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Unnaerin seit Wochen ohne Telefon und Internet

dzUnitymedia

Dass Kunden den Telefonanbieter wechseln wollen, aber nicht können, passiert öfter. Eine Kundin in Unna erlebt den umgekehrten Fall. Sie will bei ihrem Anbieter bleiben. Das Unternehmen aber macht es ihr schwer.

Unna

, 07.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Nina W. (Name geändert) verzweifelt zunehmend. Sie steckt in einer schwierigen Lebenssituation, in der sie eines am wenigsten gebrauchen kann: von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Aber genau das ist für sie seit Wochen der Fall. Es begann mit einem im Grunde alltäglichen Vorgang. W. zog innerhalb von Unna um. Zwei Monate vor dem Termin informierte sie den Kabelnetzanbieter Unitymedia. Auch in der neuen Wohnung will sie Telefon, Internet und Fernsehen nutzen wie bisher. „Ich war mit Unitymedia immer zufrieden“, sagt die Unnaerin. Als sie ihren Umzug bekannt gab, murmelte ein Unitymedia-Mitarbeiter noch etwas von Problemen mit Kabeln. Daran könne sie sich im Nachhinein erinnern. Doch zunächst war sie mit vielen anderen Dingen beschäftigt.

Vergebliches Warten

Am Tag vor dem Umzug erhielt sie dann eine Nachricht, sie solle alle nötigen Geräte in der neuen Wohnung aufbauen. Am 19. Juli dann hieß es: kein Kabel. Es seien aufwendige Erdarbeiten nötig. Seitdem hängt die Kundin ohne Anschluss in der Luft. Sie berichtet von mehreren Terminen, die nicht eingehalten wurden. Sie habe längst den Überblick verloren, ob es Absprachen mit Unitymedia selbst oder einem Fremdunternehmen waren, das offenbar mit den Anschlussarbeiten betraut wurde. Die beiden Unternehmen kommunizieren nach ihrem Eindruck nicht miteinander und nicht mit ihr. Ihr neuer Vermieter versuche sehr engagiert, ihr zu helfen, sei schon mehrfach selbst zu spät zur Arbeit gekommen, weil er vergeblich auf Techniker wartete.

Unitymedia schlägt Kündigung vor

W. ist auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. „Das ist schwierig ohne Telefon und E-Mail“, berichtet sie. Um hin und wieder E-Mails abzurufen, benutzt sie öffentliche Computer in der ZIB-Bibliothek. Ebenso schwierig ist die Kommunikation mit Unitymedia. Sie müsse die Kundenhotline mit ihrem Handy anrufen. „Ich habe jetzt schon Angst vor den Rechnungen“, sagt sie. Allzu freundlich begegne man ihr nicht bei der Kundenbetreuung, eher sei das Gegenteil der Fall. Vor Kurzem dann brachte sie die Hotline zu einer Mitarbeiterin, die nicht nur freundlich war, sondern auch den Eindruck vermittelte, ihr Problem zu verstehen. Doch die vorgeschlagene Problemlösung erschütterte W. geradezu. „Sie bot mir an, den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Aber das will ich doch gar nicht.“ Der Wechsel zur Telekom kommt für W. bisher nicht infrage, auch weil deren Angebot sie 20 Euro pro Monat mehr kosten würde. „Das kann ich mir nicht leisten.“ Ihren Unitymedia-Anschluss übrigens bezahlt die Kundin nach wie vor, ohne dafür eine Leistung zu bekommen.

Information per E-Mail

Immer wieder versucht die Unnaerin nun, herauszufinden, was passiert mit ihrem Anschluss. Zuletzt erfuhr sie am Telefon, Unitymedia habe sie am. 3. August mit einem Schreiben über den aktuellen Stand informiert. Sie vermutete zunächst, ein Brief sei gemeint. Post aber hat sie vom Unternehmen nicht bekommen. Tatsächlich hat Unitymedia die Kundin, die seit Wochen keinen Internetanschluss hat, mit einer E-Mail informiert. W. konnte diese Nachricht am Dienstagnachmittag in der Bücherei abrufen. Der Inhalt: Es gebe „ungeahnte technische Störungen“, Unitymedia werde sich melden.

Auf eine Anfrage unserer Zeitung zu diesem Fall reagierte Unitymedia prompt schon am vergangenen Freitag. Die Anfrage sei intern weitergeleitet worden. Er werde sich melden, sobald ihm weitere Informationen vorlägen, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Seitdem hat auch unsere Redaktion nichts erfahren.

Die Verbraucherzentrale rät in einem solchen Fall dazu, Druck aufzubauen. Kunden, die nicht angeschlossen werden, sollten das Unternehmen per Einschreiben dazu auffordern, seinen vertraglichen Verpflichtungen innerhalb einer bestimmten Frist nachzukommen. Eine Drohung mit Schadensersatz sei sinnvoll. Es könnten sehr wahrscheinlich Ansprüche geltend gemacht werden, sagt ein Sprecher der Verbraucherzentrale. Er empfiehlt allerdings eine Prüfung des konkreten Falls durch die Verbraucherberatung. Die Erstberatung, beispielsweise in Kamen, kostet 9 Euro.
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