkörper in der Erde liegt“, erläutert Brüggenthies. Zumal sich an dieser Stelle vor dem Bau der City nur Weideland befand.

1800 Menschen müssen ihre Wohnung wegen Bombe verlassen

Eine der letzten Bomben, die in Bergkamen entschärft wurden, war eine Fliegerbombe, die der Kampfmittelbeseitigungsdienst unter einer Wiese am Maiweg gefunden hatte. Diesmal ist ein wesentlich dichter besiedelter Bereich betroffen. © Stefan Milk

Blindgänger beim Bau der City übersehen

Warum der Blindgänger nicht schon beim Bau der Häuser an der Konrad-Adenauer-Straße Anfang der 70er Jahre nicht entdeckt wurde, ist etwas rätselhaft. Dort wurde damals vor Baubeginn zwar eine Oberflächensondierung vorgenommen – wie eigentlich überall in Bergkamen, wenn Neubauten erreichtet werden. Möglicherweise liege die Bombe aber zu tief und sei von der Sonde nicht erfasst worden, vermutet der Sachgebietsleiter. Luftbilder lagen damals noch nicht vor oder die Auswertung war noch nicht so genau wie heute.

30-Zentimeter-Krater auf einem über 70 Jahre alten Foto

Mittlerweile können Experten die Einschlagstellen auf den über 70 Jahre alten Aufnahmen gut identifizieren. Sie sind nicht gerade groß: Eine Fünf-Zentner-Bombe hinterlässt bei der Explosion einen Krater mit einem Durchmesser von etwa fünf Metern. Wenn sie nicht detonierte, war das Einschlagloch gerade einmal etwa 30 Zentimeter im Durchmesser, sagt Brüggenthies.

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Bei einer größeren Bombe ist auch das Rathaus betroffen

Falls es sich tatsächlich um eine noch scharfe Fünf-Zentner-Bombe handelt, evakuiert das Ordnungsamt den gesamten Bereich in 250 Meter Umkreis um die Fundstelle. In diesem Bereich sind etwa 1800 Menschen gemeldet. Auch die Töddinghauser Straße unterhalb des Rathaus-Kreisels, die Erich-Ollenhauer-Straße und die Hubert-Biernat-Straße zwischen Rathaus und Gymnasium werden gesperrt. Brüggenthies hofft, das viele zur Arbeit oder im Urlaub sind – oder sich für diesen Tag einfach einen Ausflug vornehmen. Menschen, die krank sind oder wegen einer Behinderung ihre Wohnung nicht eigenständig verlassen können, können sich vorab unter Tel. (02307) 965-238 oder -255 beim Ordnungsamt melden.

Ein Problem hat die Ordnungsbehörde, wenn es sich um eine größere Bombe handelt. Dann müsste ein entsprechend größerer Bereich evakuiert werden. Betroffen wären auch das Rathaus, die Sparkassen-Hauptstelle und der Busbahnhof. Für Brüggenthies ist aber auch das nicht der schwierigste Fall. „Der Nordberg wäre schlimmer – dann müssten wir auch das Seniorenheim räumen.“

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