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Postdiebstahl im großen Stil: Unnaer unter Tausenden von Geschädigten

dzPolizei ermittelt

Ein Fall von Postdiebstahl im großen Stil zieht Kreise bis nach Unna. Mehrere Tausend Sendungen sind von kriminellen Post-Subunternehmern beiseite geschafft worden. Die Ermittlungen werden vermutlich noch länger dauern.

Unna

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Vier Briefe hatte der Unnaer Klaus T. (Name von der Redaktion geändert) im vergangenen Jahr an unterschiedliche Adressaten in Berlin, Bayern, Thüringen und Rheinland-Pfalz geschickt. Alle vier sind nicht angekommen. Von zwei der Sendungen weiß T. inzwischen, warum: Die Polizei im Hochsauerlandkreis hat sie gefunden.

Vor einigen Wochen fasste die Polizei eine Gruppe von Postdieben im Sauerland.

Zeugen wiesen den Beamten den Weg zu einem Müllcontainer, in dem Säcke voller aufgerissener Postsendungen lagen, und zu einer Wohnung in Sundern. Dort stießen die Beamten auf sechs Männer zwischen 18 und 32 Jahren, von denen fünf ihren Wohnsitz in Berlin hatten, einer in Oldenburg. In der Wohnung fanden die Ermittler, was die Postdiebe offenbar aus den gestohlenen und geöffneten Briefen und Päckchen herausgefischt hatten: über 20.000 Euro Bargeld, Tickets, Smartphones und andere elektronische Geräte, Gutscheine und Schmuck. Außerdem stellten die Polizisten weitere Müllsäcke mit leeren Briefen sicher.

Mehrere Tausend Geschädigte

Aufgrund der Zahl der gefundenen Sendungen geht die Polizei von mehreren Tausend Geschädigten aus. Der Unnaer T. ist einer von ihnen. Er erhielt Post von der Polizei, je ein Schreiben zu zwei entdeckten Briefsendungen. Die Polizei Meschede weist darauf hin, dass „aus verfahrensrechtlichen Gründen“ für jede Postsendung gesondert ein solches Verfahren in Gang gesetzt wird. T. wird aufgefordert, Strafantrag zu stellen gegen die sechs Männer und Details zu seinen nicht zugestellten Briefen anzugeben. Tausende in ganz Deutschland werden mit solchen Schreiben kontaktiert, um Beweise gegen die Postdiebe zu sammeln. Ende Februar hatte die HSK-Polizei den Fall öffentlich gemacht. Das ganze Verfahren ist noch immer nicht abgeschlossen, wie die Behörde in Meschede auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt.

Für Geschädigte wie T. ist der Fall auch noch mit Unsicherheiten verbunden. So fragt er sich, was aus den zwei weiteren Briefen geworden ist, die ihre Empfänger nicht erreicht haben. Denkbar ist, dass diese noch von der Polizei ausgewertet werden, von den Tätern vernichtet wurden oder auf anderem Weg verloren gegangen sind.

Verdächtige waren Post-Subunternehmer

Die Polizei hatte berichtet, die sechs Verdächtigen hätten als Subunternehmer der Post gearbeitet. Diebstahlsopfer T. spekuliert, dass sie unter anderem in Unna Briefkästen geleert haben. Ob sie tatsächlich auch dort zugeschlagen haben, lässt sich bisher nicht nachvollziehen. Die Polizei geht davon aus, dass die Männer für den Posttransport zwischen verschiedenen Verteilerzentren der Post eingesetzt waren. Der Tatzeitrum liegt zwischen Ende November und Anfang Dezember 2018.

„Vor krimineller Energie nie geschützt“

T. fragt sich, mit was für Unternehmen die Post zusammenarbeitet. Postsprecher Rainer Ernzer erklärt, von Servicepartnern würden polizeiliche Führungszeugnisse verlangt, und in Verträgen würde auch auf das Postgeheimnis hingewiesen. „Aber vor krimineller Energie ist man nie geschützt“, sagt Ernzer. Dass der Einsatz von Subunternehmern das Risiko krimineller Machenschaften erhöhe, „das würde ich so nicht stehen lassen“, sagt Ernzer. Er erinnert daran, dass auch Postangestellte schon als Kriminelle entlarvt wurden. Servicepartner würden vor allem für Transporte eingesetzt, erklärt Ernzer, also zum Leeren von Kästen und für Lieferfahrten zwischen verschiedenen Betriebsstätten der Post. „In der Zustellung arbeiten in der Regel nur unsere eigenen Leute.“

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