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Schulleiter Schollas geht zufrieden und nachdenklich

dzPeter-Weiss-Gesamtschule Unna

Rainer Schollas nimmt Abschied von der Peter-Weiss-Gesamtschule. Der Leiter von Unnas größter Schule geht in den Ruhestand. Im Rückblick mischen sich Zufriedenheit und Nachdenklichkeit, vor allem aber die Erkenntnis, dass er das Wichtigste richtig gemacht hat: das Gute zu suchen in jedem Schüler.

Unna

, 11.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Für Rainer Schollas gehen Ende Juli 40 Jahre Schuldienst zu Ende. Ganz im Rentenalter ist er noch nicht, aber der Leiter der Peter-Weiss-Gesamtschule hat für sich entschieden, jetzt aufzuhören. „Ich habe viel geschafft in meiner Karriere und für diese Schule. Ich gehe mit einem guten Gefühl“, sagt Schollas. Zur Bilanz gehört eine gute Abiturquote: Als Schollas vor zehn Jahren das Ruder übernahm, schafften im Schnitt 20 PWG-Schüler den höchsten Schulabschluss. Inzwischen sind es 60. „Und dieses Abitur ist gut und ehrlich“, betont der scheidende Schulleiter. Noch immer habe die Gesamtschule um Anerkennung zu kämpfen, dabei seien doch in Zeiten des Zentralabiturs die Anforderungen in der Prüfung dieselben wie für Gymnasiasten. „Hier wird nichts verschenkt.“

Schule mit starken Schwerpunkten

Die Einführung eines Leistungskurses Kunst sei seinerzeit das Signal für Veränderung gewesen an der PWG. „Kunst war hier früher Männchenmalen“, sagt Schollas. Schüler bis zum Abitur in anspruchsvoller Gestaltung zu fördern, sei vorher „nicht denkbar und nicht erwünscht“ gewesen. Einiges mehr ist passiert in den Schollas-Jahren. Die PWG wurde MINT-, Fairtrade- und Europaschule, pflegt internationale Kontakte und trägt das „ohne Rassismus“-Siegel. Kluge Personalauswahl ermöglicht i-Tüpfelchen wie eine anspruchsvolle Musical-AG. Mehr und mehr Kinder aus „bildungsnahen“ Familien werden an der PWG angemeldet, was Schollas auch auf herausgearbeitete Schwerpunkte zurückführt. Zum Beispiel Italienisch ab Klasse 6. „Das gibt es sonst nicht.“

Als „mein Kind“ bezeichnet Schollas den jüngsten Kontakt ins Ausland. Die PWG hat einen Austausch mit Israel gestartet. Die Schule habe die Pflicht, den Schülern Erinnerungskultur nahe zu bringen. Internationale Projekte böten überhaupt eine große Chance. Schollas: „Wir öffnen den Kindern Kulturen.“

Schulleiter Schollas geht zufrieden und nachdenklich

Eine Herzensangelegenheit des scheidenden Schulleiters Rainer Schollas ist ein neuer Austausch mit einer Schule in Israel.

Philosophie der Chancen

Der gebürtige Dattelner Rainer Schollas trat 1978 seine erste Lehrerstelle an einem Gymnasium in Herne an. Recht schnell wechselte er dann zur Schulform Gesamtschule, er gelangte über Stationen in Witten und Bochum nach Unna. Eine „andere Denkweise“ als an Gymnasien sei dafür mitverantwortlich gewesen. „Ich will zuerst das Gute suchen. Das findet man in jedem Schüler“, sagt der Pädagoge. „Nur so gebe ich jedem Menschen eine Chance.“ Selbst in einer mangelhaften Klausur sei irgendwo etwas Positives zu finden. „Und dann muss man auch als Lehrer an der Stelle ,gut‘ an den Rand schreiben.“

Sorge: Gesellschaft entgleist

Der Blick auf die Schüler stimmt ihn aber auch nachdenklich. Die Gesamtschule bilde aufgrund ihrer Offenheit den kompletten Querschnitt der Gesellschaft ab. „Und die Gesellschaft am unteren Rand verändert sich“, sagt Schollas. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass etwas entgleist.“ Neue Dimensionen von Aggression und Gewalt würden auch in die Schule getragen. Was von der Gesamtschule und ihren Lehrern an Bildung und Erziehung erwartet wird, sei inzwischen schwer zu leisten.

Stolz auf seine Schüler

Vor allem aber viel Gutes fand er an der Peter-Weiss-Gesamtschule, die Schollas längst „meine Schule“ nennt. Das Kollegium sei „das beste, das ich je kennengelernt habe“ und pflege eine Tradition der Offenheit. Und nicht selten erklärte Schollas, wie stolz er auf seine Schüler sei, beispielsweise wenn sie eine berührende Holocaust-Gedenkveranstaltung gestalteten oder wenn sie einen Überschuss in der Abiturkasse nicht „auf den Kopf hauten“, sondern aus eigenem Antrieb spendeten für Flüchtlinge.

Rückblickend sei sein Weg von Bochum nach Unna wie „von der Hölle in den Himmel“ gewesen, sagt Schollas. Ausdrücklich lobt er das Engagement der Stadt für die PWG. „Hier wird eine Menge getan, damit man gut unterrichten kann. Das ist in anderen Städten anders.“

Schulleiter Schollas geht zufrieden und nachdenklich

Die Sanierung der in die Jahre gekommenen Toiletten war Ergebnis eines längeren Kampfes. Inzwischen aber ist auch Schulleiter Schollas mit dem Schulträger versöhnt. In Unna werde viel getan für gute Unterrichtsbedingungen, sagt er. © Udo Hennes

Rainer Schollas‘ Nachfolge auf dem Schulleiterposten der Peter-Weiss-Gesamtschule tritt seine bisherige Stellvertreterin Gaby Sowka an. Schollas selbst geht übrigens nicht ganz. Er bleibt noch ein Jahr Lehrer. Seine aktuellen Leistungskurse – Deutsch und Sozialwissenschaften – will er bis zum Abitur 2019 begleiten. Damit löst er das Versprechen an seine Schüler ein: „Wir gehen zusammen.“
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