17-Jähriger betrügt bei Ebay – fürs eigene Ego und falsche Freunde

dzJugendschöffengericht

Was es bedeutet, sich auf falsche Freunde einzulassen, hat jetzt ein junger Bergkamener erfahren. Das Jugendschöffengericht in Unna verlängerte seine Bewährungsstrafe.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 23.06.2020, 15:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit 17 Jahren hatte ein Jugendlicher aus Bergkamen den Schlaf seiner Freundin ausgenutzt, um sie intim zu berühren und mit der dadurch aufgewachten Frau gegen deren Willen Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Im März war er dafür zu einer Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Nun saß der inzwischen 19-Jährige erneut auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts im Amtsgericht Unna. Der Vorwurf war diesmal jedoch ein anderer: gewerbsmäßiger Betrug.

Nicht existierende Handys angeboten

Im Dezember vergangenen Jahres bot er mit falschen Daten über Ebay zwei gar nicht existierende Handys an. Die jeweils vereinbarten 850 Euro landeten umgehend auf dem Konto des Bergkameners. „Es war zu dem Zeitpunkt, weil ich kein Geld mehr hatte für Weihnachtsgeschenke“, gab der Hartz-IV-Empfänger die Taten zu. Ein Kumpel sei auf die Idee mit dem Betrug bei Ebay gekommen.

Der Deal der beiden: Besagter Freund stellte die Handys ins Netz, der Angeklagte stellte sein Konto zur Verfügung und kommunizierte mit den Käufern. Gesagt – getan. Er habe allerdings nicht viel von dem Geld gesehen, gab der 19-Jährige vor Gericht an. Das meiste davon habe sich der Kumpel genommen, um es für schicke Leihwagen auszugeben, sagte der mehrfach Vorbestrafte aus. Außer für die Vergewaltigung wurde er auch für mehrfaches Fahren ohne Fahrerlaubnis verurteilt.

„Ich hatte wirklich Angst, dass ich alle meine Freunde verliere.“
Angeklagter im Prozess

Er wisse, dass es dumm gewesen sei, sich auf den Betrug einzulassen. „Aber ich hatte wirklich Angst, dass ich alle meine Freunde verliere“, erklärte der von Depressionen geplagte Angeklagte.

Die Freundschaft mit dem Ideengeber sei seit etwa einem Monate vorbei, gab der 19-Jährige an. Damit fiel es ihm auch nicht schwer, seinen ehemaligen Kumpel zu verraten und sämtliche Daten an das Gericht zu geben. Dem Mann droht nun ein eigenes Betrugsverfahren.

Eineinhalb Jahre Jugendstrafe für Bergkamener

Für den Bergkamener endete der Prozess unter Einbeziehung des Urteils vom März mit einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten – jedoch noch auf Bewährung. Als Auflage muss der Angeklagte den bei den Käufern angerichteten Schaden von insgesamt 1700 Euro wiedergutmachen und weiterhin mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten.

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