Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Sie soll Gerechtigkeit schaffen. Doch zunächst einmal schafft sie Verunsicherung und Ärger: Mit einer großen Datenerhebung für die Kanalgebühren ecken Unnas Stadtbetriebe bei vielen Bürgern an.

Unna

, 16.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Rund 18.000 Grundeigentümer in Unna haben vor Kurzem Post bekommen: Die Stadtbetriebe wollen ihre Datenbestände aktualisieren und legen ihren Kunden zur Kontrolle vor, was sie dabei ermittelt haben. Die Überprüfung dieser Zahlen aber scheint viele Unnaer zu überfordern. Und die gesetzte Frist scheint manche zu beunruhigen. An den ersten Tagen nach Versand der Erhebungsbögen war an der Viktoriastraße mehrfach die Telefonanlage zusammengebrochen. „Es war uns durchaus klar, dass da Beratungsbedarf bestehen wird und vielleicht auch etwas Unruhe aufkommen kann“, erklärt Maria Willige-Schleep, die bei den Stadtbetrieben für die Beratung der Kunden zuständig ist. Doch die Zahl der Anfragen war offenbar höher als erwartet.

Drei eigene Mitarbeiter haben die Stadtbetriebe dieser Tage allein für die Beratung rund um die Datenaktualisierung abgestellt. Fünf weitere Kräfte stellt ein Ingenieurbüro zur Verfügung. In der Regel gelinge es gut, die Fragen der Anrufer zu beantworten, erklärt Maria Willige-Schleep. Für kompliziertere Fälle gibt es aber auch persönliche Beratungsmöglichkeiten (siehe Infokasten).

Datenerhebung

Hier gibt es Beratung und Hilfe

  • Die Stadtbetriebe haben ihren Telefondienst verstärkt, der unter der Rufnummer (02303) 20 03 70 zu erreichen ist. Besetzt sind die Telefone von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 14 Uhr.
  • Schriftliche Anfragen können per E-Mail an erhebungsbogen@stadtbetriebe-unna.de oder per Fax an die Nummer (02303) 20 03 72 geschickt werden.
  • Persönliche Beratung gibt es im Umweltberatungsbüro im Rathaus oder auch vor Ort. Dafür ist eine Terminvereinbarung nötig.

Die Atmosphäre der Gespräche bewerten die Stadtbetriebe als sachlich. Und auch Bürger bescheinigen den Ansprechpartnern am Telefon, dass sie freundlich bemüht seien. Kritik gibt es aber am Verfahren an sich: Manche Bürger bemängeln eine relativ kurze Frist von vier Wochen für die Bearbeitung eines Erhebungsbogens. Anderen ist die Materie an sich zu kompliziert. Und manche nehmen gar an, die Stadt wolle sich bereichern.

Letzteres ist definitiv falsch. Es geht um eine Neuverteilung der Gebührenlast. Sie mag den einen stärker belasten, den anderen entlasten. Ziel sei aber eine höhere Gebührengerechtigkeit, betont Maria Willige-Schleep.

Die Aktualisierung der Daten spielt eine Rolle für die Bemessung der „Niederschlagswassergebühr“. Sie ist für die Stadtbetriebe eine der beiden großen Einnahmequellen für die Finanzierung des Kanalnetzes - neben den Schmutzwassergebühren. Gut zehn Millionen Euro verlangen die Stadtbetriebe in diesem Jahr von den Bürgern. Für einen Quadratmeter versiegelter Fläche zahlen sie je 1,49 Euro. Konkret nachlesen kann jeder seine Bemessung im Gebührenbescheid, der Ende Januar von der Stadt gekommen ist.

Stadtentwässerung

Rohrsystem für beachtliche Zahlen

  • Etwa 6,8 Millionen Quadratmeter versiegelter Fläche leiten nach bisheriger Annahme Regenwasser ins Kanalnetz der Unnaer Stadtbetriebe. Diese Zahl ergibt sich aus den Daten der Urbefragung 1996 und den Nachträgen später errichteter Neubauten. Welcher Wert künftig gilt, zeigt sich nach dem Rücklauf der 18.000 Erhebungsbögen, mit denen die Stadtbetriebe nun ihre Luftbildauswertungen überprüfen lassen.
  • Wie viel Regen durch Unnas Kanäle strömt, hängt natürlich auch vom Wetter ab. Ein Durschschnittswert sagt: 6,74 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Damit könnte man zweimal den Hengsteysee füllen.
  • Die meisten Kanäle in Unna führen Schmutzwasser und Niederschlagswasser gemischt. In der Gebührenkalkulation rechnen die Stadtbetriebe beides auseinander: 10,3 Millionen Euro für den Erhalt des Kanalnetzes stammen aus der Niederschlagswassergebühr.
  • Für einen Quadratmeter versiegelter Fläche zahlt ein Grundeigentümer in diesem Jahr 1,49 Euro. Vermieter dürfen das auf ihre Mieter umlegen.
  • In ihrem Rechenbeispiel für einem Musterhaushalt veranschlagen die Stadtbetriebe 208 Euro jählich für die Niederschlagswassergebühr.

Bislang galt für die Berechnung ein Datensatz, der im Jahr 1996 erhoben worden ist. Allein deshalb ist zu vermuten, dass er nicht mehr vollständig aktuell ist. Hier und dort dürfte im Nachhinein eine Fläche gepflastert oder ein Carport aufgestellt worden sein. Und das sind Flächen, die zumindest eine Rolle spielen können.

Zudem wurden die Daten seinerzeit mit einer Abfrage bei den Grundeigentümern erhoben. Die Stadtbetriebe haben damals auf Vertrauen gesetzt. Überprüft wurden die Angaben der damaligen Eigentümer nicht. Termine auszumachen, um auf den Grundstücken selbst das Maßband anzulegen, wäre damals eine nicht zu leistende Aufgabe gewesen.

Nun aber beschreiten die Stadtbetriebe einen anderen Weg: Anhand von Luftbildern hat sich ein beauftragtes Ingenieurbüro alle Grundstücke in Unna angeschaut und darauf die versiegelten Flächen vermessen. Das individuelle Ergebnis wird den Gebührenzahlern nun als Zahlenwert und mit einer Zeichnung zur Überprüfung vorgelegt. Wer etwas zu beanstanden hat, sollte sich damit bis zum 12. April bei den Stadtbetrieben gemeldet haben. Sonst gilt der Wert der Luftbildauswertung.

Die Methode der Stadtbetriebe hat Tücken

Dass diese Methode Fehlerquellen einschließt, räumen auch die Stadtbetriebe ein. So lässt sich zwar auf einem Luftbild eine Terrasse ausmachen, aber nicht erkennen, ob Regen von dieser Fläche aus in den Rasen daneben oder über eine Abflussrinne ins Kanalnetz fließt. Andere Dinge seien einfach schlecht zu sehen: Bewuchs, Schattenwürfe und farbliche Gleichheiten etwa von grauem Verbundpflaster und einem ausgetrockneten Beet machen die Sache schwierig.

Anrufe in unserer Redaktion machen deutlich, dass Abweichungen von der Realität durchaus häufig vorkommen - und zwar sowohl zugunsten als auch zulasten der Bürger. Ein Anrufer etwa legte dar, dass ein bepflanztes Beet in seiner Zeichnung als versiegelte Fläche erfasst war. Ein anderer fragte, warum die Außentreppe zu seiner Kellertreppe nicht erfasst sei. Die habe doch auch einen Abfluss, merkt er an. Mit einem eigenen Foto als Beweis will er dies nun bei den Stadtbetrieben vortragen. „Ehrlichkeit muss sein“, befindet er - und wenn sie ihn auch drei Euro im Jahr kosten wird.

Das Informationsblatt der Stadtbetriebe (824 kB)

Lesen Sie jetzt