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Unnas Stadtrat soll die „Verkehrswende“ einfach beschließen

dzKlimaschutz

Der Schwung der „Fridays for future“-Bewegung gibt auch der Fahrradlobby Anschub. Der ADFC meldet sich mit einem Antrag zu Wort und zielt jetzt auf das große Ganze: die Verkehrswende für Unna.

Unna

, 14.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit der Formulierung seines Antrages ans Rathaus mag der ADFC in Unna zunächst etwas provokant wirken. „Der Rat der Stadt Unna möge beschließen, eine Verkehrswende für Unna einzuleiten“, heißt es darin lediglich, als sei dies gar keine so große Sache. In der Begründung seiner Forderung nimmt sich der Club dann aber umso mehr Raum, um Wege und Argumente aufzuzeigen. Angesichts der wachsenden Sensibilität für den Klimaschutz zeigt die Ortsgruppe einige Fakten auf, die auch die Verwantwortungsträger in Unna nachdenklich stimmen könnten.

In Unna wird öfter Auto gefahren als andernorts

Ein Fakt ist, dass die Unnaer im Vergleich zu anderen Städten häufig mit dem Auto unterwegs sind. 65,5 Prozent ihrer Wege legen sie mit dem Wagen zurück - so ergab es im Jahr 2013 die noch immer aktuelle „Modal Split“-Untersuchung des Kreises. Zwei Städte weiter am Hellweg, nämlich in Soest, ergab eine solche Erhebnung zwei Jahre zuvor einen Auto-Anteil von 56,6 Prozent. Und je weiter der Blick gerichtet wird, desto deutlicher wirkt die Auto-Affinität der Unnaer. Den niedrigsten Autoanteil in einer Übersicht des ADFC bietet übrigens nicht die viel angeführte Fahrradhauptstadt Kopenhagen (33 Prozent), sondern Freiburg mit nur 21 Prozent.

Bei Fahrrad, Bus und Bahn ist noch Luft nach oben

Ein anderer Fakt ist, dass Unna gleich in mehreren Mobilitätsalternativen zulegen kann. 9,5 Prozent ihrer Wege legen die Unnaer mit öffentliche Verkehrsmitteln zurück. In dieser Kategorie kommt Freiburg auf 16 Prozent - und Kopenhagen auf 20.

Die Fahrradquote in der Kreisstadt lag zuletzt bei elf Prozent, im nicht allzu fernen Werne an der Lippe schon bei 21,5. Wer das erkennbare Nord-Süd-Gefälle der Fahrradnutzung im Kreis Unna mit dem unterschiedlichen Geländeprofil erklären will, den weist der ADFC darauf hin, dass in der autoarmen Stadt Freiburg gerade das Fahrrad mit 34 Prozent das meistgenutzte Verkehrsmittel ist. Und Freiburg liegt im Westen des Schwarzwaldes, hat im Stadtgebiet einen Höhenunterschied von rund tausend Metern.

In Unna ist das zweitbeliebteste Verkehrsmittel nach dem Auto übrigens das Zu-Fuß-Gehen. 14 Prozent der Wege werden so beschritten.

Mit Staus und Parkplatznot treffen die Autofahrer auch sich selbst

Mit dem hohen Autoanteil trage Unna im lokalen Rahmen zur Klimaschädigung bei, gilt der motorisierte Fahrzeugverkehr doch nach der Industrie als zweitgrößter Energieverbraucher, so der ADFC. Die Stadt erfahre durch ihre Autoquote aber auch andere Probleme, durch die der Autofahrer selbst unmittelbar leide: Staus und Parkplatzprobleme seien ein Alltagsärgernis für viele, die auf den Straßen der Stadt unterwegs sind. Für die, die daran wohnen, komme noch der Lärm hinzu.

Unnas Stadtrat soll die „Verkehrswende“ einfach beschließen

Busbahnhof, Bahnhof und Radstation liegen im Norden der Innenstadt nah beisammen und ermöglichen eine Kombination der Verkehrsmittel. In einem solchen Umweltverbund sieht der ADFC verträgliche Verkehrslösungen. © UDO HENNES

ADFC für kluge Vernetzung der Verkehrsarten

Lösungen sieht der ADFC - wenig überraschend - in einer Förderung des Radverkehrs durch bessere Wege und Parkmöglichkeiten, aber auch in einer klugen Vernetzung der Verkehrsmittel. Abschaffen will der ADFC das Auto nicht, aber seinen Einsatz auf ein nötiges Minimum beschränken. Stattdessen könnte die Kombination von Radverkehr, Bus und Bahn eine Alternative schaffen. Dafür müssten die Angebote aber verbessert werden.

Bestehende Konzepte müssen umgesetzt werden

In Papierform sind viele Lösungen schon beschrieben. Es hapert in Unna jedoch an der Umsetzung. Der ADFC verweist etwa auf das Zielnetzkonzept 2025 und ein ergänzendes Innenstadtkonzept, das dazu beitragen soll, den Radverkehrsanteil bis 2025 auf 25 Prozent zu erhöhen. Vom Rat der Stadt sind diese Konzepte bereits beschlossen worden. Nun müsse man sie halt auch umsetzen, so der ADFC.

Unnas Stadtrat soll die „Verkehrswende“ einfach beschließen

Der jährliche Drahteselmarkt ist ein beliebtes Fest für das Fahrrad. Werbung für die Mobilität im Umweltverbund müsse die Stadt aber insgesamt ausweiten, befindet der ADFC. © Udo Hennes

München hat die „Verkehrswende“ schon beschlossen

Die Umsetzung bestehender Konzepte, mehr Radabstellanlagen, Park- und Durchfahrtverbote für Autos in der Innenstadt, ein Ausbau der ÖPNV-Angebote und mehr Werbung für die Mobilität im „Umweltverbund“ sieht der ADFC als Stellschrauben der Verkehrswende an, die der Stadtrat nun beschließen möge. Unna wäre dann keineswegs die erste Kommune, die einen Beschluss solcher Tragweite gefasst habe: Auch in München ist die Verkehrswende nun vorgegebenes Arbeitsziel für die örtliche Verwaltung.

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