Die Kinderkulturtage finden trotz Corona statt. Etwas anders, aber der Grundgedanke bleibt. Es geht um die Persönlichkeitsentwicklung der nächsten Generation. Deshalb ist das Projekt so wertvoll.

Bergkamen

, 30.07.2020, 18:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Konzentriert pinseln zwei Kinder ihre Holzkunstwerke an, während der Wind laute Donnergeräusche und Gesang zu ihnen hinüberträgt und nebenan eine Gruppe bunte Kreide aus Naturmaterialien herstellt. Man erkennt schnell, was das Motto der diesjährigen Kinderkulturtage der Jugendkunstschule Bergkamen ist: Die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.

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Kinderkulturtage in Bergkamen trotz Corona

In Kleingruppen befassen sich die Kinder auf unterschiedliche Arten mit dem Thema, werden kreativ, probieren sich aus und sammeln Erfahrungen. „Es gibt kein richtig und falsch, kein gut oder schlecht“, sagt Sozialdezernentin Christine Busch. Und das sei auch das Besondere an diesem Projekt. Es gehe nicht darum, besser als andere zu sein und sich zu vergleichen. Hier ist jeder gut, hier darf jeder stolz auf sich sein und vor allem wird hier gemeinsam erlebt.

Kinderkulturtage in Bergkamen fördern auch die Integration

Es gehe um Integration und Inklusion, so Busch. Und das sei wichtig. Die Kinder seien in ihrer Herkunft vielleicht verschieden, aber wenn sie zusammenwirken, dann verschwinden diese Unterschiede. Was Busch damit meint, kann man auf dem Hof der Pestalozzischule, wo die Kinderkulturtage in diesem Jahr stattfinden, kaum übersehen. Es wird getanzt, gelacht, gewerkelt und ausprobiert.

Ob Musik, Kunst oder die digitale Welt – Kulturelle Bildung erfahren die Kinder hier ganz nebenbei.

Bildhauer Vasilij Plotnikov hat Holzreste mitgebracht, denen die Kinder neues Leben eingehaucht haben. Sie haben sie zusammengenagelt, angemalt und ausgeschmückt. So kann man die verschiedenen Holzarten kennenlernen, aber auch üben, mit Hammer und Nagel zu arbeiten. Das konnten vorher nicht alle Kinder.

Bildhauer Vasilij Plotnikov hat Holzreste mitgebracht, denen die Kinder neues Leben eingehaucht haben. Sie haben sie zusammengenagelt, angemalt und ausgeschmückt. So kann man die verschiedenen Holzarten kennenlernen, aber auch üben, mit Hammer und Nagel zu arbeiten. Das konnten vorher nicht alle Kinder. © Stefan Milk

Und genau das ist enorm wichtig, wie Dr. Christian Fastenrath betont, Präsident des Lions Club BergKamen, der die Kulturtage seit den Anfängen im Jahr 2008 fördert. Der Lions Club habe es sich auf die Fahne geschrieben, Kinder- und Jugendarbeit vor Ort zu unterstützen. Der Club möchte bei der Förderung der kleinen Kinder anfangen, um damit etwas für die Gesellschaft der Zukunft zu erreichen. Das Projekt wird außerdem vom Landesministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert.

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Corona schränkt das Programm der Kinderkulturtage nicht ein

Doch das Programm soll den Kinder nicht nur den Weg in eine gute Zukunft mitebnen, sondern bewirkt freilich schon jetzt etwas. „Die Kinder können ausprobieren, sie werden schöpferisch tätig und sie bekommen eine Bühne“, sagt Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel. Auch sie betont, dass die kulturelle Leistung eine ganz unabhängige von Anforderungen in der Schule oder im Sportverein ist. Und dieses Losgelöste, Lockere gefällt den Kindern offensichtlich. „Die Kinder sind so glücklich!“

Sozialdezernentin Christine Busch, Dr. Christian Fastenrath, Präsident des Lionsclub BergKamen, Gereon Kleinhubbert von der Jugendkunstschule und Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel (v.l.) sind froh, dass die Kinderkulturtage dieses Jahr trotz Corona stattfinden konnten. Genau wie die Kinder.

Sozialdezernentin Christine Busch, Dr. Christian Fastenrath, Präsident des Lionsclub BergKamen, Gereon Kleinhubbert von der Jugendkunstschule und Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel (v.l.) sind froh, dass die Kinderkulturtage dieses Jahr trotz Corona stattfinden konnten. Genau wie die Kinder. © Stefan Milk Stefan Milk

Dass die Kulturtage in diesem Jahr anders stattfinden müssen, fällt beim Blick auf das Programm zunächst nicht auf. Das Gute ist nämlich, dass die Art der Veranstaltung kaum verändert werden musste, wie Gereon Kleinhubbert, Leiter der Jugendkunstschule im Pestalozzihaus, erklärt. Schon in den vergangenen Jahren haben die Kinder die einzelnen Stationen in Kleingruppen durchlaufen. Und weil das Programm ohnehin draußen stattfinden sollte und auch darauf ausgelegt ist, musste auch daran nichts verändert werden.

Warum die Kulturtage nicht im Wasserpark stattfinden dürfen

Und doch geht es in diesen Zeiten natürlich nicht ohne Einschränkungen. So wurde die Gesamtzahl der Kinder auf 45 limitiert – in den Vorjahren waren es immer 80 bis 100 Kinder. Außerdem muss die Aktion auf dem Innenhof des Pestalozzihauses statt im Wasserpark laufen, denn die Corona-Vorgaben setzen voraus, dass es einen abgetrennten Raum gibt, auf dem das Kommen und Gehen kontrolliert werden kann. Die Kinder müssen sich an- und abmelden, tragen dabei Mund- und Nasenmasken und desinfizieren sich die Hände.

Gemeinsam mit Nic Koray und Anna von der Lohe vom Begegnungshof HerzBerg Herdecke haben die Kinder im Rahmen der Kinderkulturtage Bewegung in die vier Elemente Luft, Erde, Feuer und Wasser gebracht. Mit ihren Stimmen, Körpern und kleinen Hilfsmitteln haben sie zum Beispiel den Donner dargestellt oder ein knisterndes Lagerfeuer. Dadurch sollen die Kinder auch lernen, von was für Schätzen sie umgeben sind, sagt Koray.

Gemeinsam mit Nic Koray und Anna von der Lohe vom Begegnungshof HerzBerg Herdecke haben die Kinder im Rahmen der Kinderkulturtage Bewegung in die vier Elemente Luft, Erde, Feuer und Wasser gebracht. Mit ihren Stimmen, Körpern und kleinen Hilfsmitteln haben sie zum Beispiel den Donner dargestellt oder ein knisterndes Lagerfeuer. Dadurch sollen die Kinder auch lernen, von was für Schätzen sie umgeben sind, sagt Koray. © Stefan Milk

Auch das gemeinsame Mittagessen wurde gestrichen. Einerseits, weil es anders organisiert werden müsste und andererseits, um den Eltern ein sicheres Gefühl zu geben, wie Busch mit Blick auf die derzeit wieder steigenden Zahlen der Infektionen und der Unsicherheit vieler Eltern sagt.

Die freuen sich übrigens auch über die kleine Entlastung durch das kostenlose Angebot für die Kinder. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren werden sie das Ergebnis des Projekt allerdings nicht bei einer gemeinsamen Vorführung zu sehen bekommen – auch hier ist Corona schuld.

Da müssen Erzählungen, Fotos auf der Städtischen Homepages und spontane Vorführungen herhalten. „Manche Kinder haben ihren Eltern am Parkplatz etwas vorgetanzt“, sagt Kleinhubbert. Auch das zeigt, wie stolz sie auf das sind, was sie bei dem Projekt erfahren und lernen.

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