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Es war die Not, aus der Hassan und Ahmed al Khawam eine Tugend machten: Die beiden Brüder aus Syrien führen Unnas erstes syrisches Restaurant.

Unna

, 11.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Es sind die Farben, die sofort auffallen: Der Kontrast zwischen dem typisch kaltem Grau eines deutschen Winters und der einladenden Wärme des Restaurants „Sumak“ könnte kaum größer sein. An der Flügelstraße haben Hassan und Ahmend al Khawam eine Oase der Farben, des Genussses und der Gastfreundlichkeit geschaffen.

Die Flucht war der Auslöser

Der Weg zu Unnas erstem Restaurant, das ausschließlich authentische syrische Speisen anbietet, war kein leichter. Ahmed al Khawam sollte für die syrische Armee eingezogen werden, floh aus seinem Heimatland und wartete in Spanien darauf, dass sein Bruder Hassan al Khawam ihn zu sich nach London holen konnte. „Das war ein unglaubliches Hin und Her“, erzählt Hassan, der bereits seit 19 Jahren in der britischen Hauptstadt lebt und mit einer Britin verheiratet ist. Seinen Bruder, der aus einem Bürgerkriegsland geflohen war, zu sich zu holen - dass das so schwer werden würde, hätte er nicht erwartet. Doch die Behörden stellten sich quer, Ahmed durfte nicht nach Großbritannien einreisen.

Marktlücke in Unna entdeckt

Mittlerweile war er nach Unna weitergeschickt worden, noch immer getrennt von seiner Frau, einer Marokkanerin. Hassan besuchte seinen Bruder in Unna - und fing an, sich nach Möglichkeiten eines Existenzaufbaus für seinen Bruder umzusehen. „Es war klar, dass er nicht zu mir nach London würde kommen können, also haben wir geschaut, was er hier machen kann.“ Schnell stellten die Brüder fest: Ein Restaurant, das ausschließlich die syrische Küche anbietet, gibt es in Unna noch nicht.

Gewürze, hausgemachtes Lammfleisch und Brunch

Das „Sumak“ im Überblick

  • Das Restaurant „Sumak“ befindet sich an der Flügelstraße 7. Der Name leitet sich von dem Gewürz „Sumak“ ab, das bereits seit der Antike für die Essenszubereitung und auch als Medizin benutzt wird. Es hat einen fruchtig-sauren Geschmack.
  • Geöffnet ist das „Sumak“ montags bis donnerstags von jeweils 12 bis 22 Uhr, freitags von 12 bis 22.30 Uhr, samstags von 10.30 bis 23.30 Uhr und sonntags von 10.30 bis 21 Uhr.
  • Samstags und Sonntags bietet Ahmed al Khawam einen syrischen Brunch an. Jeweils von 10.30 bis 14.30 Uhr können an diesen beiden Tagen unter anderem mit Sumak gewürztes Spiegelei, hausgemachtes Lamm, gegrillte Tomaten, Champignons mit wildem Thymian, Damaszener Bohnen und Bratkartoffeln probiert werden.

Für Hassan al Khawam eine dankbare Marktlücke: Seit 2009 führt er in London ein syrisches Restaurant. „Wieso sollte das nicht auch hier in Unna funktionieren?“, fragte er sich und machte sich auf die Suche nach passenden Immobilien. In dem seit sechs Jahre leerstehenden Laden- und Gastronomielokal an der Flügelstraße wurde er fündig. „Wir mussten sehr viel machen, hier war seit vielen Jahren nichts mehr passiert“, erzählt Hassan al Khawam von den Monaten und Wochen vor der Eröffnung im November 2018.

„Unsere Art, zu kochen, ist über 10.000 Jahre alt. Darin habe ich einfach Vertrauen.“
Hassan al Khawam über die syrische Küche

Viel lernen musste auch sein Bruder Ahmed, denn der Koch in der Familie war bisher Hassan gewesen. Das Konzept für das neue Restaurant stand schnell fest und orientiert sich an dem, was Hassan seit zehn Jahren erfolgreich in London betreibt: „Unsere Art, zu kochen, ist über 10.000 Jahre alt. Darin habe ich einfach Vertrauen“, sagt er mit einem Lächeln. Nur das zubereiten, was wirklich authentisch syrisches Essen ist - das ist die Prämisse, nach der im „Sumak“ gearbeitet wird. „Nur wenn wir authentisch sind in dem, was wir tun, können wir Erfolg haben“, ist Hassan al Khawam überzeugt.

Servicekräfte aus Syrien

Deswegen setzt er auch im Service auf Arbeitskräfte aus Syrien, die in Unna oder Umgebung wohnen. „Natürlich müssen viele die deutsche Sprache erst noch lernen. Aber es ist einfacher, dass ein Syrer Deutsch lernt, als dass ein Deutscher unsere Küche zu verstehen lernt“, meint al Khawam. Die verschiedenen Gerichte sollen den Gästen am Tisch erklärt werden - und das kann niemand besser, als derjenige, der sie seit Kindesbeinen an kennt.

„Es ist einfacher, dass ein Syrer Deutsch lernt, als dass ein Deutscher unsere Küche zu verstehen lernt.“
Hassan al Khawam erklärt, wieso er auf syrische Servicekräfte im Restaurant setzt

Auch in der Einrichtung des Restaurants spiegelt sich die syrische Heimat der al Khawam-Brüder: Warme Farben dominieren die Räume, bunte Mosaikfliesen zieren die Theke und filigrane Kerzenhalter spenden gemütliches Licht. Für Ahmed al Khawam hat die Geschäftsidee seines Bruders längst persönlichen Erfolg gebracht: Seine Frau und die Kinder sind nach Unna nachgekommen, richten sich in der neuen Heimat ein. Beide Brüder betonen, dass sie den Schritt zur Restaurant-Eröffnung ohne Hilfe nicht geschafft hätten. Vor allem die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin von Ahmed al Khawam war ihnen eine große Stütze. „Sie hat uns bei all den Behördengängen sehr geholfen“, sagt Hassan al Khawam.

Erweiterung als Geschäft angedacht

Er kommt regelmäßig aus London nach Unna und schaut im „Sumak“ vorbei. Zumal seine Pläne für die Unnaer Dependance seines Londoner Restaurants noch weiter gehen. „Ich möchte nach und nach anfangen, hier auch syrische Produkte anzubieten“, erklärt Hassan al Khawam seine Ideen. Handgefertigte syrische Seife soll ebenso darunter sein wie die Mosaikfliesen am Tresen, auf die ihn schon viele Gäste angesprochen haben. „Auch Lebensmittel wollen wir verkaufen. Die Idee ist, dass die Gäste im Restaurant die Speisen kennenlernen und dann direkt die Zutaten dafür auch bei uns kaufen können“, sagt Hassan al Khawam

Bis es so weit ist, hat das „Sumak“ auf jeden Fall schon mal mehr Farbe in Unnas Gastronomie-Szene gebracht - und das nicht nur im Grau des Winters.

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