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Rettet uns, aber seid bitte nicht zu laut dabei!

Feuerwehr

Natürlich darf die Feuerwehr Feuer löschen. Aber wehe, sie stört die Ruhe der Nachbarn! Eine Bürgerbeschwerde zeigt, mit welchen unnötigen Hindernissen die Wehr mitunter zu kämpfen hat.

Unna

, 25.04.2019 / Lesedauer: 5 min
Rettet uns, aber seid bitte nicht zu laut dabei!

Blaulicht, Scheinwerfer, laufende Motoren - beim Löscheinsatz im Kurpark fühlte sich ein Anwohner davon in seiner Nachtruhe gestört. © Neumann

53 Einsatzkräfte schlugen sich die Nacht um die Ohren, als im Kurpark vor zwei Wochen gleichzeitig das Bistro, ein Teil der Jugendkunstschule und ein Fahrzeug in Flammen standen. Noch am selben Tag ging bei der Stadt eine Beschwerde ein: Ein Anwohner war um seinen Schlaf gebracht worden, weil vor seinem Haus mit laufendem Motor und Blaulicht ein Feuerwehrfahrzeug stand. Ob so etwas wirklich nötig sei, wollte er wissen. Die Feuerwehr sagt: ja - und setzte einmal mehr zur Erklärung an.

„Wir bekommen immer wieder Beschwerden, die auch damit zusammenhängen, dass die Bürger nicht genau wissen, wie die Feuerwehr eigentlich arbeitet“, sagt Stadtbrandinspektor Hendrik zur Weihen. Umso wichtiger ist es den Einsatzkräften, dies zu erklären. Olaf Weischenberg, der Leiter der hauptamtlichen Feuerwehr, lädt Beschwerdeführer sogar zu Führungen durch die Wache an der Florianstraße ein, um ihnen auch direkt am Gerät erklären zu können, wie Feuerwehr funktioniert. Dass etwa auch ein scheinbar unbenutztes Fahrzeug mit laufendem Motor abgestellt wird, habe einen Grund: „Die Fahrzeuge haben so viele elektrische Verbraucher an Bord, dass die Batterie innerhalb einer Stunde kaputt wäre, wenn sie nicht geladen würde.“ Auch in Bereitstellung müsse ein Fahrzeug jederzeit einsatzfähig sein. Und oft versehe auch ein vermeintlich ungenutzter Wagen eine Funktion, die für den Außenstehenden nicht ersichtlich ist - zum Beispiel als Stromerzeuger für 220-Volt-Geräte.

Allgemein sei die Akzeptanz der Feuerwehrarbeit in Unna hoch, betont Weischenberg. „Auf einen Beschwerdebrief bekommen wir zehnmal ein Dankeschön.“ Auffällig ist aber, dass es immer wieder die gleichen Dinge sind, mit denen sich die Feuerwehr auseinandersetzen muss, weil zumindest nicht jeder versteht, warum die Einsatzkräfte wie handeln. Hier eine Übersicht:

Warum fährt die Feuerwehr mit Blaulicht UND Martinshorn?

Eine kurze Antwort wäre: Weil sie es muss. Die Straßenverkehrsordnung bindet das Sonderwegerecht, mit dem Einsatzkräfte auch über rote Ampeln fahren dürfen, an den Einsatz von optischen und akustischen Warnhinweisen. „Blaulicht allein ist streng genommen nur die Absicherung der Einsatzstelle“, erklärt Wachenleiter Olaf Weischenberg.

Die Kombination von Blaulicht und Martinshorn dient der Warnung vor dem Einsatzfahrzeug und soll Unfälle verhindern. Sie sichert aber auch im rechtlichen Sinne den Fahrer des Einsatzfahrzeuges ab: Kommt es doch einmal zu einem Unfall mit einem anderen Fahrzeug, hätte er vor Gericht ein Problem.

Dass das Martinshorn als störend empfunden werden kann, ist Weischenberg klar. „Das Geräusch muss laut genug sein, dass es auch der Autofahrer hört, der sein Radio laut aufgedreht hat. Für den Fußgänger wirkt es natürlich noch stärker.“ Auf freier Strecke schalten die Einsatzkräfte der Unnaer Feuerwehr das Martinshorn durchaus auch ab. Beim Annähern an eine Kreuzung ist aber wieder „Musik“ gefragt. Dabei spiele es übrigens keine Rolle, ob das Fahrzeug von der hauptamtlichen oder der ehrenamtlichen Feuerwehr bewegt werde, betont Stadtbrandinspektor Hendrik zur Weihen. „Erst ihre Addition stellt am Einsatzort die nötigen Einsatzstärke her.“ Daher ist auch bei der Freiwilligen Feuerwehr oft Eile geboten. Und die Wucht ihrer Fahrzeuge ist bei Kollisionen die gleiche wie bei den Fahrzeugen der Hauptwache.

Warum bleibt das Blaulicht auch bei stehendem Fahrzeug an?

Es sichert die Einsatzstelle ab, schützt daher also die Einsatzkräfte und andere Verkehrsteilnehmer. Das kann auch in abseits gelegenen Bereichen wie dem Kurpark gefragt sein. Rund um ein Feuerwehrfahrzeug liegen Schläuche, steht Gerät, gehen Einsatzkräfte her. Damit soll niemand im Dunkeln kollidieren.

Rettet uns, aber seid bitte nicht zu laut dabei!

Erst bei näherem Hinsehen fällt auf, dass dieses Bild nicht in einem Gebäude, sondern in einem Fahrzeug entstanden ist. Der Einsatzleitwagen der Feuerwehr gibt einen Eindruck davon, wie viel Technik im Feuerwehrwesen auch hinter der eigentlichen Arbeit an der Gefahrenquelle zum Einsatz kommt. © Archiv

Warum muss der Motor laufen?

Bordfunk, Beleuchtung, Messtechnik - ein Feuerwehrfahrzeug ist mit etlichen Apparaten vollgestopft, die im Einsatz angeschaltet sind und Strom verbrauchen. Er sollte aus der Lichtmaschine kommen und nicht von der Batterie, die sonst bald leer wäre. In der sogenannten „Bereitstellung“ muss ein Fahrzeug sofort bereit stehen, ohne erst gestartet zu werden.

Was hat die Feuerwehr für ein Problem mit Zuschauern?

Gaffer, die sich viel zu nah am Einsatzgeschehen bewegen und dabei noch Aufnahmen mit dem Handy machen, stehen nicht nur für eine besondere Form der Geschmacklosigkeit, sondern sind den Einsatzkräften oft einfach im Weg. Wenn die Feuerwehr gerufen wird, baut sie nach einstudierten Abläufen ihren Einsatzapparat auf. Dafür braucht sie Platz, dessen Absperrung allerdings erst in einem späteren Schritt folgen kann. Bisweilen wird aber selbst Flatterband missachtet - sei es von Schaulustigen, sei es von Leuten, die einen Umweg scheuen und sich lieber den direkten Weg durch den Gefahrenbereich bahnen. Die Feuerwehr kann Platzverweise aussprechen und würde bei Bedarf die Polizei hinzuziehen. Aber lieber würde sie sich voll auf ihre eigentliche Einsatzaufgabe konzentrieren. „Solche Begegnungen lösen einfach zusätzlichen Stress aus“, erklärt Wehrführer Hendrik zur Weihen. Besonders schlimm sei das Hupen und Bremsenquietschen, das sich schnell beim Gafferstau an Autobahnunfällen ergibt. „Sie hören das und wissen gar nicht, woher dieses Geräusch kommt.“

Wer haftet für Schäden der Einsätze?

Leben zu retten hat für die Feuerwehr und den Rettungsdienst oberste Priorität. Dabei kann es auch zu Sachschäden kommen. Die Feuerwehr hat dafür eine Versicherung - und hilft Bürgern bei der Kontaktaufnahme. „Wenn wir zum Beispiel eine Tür öffnen mussten, lassen wir einen Zettel da, der darüber informiert, was nun die nächsten Schritte sein sollten und wie man uns erreichen kann“, so Wachenleiter Olaf Weischenberg.

Rettet uns, aber seid bitte nicht zu laut dabei!

Wenn Gefahren drohen, fährt die Feuerwehr lieber vorsorglich das „große Besteck“ auf, als nur einmal nicht das richtige Einsatzmittel zur Hand zu haben. Dieses Bild entstand 2017, als im Jobcenter am Bahnhof ein weißes Pulver verstreut wurde, das sich später als Kochsalz erwies. © Michael Neumann

Wie bringe ich meine Kritik an?

„Der Mann in der gelben Weste ist der Einsatzleiter“, benennt Olaf Weischenberg einen ersten Ansprechpartner der Feuerwehr vor Ort. Ihn könne man direkt ansprechen, wenn er nicht gerade durch den Einsatz gebunden ist. Für eine spätere Kontaktaufnahme hat die Feuerwehr einen eigenen Bereich auf ihrer Internetseite angelegt.

Bürgerhilfe: Richtig parken, Einsätze vermeiden

Lassen sich viele kritische Kommentare von Bürgern oft sehr schnell sachlich entkräften, so gibt es doch auch Gründe für die Feuerwehr, sich über das Verhalten von Bürgern zu ärgern. Einer dieser Gründe ist immer wieder eine zugeparkte Straße. Die Feuerwehr bestellt ihre Einsatzfahrzeuge bewusst schon auf möglichst schmalen Fahrgestellen ab 2,10 Meter Breite. Und doch kommt es immer wieder vor, dass sie auf der Anfahrt Probleme bekommt, weil Straßen zugeparkt sind. Umwege oder ein Wegschleppen des entsprechenden Fahrzeuges kosten Zeit.

Manch ein Einsatz, zu dem die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn ausrückt, erweist sich zudem als Bagatelle, die der Bürger auch selbst lösen könnte. „Es spricht nichts dagegen, einen Fünf-Kilo-Ast selbst von der Straße zu ziehen oder auf einen Mülltonnenbrand eine Gießkanne Wasser zu schütten“, sagt Olaf Weischenberg - vorausgesetzt natürlich, eine Selbstgefährdung ist ausgeschlossen.

Manchmal dürften sich die Einsatzkräfte auch wünschen, der Mensch ginge mit Feuer sorgsamer um. Direkt an einer trockenen Hecke mit der offenen Flamme Unkraut zu bekämpfen, hat der Feuerwehr schon viele Einsätze gebracht, die eigentlich nicht hätten sein müssen.

Legendär ist auch der Fall, in dem sich ein Mann über die Feuerwehrkräfte in seinem Hausflur beschwert hat, weil der Rauchmelder seines Nachbarn doch schon seit drei Stunden piepe - ohne dass der Wüterich darauf reagiert hätte.

Mitmachen

Die Feuerwehr ihre Arbeit erledigen zu lassen, ist hilfreich. Noch wirksamer ist es, bei ihr mitzumachen. „Wer sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagieren will, kann sich jederzeit an seine örtliche Löschgruppe wenden“, so Weischenberg.

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