Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

In Unna hat am Samstagmittag eine nicht angemeldete Demo stattgefunden. Offizieller Anlass: Protest gegen steigende Benzinpreise nach dem Vorbild der französischen „Gelbwesten“-Bewegung.

Kreis Unna

, 01.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Angemeldet war die Veranstaltung nicht, die Kreispolizeibehörde ist Ende der Woche durch eine Meldung der Antifa im Internet auf die möglicherweise bevorstehende Demonstration an diesem Samstag aufmerksam geworden. Seit dem frühen Samstagmorgen sondierten Polizeibeamte deshalb im Großraum Unna und Kamen die Lage; zumal das Gerücht im Raum stand, die Demonstranten wollten nach dem Vorbild der französischen „Gelbwesten“-Proteste das Kamener Kreuz und damit das Herz des Autobahnnetzes im Revier blockieren.

„Ikea“-Parkplatz war der Treffpunkt

Die gelben Westen

Protest und Randale in Frankreich

Sie blockieren Straßen, Brücken und Kreuzungen - und randalieren: die „gelben Westen“ in Frankreich, benannt nach den Warnwesten im Auto. Ihr Protest ist im Internet entstanden, Ausgangspunkt waren Steuererhöhungen für Benzin und Diesel im Kampf der französischen Regierung gegen den Klimawandel. Doch inzwischen geht es um das große Ganze. Die „Gelbwesten“ demonstrieren gegen die Reformpolitik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und sind unzufrieden mit ihrer finanziellen Situation.

Auf dem Parkplatz des Möbelhauses „Ikea“ in Kamen habe man im Rahmen der Aufklärung dann tatsächlich eine rund 30-köpfige Gruppe angetroffen, erläuterte eine Polizeisprecherin am Mittag auf Nachfrage. Dem Vernehmen nach hatte die Gruppe bis zum Eintreffen der Polizei wohl tatsächlich vor, einen Stau im Kamener Kreuz zu provozieren. Durch die vielen gelben Westen haben die Demonstranten aber eine zu große Aufmerksamkeit auf sich gezogen und damit die Polizei auf den Plan gerufen.

„Reichsbürger“ unter den Demonstranten?

Man habe die Personalien der Protagonisten überprüft, aber keine Erkenntnisse zu Verbindungen in die rechte Szene, so die Polizeisprecherin weiter. Aus Polizeikreisen hieß es, dass zumindest einige Demonstrationsteilnehmer mutmaßlich Abkömmlinge der sogenannten „Reichsbürgerschaft“ seien. Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an und behaupten stattdessen, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Wohl auch deshalb reagierte die Polizei mit der auffällig großen Polizeipräsenz.

Polizei untersagte Protestmarsch in Unnaer Innenstadt

Am Mittag hat sich die Gruppe vom „Ikea“- zum Kreishaus-Parkplatz in Unna begeben und wollte von dort eigentlich mit einem Protestmarsch in Richtung Unnaer Innenstadt ziehen; dort findet bekanntlich der Weihnachtsmarkt statt, weshalb die Polizei ihr Veto eingelegt hat. In kooperativen Gesprächen sei eine alternative Route vom Kreishausparkplatz über die Platanenallee, Parkstraße, Hammer- und Viktoriastraße zurück zum Kreishaus besprochen worden, so die Polizeisprecherin. Um kurz nach 13.30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug mit rund 30 Teilnehmern dann schließlich in Bewegung, pausierte auf dem Hin- und Rückweg jeweils am Kreisel. Nach rund einer Stunde war der Protestmarsch gegen 14.30 Uhr beendet - ohne Kundgebung oder ähnliches.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Demonstration der "Gelbwesten"-Bewegung in Unna

In Unna hat am Samstagmittag eine nicht angemeldete Demo stattgefunden. Offizieller Anlass: Protest gegen steigende Benzinpreise nach dem Vorbild der französischen „Gelbwesten“-Bewegung.
01.12.2018
/
Vom Kreishaus aus zogen die Demonstrationsteilnehmer zunächst über die Platanenallee.© Neumann
Die weitere Route führte über Parkstraße, Hammer- und Viktoriastraße zurück zum Kreishaus © Neumann
Michael Makiolla, als Landrat auch Chef der Kreispolizeibehörde, verfolgte das Geschehen vor Ort.© Neumann
An der Ecke Parkstraße / Hammer Straße legte der Demonstrationszug eine Pause ein.© Neumann
Die Demonstrationsteilnehmer mussten den Bürgersteig nutzen, trotzdem hatte der Marsch massive Auswirkungen auf den Verkehr im Karree.© Neumann
Am Kreisverkehr Viktoriastraße / Hammer Straße bildete sich ein langer Rückstau.© Neumann
Auch die Zufahrt zum Kreishaus-Kreisel war innerhalb kürzester Zeit verstopft.© Neumann
Die Polizei war mit große Aufgebot vor Ort, sicherte auch die Zufahrten zum Kreishaus-Kreisel.© Neumann
Am Kreisel Viktoriastraße / Hammer Straße angekommen...© Neumann
...legten die Demonstrationsteilnehmer eine zweite Pause ein.© Neumann
Knapp 30 Teilnehmer waren vor Ort.© Neumann
Nach der Pause führte der Weg über die Hammer Straße zurück zum Kreishaus.© Neumann
Die Einsatzleitung mit Landrat Michael Makiolla am Kreishaus.© Neumann
Das Polizeiaufgebot war im Verhältnis zur relativ überschaubaren Zahl an Demonstrationsteilnehmern groß.© Neumann
Wieder am Kreishaus angekommen...© Neumann
...diskutierten die Teilnehmer den weiteren Tagesverlauf. Einen Plan gab es offenbar nicht.© Neumann
Eine Botschaft der Demonstranten, aufgeschrieben auf eine der gelben Warnwesten.© Neumann

Die Demonstranten verteilten Flyer, mit denen sie sich zur „Gelbwesten“-Bewegung bekannten. Die Stimmung in ganz Europa sei gekippt, hieß es darauf. Frankreich, Belgien, Italien viele weitere seien aufgestanden. „Es wird Zeit, dass Deutschland aufsteht, dass ganz Europa aufsteht“, stand da geschrieben. Es gehe nicht allein um die Benzinpreise, sondern um Niedriglöhne, niedriges Rentenniveau und überforderte Pflegesysteme. Aber auch Migrationspakt und Flüchtlingskrise werden angesprochen. „Die Regierenden entscheiden Sachen, die nur der Politik und ihnen selbst dienen, aber nicht dem Volk“, hieß es auf dem Papier. Über sich selbst schrieben die Demonstranten, dass sie parteilos seien. „Hass auf andere Nationen wollen wir hier nicht haben, nur wir alle gemeinsam können etwas bewegen.“

Keinerlei Zwischenfälle

Abgesehen von der großen Polizeipräsenz ist der Demonstrationszug völlig unauffällig verlaufen. Es gab offenbar keinerlei Zwischenfälle. Auch Gegendemonstranten kamen nicht. Die ersten Teilnehmer des Protestmarsches sind schon kurz nach der Rückkehr zum Kreishaus wieder abgezogen.

Weitere Protestversuche in NRW

Auch andernorts in Nordrhein-Westfalen gab es am Samstag offenbar Versuche, Autobahnen zu blockieren. In Porta Westfalica in Ostwestfalen-Lippe stoppte die Polizei eine Gruppe von „Gelbwesten“ auf einem Rastplatz.

Video
Demonstration der "Gelbwesten"-Bewegung in Unna

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt