Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Als Bürgermeister steht Werner Kolter naturgemäß an der Spitze der Stadtverwaltung – und ist dadurch in den vergangenen Monaten auch zum automatischen Gegenspieler der Eishallenbefürworter geworden. Doch ganz so schwarz-weiß lässt sich das Bild nicht zeichnen, wie unsere Analyse zeigt.

Unna

, 03.05.2019 / Lesedauer: 6 min

Was er sich in Bezug auf die Eissporthalle wünscht, hat Werner Kolter am 28. Juni 2018 ganz deutlich formuliert: „Wir sollten diese Diskussion in einem Stil des gegenseitigen Respektes führen, die zulässt, das wir den jeweils anderen mit seinen Argumenten ernst nehmen. Ein solcher Dialog ist in dieser Stadt möglich“, sagte Kolter in jener historischen Ratssitzung, an deren Ende der Beschluss zum Abriss der Halle stand.

Respekt voreinander und Dialog miteinander - seit die Eishalle zu dem bestimmenden Thema Unnas wurde, sind es diese beiden Dinge, die Kolters Haltung in der Debatte bestimmen. Ob er persönlich die Eissporthalle erhalten würde oder nicht, wissen „seine“ Bürger erst, seitdem das Abstimmungsheft zum Bürgerentscheid vorliegt: Kolter empfiehlt die Aufgabe der Halle, aus finanziellen Gründen.

Seine Empfehlung steht neben denen der Ratsfraktionen, ist nur eine Stimme von vielen und zudem nur eine einzelne Stimme. Und doch ist sie besonders: Werner Kolter ist schließlich das Oberhaupt der Stadt. Und genau diese Rolle lässt ihn in der Eishallen-Debatte in einem besonderen Schlaglicht stehen. Eine Analyse.

Die Doppelrolle

Werner Kolter ist als Bürgermeister Leiter der Stadtverwaltung. Damit steht er in der Pflicht, Entscheidungen, die im Rat von der Politik getroffen werden sollen, inhaltlich vorzubereiten. Das heißt: Auf der Grundlage des Fachwissens seiner Mitarbeiter im Rathaus lässt Kolter Verwaltungsvorschläge für die Ratssitzungen erstellen, also zum Beispiel auch die Empfehlung, ob die Eishalle abgerissen werden soll oder nicht.

Warum Bürgermeister Werner Kolter in der Eishallen-Debatte nicht gewinnen kann

2015 wird Werner Kolter zum dritten Mal als Unnas Bürgermeister gewählt – mit 83,5 Prozent der Stimmen. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht. © Archiv

Gleichzeitig ist Werner Kolter aber auch der Vorsitzende des Rates, also jenes politischen Gremiums, das über die Vorschläge der Verwaltung entscheidet. Kolter ist auch Mitglied der SPD, die die stärkste Fraktion im Unnaer Stadtrat stellt. Der Bürgermeister gehört zwar nicht der SPD-Fraktion an, ist aber als Ratsmitglied stimmberechtigt – mit einer Stimme, genau wie die anderen Ratsmitglieder auch. Völlig unabhängig davon, was der Rat mehrheitlich entscheidet, muss Kolter die gefassten Beschlüsse ausführen – dies dann wieder in seiner Rolle als Chef der Stadtverwaltung.

In der öffentlichen Wahrnehmung kommt noch eine nicht unwesentliche Rolle des Bürgermeisters hinzu: Werner Kolter ist der politische Repräsentant der Stadt. Er ist von den Bürgern unmittelbar gewählt (zuletzt 2015 mit 83,5 Prozent). Sie treffen „ihren“ Bürgermeister bei Festen, Vereinsjubiläen und Veranstaltungen – er ist das Gesicht der Stadt. Und natürlich fällt es da besonders ins Gewicht, was er zu stadtbestimmenden Themen wie der Eissporthalle sagt.

Der Fehler

Blickt man auf die politischen Debatten in Unna im Frühjahr 2018, dann lässt sich feststellen: Keine der politischen Parteien und auch nicht Werner Kolter scheinen damit gerechnet zu haben, dass die geplante Schließung der Eissporthalle und ihr Abriss innerhalb der Bevölkerung auf derart großen Widerstand stoßen würden. Die im Raum stehende Aufgabe des Waldstadions Billmerich und Pläne für den Neubau der Hellweg-Realschule bestimmten die Diskussionen in den Ratssitzungen.

Erst als im Juni die Auflösung des Pachtvertrages mit der Familie Kuchnia für die Eissporthalle bekannt wurde und sich binnen Stunden reger Widerstand formierte, der in einer spontanen Demo mehrerer Eissportvereinsmitglieder vor dem Rathaus gipfelte, schien im Rathaus so langsam die Tragweite der Ereignisse zu dämmern. Einer, der es hätte ahnen können, dass die geplante Schließung eines Freizeittreffs wie der Eissporthalle auf Widerstände stößt, ist Werner Kolter. Schon die Schließung des Freizeitbades Massen fiel in seine Amtszeit – und auch dieser Beschluss wird bis heute immer wieder von Bürgern kritisch ins Feld geführt, wenn es um die Attraktivität Unnas geht.

Warum Bürgermeister Werner Kolter in der Eishallen-Debatte nicht gewinnen kann

Die Ratssitzung am 28. Juni 2018, in der der Beschluss zum Abriss der Halle gefasst wurde, war überdurchschnittlich gut besucht. © Marcel Drawe

In der Ratssitzung am 28. Juni, an deren Ende der Rat sich für den Abriss der Eishalle entschied, zeugte Kolters Redebeitrag dann auch von Erkenntnis: „Das ist eine emotionale Debatte, die ich nachvollziehen kann, denn wir stehen vor einer schwierigen Entscheidung“, sagt er damals. Welche Rolle er für sich in der aufkeimenden Debatte zur Eishalle sah, zeigte sein Vorschlag, den Beschluss zum Abriss bis Jahresende auszusetzen, um Zeit für mögliche neue Ideen zum Erhalt zu geben. Er beinhaltete auch den Auftrag an die Verwaltung, alternative Pläne zum Erhalt der Eissporthalle zu suchen und dabei explizit Vorschläge aus der Bürgerschaft einzubeziehen - ein klares Zeichen dafür, dass Kolter realisiert hatte, dass die Eissporthalle kein Thema ist, dass sich „mal eben“ in einer Ratssitzung beenden lässt.

Die Störfeuer

Trotz dieser Rolle des „Ermöglichers“ geriet Werner Kolter schnell in die Rolle des Gegenspielers der Eishallenbefürworter. Neben seiner Doppelrolle als Verwaltungschef, in der er vor allem auf die finanzielle Realisierbarkeit eines Eishallenerhaltes schauen muss, trugen dazu auch immer wieder Störfeuer unterschiedlichster Art bei.

Warum Bürgermeister Werner Kolter in der Eishallen-Debatte nicht gewinnen kann

Karl-Gustav Mölle war in der Eishallendebatte der Gegenspieler der Eishallenbefürworter – bis Werner Kolter diese Rolle von ihm „erbte“, nachdem Mölle aus dem Dienst schied. © Marcel Drawe

Sicherlich keinen Gefallen getan haben dürfte der ehemalige Erste Beigeordnete Karl-Gustav Mölle seinem einstigen Chef Kolter. Als Chef der Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU), die die Eishalle verpachten und die auch für ihre Instandhaltung mitverantwortlich sind, machte er von Anfang an keine glückliche Figur in der Eishallen-Diskussion. Die Reaktionen auf die Kündigung des Pachtvertrages mit der Familie Kuchnia und die angekündigte Aufgabe der Halle ließen Mölle zunächst unbeeindruckt.

In einer der zahlreich von Eissportfreunden besuchten politischen Sitzungen im Sommer 2018 ließ er sich dann sichtlich entnervt zu der Aussage hinreißen, er rede nicht mit „unseriösen Besserwissern“ und würde sie auf keinen Fall in die Halle lassen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren die Fronten zwischen der sich damals gerade in Gründung befindenden Initiative „Unna braucht Eis“ und der WBU verhärtet und der WBU-Chef als Feindbild etabliert.

Warum Bürgermeister Werner Kolter in der Eishallen-Debatte nicht gewinnen kann

Erst wetterte Karl-Gustav Mölle als WBU-Chef, dass er keine „unseriösen Besserwisser“ in die Eishalle lasse; wenig später zeigte sich die WBU transparent, als bei einem Ortstermin die Initiative „Unna braucht Eis“ auch ihre eigenen Fachleute mit in die Halle bringen durfte. Mölle ist allerdings nicht dabei, stattdessen erklärt hier Dirk Brämer (l.), technischer Prokurist, Andreas Raygrotzki von „Unna braucht Eis“ Details zur Halle. © UDO HENNES

Durch Mölles plötzlichen Rückzug aus dem Tagesgeschäft „erbte“ Werner Kolter dieses Feindbild zwangsläufig: Er war künftig nicht mehr nur das Gesicht der Stadtverwaltung, sondern eben auch die einzige Führungskraft der Stadt, an der sich die Eishallenbefürworter abarbeiten konnten. „Die Stadt will die Eishalle abreißen“ war ab da synonym zu setzen mit „Werner Kolter will die Eishalle abreißen“ - obwohl Kolter dies bis dato nie formuliert hatte.

Die Stimmung

Mit der Einleitung des Bürgerbegehrens durch den Verein „Unna braucht Eis“ Ende des Sommers 2018 wurde die Rolle der Stadtverwaltung und damit die von Werner Kolter zunächst etwas klarer - schon von Gesetzes wegen. Die Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen regelt eindeutig, wie sich eine Stadtverwaltung zu verhalten hat, wenn Bürger ein Bürgerbegehren initiieren. „Die Verwaltung ist in den Grenzen ihrer Verwaltungskraft ihren Bürgern bei der Einleitung eines Bürgerbegehrens behilflich“ heißt es dort unter Paragraf 26. Dazu zählte vor allem die Ermittlung der Kosten, die ein Erhalt der Eishalle – der das Ziel des Bürgerbegehrens ist – bedeuten würde.

Warum Bürgermeister Werner Kolter in der Eishallen-Debatte nicht gewinnen kann

Wilhelm Ruck, mittlerweile Vorsitzender von „Unna braucht Eis“, spricht in der Ratssitzung am 28. Juni. Sein Verhältnis zur Stadtverwaltung galt zwischenzeitlich als sehr angespannt. © Marcel Drawe

Doch die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und „Unna braucht Eis“ gestaltete sich vor allem im Herbst 2018 schwierig und gipfelte im November in einer hitzigen und sehr persönlichen Auseinandersetzung. „Unna braucht Eis“ behauptete, bei einem Gespräch im Oktober habe Kolter ihnen offen damit gedroht, das Konzept der Initiative zu torpedieren. Kolter wies diesen Vorwurf vehement zurück - und wurde zum ersten Mal in der Eishallen-Diskussion spürbar wütend. „In keinem Gespräch habe ich auch nur annähernd solche Gedanken formuliert“, sagte er und sprach von „aus der Luft gegriffenen, ehrverletzenden und nicht angemessenen Äußerungen“.

Möglicherweise hatte zu der Eskalation auch Kolters Auftritt beim Besuch der NRW-Sport-Staatssekretärin Andrea Milz im September beigetragen. Sie war auf Initiative von „Unna braucht Eis“ zu einem Ortstermin in die Eishalle gekommen - doch der wesentliche Redeanteil lag an diesem Tag bei Werner Kolter. Sicherlich verständlich, wenn es um ein städtisches Projekt geht, doch den Initiatoren von „Unna braucht Eis“ an diesem Tag nicht mehr als eine Statistenrolle zukommen zu lassen, war sicherlich nicht geschickt.

Das Fazit

Von einer „sachlich gebotenen Entscheidung“ spricht Werner Kolter in seiner Empfehlung im Abstimmungsheft zum Bürgerentscheid. Die Risiken bei den Baukosten und dem Betrieb der Eishalle seien zu hoch, als dass er einen Weiterbetrieb der Halle befürworten könne. Seine Begründungen sind nüchtern, sachlich und nehmen Bezug auf die Fakten. Seinem Wunsch, im Respekt voreinander und Dialog miteinander zu einer Entscheidung zu kommen, ist Kolter damit selbst nachgekommen.

Dennoch bleibt es wohl nicht aus, dass die Eishalle für Werner Kolter zum Schreckgespenst seiner letzten Amtsmonate wird. Entweder wird er für die Unnaer der Bürgermeister sein, der nach dem Freizeitbad Massen auch die Eishalle schloss – oder aber das Stadtoberhaupt, das für die Sanierung einer Jahrzehnte alten Eishalle die Steuern erhöhte und möglicherweise andere Einrichtungen aufgab. Wirklich gewinnen kann Kolter in dieser Debatte nicht.

Lesen Sie jetzt