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Unna investiert mit zweierlei Maß

Millionen für die Stadthalle

Wirtschaftliche Gründe führt die Stadt Unna für eine Aufgabe der Eishalle ins Feld. Sie vergisst dabei, dass Einrichtungen des Gemeinwohls durchaus etwas kosten dürfen. Bei der Stadthalle hingegen steht dies außer Frage.

Unna

, 04.07.2018 / Lesedauer: 3 min
Unna investiert mit zweierlei Maß

In der Stadthalle wird die Substanz mit bedarfsgerechten Investitionen auf dem aktuellen Stand gehalten. Hier im Bild lässt sich der Geschäftsführer der Unna Marketing GmbH, Horst Bresan, von Uwe Mertens in einem Testlauf die neue Belüftung vorführen.Archiv © Marcel Drawe

Es ist nicht so, als ob die Stadt und ihre Tochter WBU kein Geld zu verteilen hätten. Die 2,5 Millionen Euro an zusätzlichen Einsparungen, nach denen in den vergangenen Monaten eine zusätzliche Arbeitsgruppe aus Politik und Verwaltung geforscht hat, wirken stattlich im Vergleich zum privaten Eigenheim des Unnaer Durchschnittsbürgers. Im Vergleich zu den fast 162 Millionen Euro, die die Stadt im Jahr 2018 insgesamt ausgeben will, ist der Betrag überschaubar.

Alles relativ – das gilt auch für die Frage, wie viel Geld die Stadt in ihre Einrichtungen stecken kann. Schon der Vergleich innerhalb der WBU lässt eine gewisse Schieflage erkennen: Ins Hallenbad am Bergenkamp steckte sie in den zurückliegenden Jahren über eine Million Euro. Unter anderem wurde die Wasseraufbereitung erneuert. Sie ist das Herzstück der Einrichtung, vergleichbar mit der Kälteanlage in der Eishalle.

In der Eishalle waren Stadt und WBU in Vergleich dazu ziemlich knauserig. Größte Investition im neuen Jahrtausend war die Absicherung der Dachkonstruktion. Nachdem 2006 in Bad Reichenhall das Dach der dortigen Eishalle eingestürzt war, wurden auch in Unna Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Sie kosteten 376.000 Euro, von denen drei Viertel von der Stadt getragen wurden. Den Pächtern gewährte sie ein Darlehen, von dem sie schließlich noch 11.000 Euro Restschuld erließ. Macht 293.000 Euro für die Eishalle.

Alle übrigen Investitionen gingen zulasten der Pächter. Der Vertrag gab ihnen auf, Maßnahmen bis zum Wert von 150.000 Euro im Jahr selbst zu tragen. Im Gegenzug gab es von der WBU einen Zuschuss von ebenfalls 150.000 Euro jährlich. Wobei auch „Zuschuss“ ein ungenauer Begriff ist. Die Stadt hält auch die Eissportler von Hallennutzungsgebühren frei und zahlte der Ice & Fun GmbH dafür 85.000 Euro. 24.000 Euro gab es für die eisfreie Zeit, in der die Halle früher einmal mit Veranstaltungen Geld verdienen durfte. Nur 40.000 Euro gab es für sonstige Zwecke, zu denen allerdings auch der Schulsport gehörte.

Millionen als Nachschlag

500 Meter weiter sind Probleme wie diese gänzlich unbekannt. Unnas Stadthalle gehört zu den Einrichtungen, bei denen die Stadt deutlich großzügiger mit ihrem Geld umgeht. Dies war erst im Frühling deutlich geworden, als die Politik plötzlich die Nachricht von einem Kostenanstieg bei der geplanten Modernisierung auf den Tisch bekam – und diese dennoch absegnete. 1,8 Millionen Euro legte der Rat der Stadt nachträglich auf den Tisch. Zuvor waren die Kosten auf 3,5 Millionen Euro geschätzt worden.

Doch auch in den Vorjahren waren die Investitionen höher als in der Eishalle. Das ist für einen seriösen Vergleich wichtig, weil es zwischenzeitlich einen Wechsel des Betriebsmodelles gegeben hat: Seit 2016 ist die Stadt wieder Eigentümerin der Stadthalle, die Unna Marketing GmbH nur noch eine vertraglich beauftragte Betreibergesellschaft. Doch auch in der Zeit, in der die Stadthalle dem Stadtmarketing gehörte, flossen mehrere Millionen Euro in die Substanz. Allein in der Zeit nach der Jahrtausendwende waren es rund zwei Millionen. Zusammen mit dem aktuellen Modernisierungsprogramm der Stadt flossen und fließen insgesamt 7,3 Millionen Euro in die Stadthalle.

Neben den Investitionen in die Gebäudesubstanz erhält aber auch die Hauptnutzerin eine größere Unterstützung von der Stadt. Aktuell bezieht die Unna Marketing GmbH jährlich 420.000 Euro für kulturelle Veranstaltungen, alle zwei Jahre zudem noch 80.000 Euro für Un(n)a Festa Italiana. Über diesen Pauschalzuschuss hinaus zahlt die Stadt noch weitere Leistungen, um Leben in die Halle zu bekommen. Die Theatervormiete etwa ist für den Kulturbereich ein Zuschussgeschäft: Obwohl in der Reihe nur selten Plätze frei bleiben, zahlt der Kulturbereich jährlich 27.200 Euro für eine Saison mit acht Gastspielen diverser Reiseensembles.

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