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Unnas doppelter Schulleiter geht jetzt fast in Rente

Hans Balter

Nach fast 30 Jahren geht die Ära Hans Balter an der Grundschule Hemmerde zu Ende. Ganz zur Ruhe kommt der agile Rheinländer in Unna aber noch nicht. Seine Karriere wird doch erst nächstes Jahr enden – dort, wo sie 1977 begonnen hat.

Unna

, 06.07.2018 / Lesedauer: 4 min
Unnas doppelter Schulleiter geht jetzt fast in Rente

Hans Balter nimmt Abschied als Schulleiter – aber noch nicht ganz. Die Nicolaischule leitet er bis Februar 2019 weiter. Foto: Sarad © Borys Sarad

Als der kleine Hans 1958 im rheinischen Bad Honnef in die Schule kam, sagte er zu seinem Klassenlehrer: „Das, was du bist, das will ich auch mal werden.“ Und er hat es durchgezogen. Dass er sogar vier Jahrzehnte lang die westfälische Schulstadt Unna prägen würde, ahnte er damals wohl noch nicht.

Hans Balter wollte zunächst Sport und Französisch an einer weiterführenden Schule unterrichten, entschied sich dann aber doch für „die Kleinen“. So verschlug es ihn nach dem Studium in Bonn ans Lehrerseminar in Unna, das es damals noch an der Martinstraße gab. Referendar war der frisch gebackene Pädagoge an der heutigen Astrid-Lindgren-Schule in Heeren. Um eine Lehrerstelle bewarb sich der Rheinländer dann wieder in seiner Heimat. Aber dort hätten so viele Gattinnen von Ministerialbeamten versorgt werden müssen, dass er keine Chance hatte, sagt Balter augenzwinkernd. So wurde es wieder Unna. „Ich habe damals geunkt, dass man von hier aus meine Bewerbungsunterlagen gar nicht weitergegeben hatte.“ Ein Glück, findet er heute.

Im August 1977 fing Balter als Lehrer an der Nicolaischule an. Unter dem damaligen Schulleiter Jürgen Giljohann habe er viel „Handwerk gelernt“, so Balter. Vertretungs- und Stundenpläne, Schulstatistik, das sollte er später brauchen. „Ich hatte immer schon gedacht, ,kleiner Lehrer bleibst du nicht‘“, erinnert sich Balter. 1989 übernahm er den Schulleiterposten in Hemmerde. 21 Jahre später begann zusätzlich ein Provisorium, das bis heute anhält und auch mit Balters Abschied nun noch nicht endet (siehe Text rechts). Die Schulrätin bat Balter, kommissarisch seine alte Nicolaischule zu leiten. „Das wurde jedes halbe Jahr wieder verlängert.“ Der Chef von zwei Schulen mit insgesamt 220 Kindern zu sein, hat sich für Balter längst eingespielt. Je nach Bedarf ist er morgens in der Dorfschule, ab mittags in der in der Innenstadt – oder umgekehrt.

„Der Schulleiter ist die Mülltonne der Schule“, sagt Balter. Kinder, die etwas ausgefressen haben, Eltern, die sich beschweren, Lehrer, die unlösbare Probleme haben – mit allen muss sich der Rektor auseinandersetzen. Hans Balter aber erweckt den Eindruck, als würde ihn dieses Mülleimer-Dasein nicht unbedingt ermüden. Fröhlich und agil lässt er sich seine 66,5 Lebensjahre überhaupt nicht anmerken. Er sieht vor allem die positiven Seiten seiner Position, die Chancen: „Man kann an vielen Schräubchen drehen.“ Seine Schulen gestalten und weiterbringen, das sei sein Ansporn. Und dazu gehörte immer auch Kampf, vor allem um die Nicolaischule. Diskussionen um deren mögliche Aufgabe erlebe er seit 40 Jahren. Doch aktuell ist die erste Klasse schon wieder zweizügig, die im neuen Schuljahr wohl auch. Die Schüler seien gut gemischt. „Wir haben inzwischen viele Eltern, die früher hier ihre Kinder nie angemeldet hätten.“ Sorgen, die Nikolaischule würde am geplanten neuen Schulstandort „Hertinger Tor“ eine Art „Wurmfortsatz“ der Falkschule, seien vom Tisch, sagt Balter. Beide Grundschulen sollen in den kommenden Jahren langsam zusammenwachsen.

Welche Besonderheiten die Schule in Hemmerde hat, lernte Balter aber auch schnell. „In so einem Dorf muss man sich gut vernetzen.“ So wächst seit über 15 Jahren eine Allee von Bäumen, die Kinder gemeinsam mit dem Heimatverein pflanzen. Die Schule arbeitet mit dem Fußball- und dem Tennisverein zusammen, die Frauenhilfe bekommt alljährlich eine Weihnachtsaufführung, und wenn Kinderschützenfest ist im Dorf, na klar, dann ist freitags etwas früher Schulschluss. Feste zu feiern, das ist der Frohnatur Hans Balter ohnehin mindestens so wichtig wie die Vermittlung von Werten und das das Erfolgsgefühl, wenn Viertklässler die schriftliche Division verstanden haben. Wenn Karneval ist, führt der bunt kostümierte Chef mit dem Akkordeon die Kinder-Polonaise an. Beim Adventssingen in Hemmerde waren immer schon viele Eltern dabei. In der Aula der Nicolaischule waren es anfangs eine Handvoll. Inzwischen singen 30 Erwachsene begeistert mit.

Musikalisch geht es auch weiter, sollte Balter doch irgendwann Vollzeit-Rentner sein. Einige seiner acht Enkel haben sich schon angemeldet, um bei Opa Blockflöte und Gitarre zu lernen.

Als Hans Balter seinem Lehrer vor 60 Jahren sagte, dass dieser für ihn ein Vorbild sei, wird der Pädagoge sich gefreut haben. Genauso freut Hans Balter sich heute über das Zitat einer Schülerin, das ihm zugetragen wurde: „Mama, ich hab eine tolle Nachricht: Herr Balter bleibt noch.“ Tatsächlich wird Balters Zur-Ruhe-Setzung noch einmal verschoben, nachdem vor eineinhalb Jahren schon sein 65. Geburtstag verstrichen war. Für die Grundschule Hemmerde ist die Schulleiternachfolge geregelt, für die Nicolaischule hingegen noch nicht. Zum Februar 2019 wird sich das aller Voraussicht nach ändern. Und so lange behält die Nicolaischule ihren Leiter Hans Balter.
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