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Sie sorgen für Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutsche, schnell geht der Schaden in die Millionen: Starkregen wird in der warmen Jahreszeit zunehmend zur Gefahr.

Unna

, 21.07.2018 / Lesedauer: 5 min

Beispiel Ende Mai in Wuppertal: Keller liefen voll, ein Einkaufszentrum stand unter Wasser, das Dach einer Tankstelle stürzte ein und begrub 14 Autos unter sich und in der Decke eines Universitätsgebäudes klaffte plötzlich ein großes Loch. Zwar werden Unwetter präzise vorhergesagt, treffen Städte und Kommunen dann oft aber doch unerwartet heftig.

Wie entstehen örtliche Starkregen?

„Starkregen ist eigentlich nichts anderes als gewöhnlicher Regen – nur eben in sehr großen Mengen“, erklärt Meteorologin Jacqueline Kern vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Wenn warme, feuchte Luft nach oben steigt, bilden sich Quellwolken. Wind in den oberen Sphären sorgt dann im Normalfall dafür, dass diese Schauerzellen, wie die Fachfrau sagt, sich verteilen. Problematisch wird es, wenn dort wenig Wind herrscht. Das Ergebnis: Die Wolken türmen sich immer weiter auf und entladen sich dann als Starkregen über einer relativ kleinen Fläche.

Wann spricht man von Starkregen?

Der DWD spricht bei Starkregen von Unwetter (Warnstufe 3), wenn 25 Liter Wasser oder mehr pro Quadratmeter und Stunde fallen – oder mehr als 35 Liter/Quadratmeter in 6 Stunden. Extremes Unwetter (Warnstufe 4) herrscht ab 40 Litern pro Quadratmetern/Stunde oder 60 Litern pro Quadratmeter/6 Stunden. Zum Vergleich: Beim Unwetter in Wuppertal fielen Ende Mai laut DWD in der Spitze bis zu 100 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Wer muss sich vor Starkregen in Acht nehmen?

„Das Problem ist, dass solch schwere Ereignisse sich nicht verlässlich verorten lassen. Es kann jeden treffen. Insbesondere die schweren Unwetter sind deutschlandweit in etwa gleich wahrscheinlich“, sagt Dr. Andreas Becker, Leiter des Weltzentrums für Niederschlagsklimatologie in Offenbach. Natürlich gebe es Regionen, in denen es häufiger regnet als an anderen Orten. Aber kurze, außergewöhnlich heftige Regenfälle könnten sich überall bilden.

Warum hilft die Statistik bislang nicht weiter?

Im Jahr 2001 wurde in Deutschland die flächendeckende Wetterradarmessung eingeführt. Im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat der Deutsche Wetterdienst die Daten nach der Gesamtzahl der Starkregenstunden (Warnstufe 3) in 8100 Postleitzahlengebieten Deutschlands ausgewertet. Eindeutig ist: Das südbayrische Alpenvorland sowie das Erzgebirge sind besonders anfällig für schwere Unwetter. Doch darüber hinaus fällt eine verlässliche Prognose schwer. In Nordrhein-Westfalen war Ibbenbüren im Kreis Steinfurt mit 34,5 Starkregenstunden in den letzten 17 Jahren am schwersten betroffen. Zum Vergleich: Rekordhalter in Deutschland ist Aschau (Bayern) mit 115 Starkregenstunden. Aber: „17 Jahre sind ein relativ kurzer Zeitraum. Die Statistik ist deshalb nicht repräsentativ. Die Nachricht lautet: Es kann jeden erwischen“, erklärt Meteorologe Andreas Becker.

Welche Probleme bringt Starkregen mit sich?

Die Probleme sind vielfältig. Gewässer und Grundwasser steigen, die Kanalnetze werden überlastet, es kommt zu unkontrolliertem Oberflächenabfluss, da das Wasser in städtischen Gebieten aufgrund der Versiegelung nicht versickern kann. Keller und Häuser laufen voll. In ländlichen und gerodeten Regionen wird Schlamm abgetragen. Besonders kritisch wird es, wenn Klärwerke oder Industrieanlagen überflutet werden und Schadstoffe ins Gewässer gelangen.

Starkregen kann jeden treffen

Die Grafik zeigt die Häufigkeit von Starkregenereignissen in der Region. Grafik: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)/Deutscher Wetterdienst (DWD)

Wie können sich Privathaushalte vor Wasser von außen schützen?

Boden- und Türschwellen, ein Gefälle im Eingangsbereich, Überdachungen, Aufkantungen, Barrierensysteme oder drucksichere Kellerfenster können laut Verbraucherzentrale NRW helfen, Oberflächenwasser vom Eindringen in die eigenen vier Wände abzuhalten. Des Weiteren können auf dem Grundstück Geländemulden und Bodensenken geschaffen werden, die das Wasser aufnehmen. Achtung: Überschüssiges Regenwasser darf nicht auf Nachbargrundstücke geleitet werden – bei dortigen Schäden haftet man sonst.

Und wie kann ich einen Rückstau verhindern?

Räume unterhalb des Straßenniveaus, in denen etwa eine Waschmaschine angeschlossen ist oder aus denen Wasser über Abläufe abfließt, sind laut Verbraucherzentrale Schwachstellen bei Rückstaus im Kanalsystem. Hebeanlagen bieten den besten Schutz und leiten auch im Fall eines Rückstaus weiterhin Abwasser nach außen ab – WCs und Duschen bleiben also nutzbar. Sie sind allerdings teuer und verbrauchen Energie. Rückstauklappen sind eine Alternative, leiten bei Gegendruck aber kein Abwasser mehr ab.

Bevor Eigentümer ihre Immobilie mit Hilfe eines Sanitärfachbetriebs rückstausicher machen, empfiehlt die Verbraucherzentrale, sich bei der Stadtentwässerung zu erkundigen, an welcher Stelle die Rückstausicherung angebracht werden muss. Dadurch werden ein falscher Einbau und daraus resultierende Kosten vermieden.

Welchen Versicherungsschutz brauche ich?

Im Gegensatz zu Hagel- oder Sturmschäden werden Überschwemmungen und Rückstau durch Starkregen nicht von einer Wohngebäude- oder Hausratspolice abgedeckt. Hierzu benötigen Hausbesitzer, aber auch Unternehmen und Gewerbetreibende, einen erweiterten Naturgefahrenschutz, auch Elementarschadenversicherung genannt. 42 Prozent der Häuser in Nordrhein-Westfalen verfügen derzeit über solch einen Schutz. Zu wenige aus Sicht von Oliver Hauner, Experte für Sachversicherungen beim GDV, der diese Quote eine „besorgniserregende Zahl“ nennt.

Zudem warnt die Verbraucherzentrale: Mit der Versicherung alleine ist man nicht auf der sicheren Seite. Im Schadensfall müssen Versicherte damit rechnen, dass ein Nachweis über die regelmäßige Wartung ihrer Rückstausicherungen verlangt wird.

Wie unterstützt das Land NRW die Kommunen beim Schutz vor Starkregen?

Die Landesregierung hat im Dezember 2016 das sogenannte Konzept Starkregen NRW veröffentlicht. Hierin werden Möglichkeiten aufgezeigt, präventive Maßnahmen zum Schutz gegen Starkregen-Ereignisse zu ergreifen. Eine funktionierende Siedlungsentwässerung, wassersensible Stadtplanung und die Schaffung grüner Infrastruktur zur Wasseraufnahme und Versickerung sind dabei nur einige Handlungsfelder.

Darüber hinaus hat die Landesregierung am 30. Januar 2018 eine „Richtlinie über die Gewährung von Soforthilfen bei durch Naturkatastrophen hervorgerufenen Notständen“ verabschiedet. So könne Betroffenen laut Umweltministerium im Notfall „schnell und unkompliziert“ eine finanzielle Hilfe gewährt werden – wie zuletzt in Wuppertal.

Starkregen kann jeden treffen

Das Hochwasserrückhaltebecken Bimberghof: Die erst vor wenigen Jahren gebaute Anlage dient zum Schutz von Lünern. Wenn nach starkem Regen der Lünerner und der Kessebürener Bach anschwellen, sollen diese nicht im Unterlauf über die Ufer treten. Ein extremer Starkregen würde im Bimbergtal gestaut.

Wie können Starkregen-Gefahrenkarten helfen?

Das Umweltministerium NRW berichtet, dass im Zuge der Umsetzung des Konzepts Starkregen etliche Kommunen mögliche Überflutungsflächen erarbeiten und darstellen. Das geschieht über sogenannte Starkregen-Gefahrenkarten. Für die Stadt Unna liegt dieses Material seit 2014 vor.

Was können die Kommunen noch tun?

Vor allem die Bürger für das Thema sensibilisieren. „Kieswüsten im Vorgarten sind eine Sünde“, mahnt Dr. Peter Queitsch, Referent für Umweltschutz und Abwasserbeseitigung beim Städte- und Gemeindebund an. Denn Schutz vor Starkregen sei keine Aufgabe der Kommunen allein. Industrie, Gewerbetreibende und Bürger müssten ebenso helfen, die Stadt widerstandsfähiger zu machen – indem sie etwa die Versickerung fördern.

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Informationen über das Projekt „Stark gegen Starkregen“ gibt es auf der Internetseite. Dort ist auch die Starkregenkarte für Unna abrufbar.
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