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Polizisten als Pannenhelfer auf der A1 wittern Alkohol

58-jährige Autofahrerin vor Gericht

In einer Lebenskrise trinkt eine Frau ungewöhnlich viel Alkohol. Sie fährt dennoch Auto, und aus einer Pannensituation lässt sie sich ausgerechnet von der Polizei helfen. Die Justiz hat jetzt Mitleid, bestraft die 58-Jährige aber dennoch.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 03.07.2018 / Lesedauer: 3 min
Polizisten als Pannenhelfer auf der A1 wittern Alkohol

Eine 58-Jährige wurde in Unna ein Fall für die Justiz. Sie war Auto gefahren – mit viel zu viel Alkohol im Blut. Foto: Archiv © picture alliance / dpa

Tiefe Trauer ließ eine 58-Jährige zur Weinflasche greifen. Im alkoholisierten Zustand stieg sie trotzdem ins Auto und war es dann selbst, die in Unna die Polizei verständigte. Ihre fahrlässige Trunkenheitsfahrt hatte bittere Folgen für sie.

Der Tod der Mutter ließ die Frau aus dem Sauerland in ein tiefes Loch fallen. Dennoch wollte sie am 21. März damit beginnen, die Wohnung der Verstorbenen auszuräumen. Eine schwere Aufgabe, die dadurch nicht leichter wurde, dass sie die Wohnung durchwühlt vorfand. Mitten im Chaos entdeckte sie, die an sich wenig Alkohol konsumiert, die Flasche Wein – und griff zu. Wie viel sie tatsächlich trank, war ihr gar nicht bewusst. Sie setzte sich ins Auto, um heimzufahren, geriet auf der A1 um Bereich Unna in einen Stau und plötzlich sprang ihr Wagen nicht mehr an. Helfen wollte ihr niemand, mitten auf der Autobahn stehen zu bleiben, war allerdings auch keine Option. Und der ADAC, so ihre Überlegung, würde im Stau nicht zu ihr durchkommen. Also rief sie die Polizei. Beamte rückten aus, schleppten den Pkw auf den Seitenstreifen und mutmaßten schnell, dass die Frau alkoholisiert war. Ein entsprechender Test gab ihnen Recht: Noch etwa zwei Stunden später hatte sie 1,28 Promille.

Regelrecht verzweifelt erschien die 58-Jährige, die sich in der Vergangenheit nie etwas zu Schulden kommen ließ und die ihren Führerschein freiwillig abgab, zum Prozess vor dem Amtsgericht. Ausführlich berichtete sie von ihrer Trauer und dem Schock, die Wohnung ihrer Mutter in dem Zustand vorzufinden. Auch beteuerte sie: „Es tut mir wirklich sehr leid.“ Sie sei sehr froh, dass nichts passiert sei. Zudem bat sie darum, ihre Fahrerlaubnis zurück zu erhalten. „Ich wohne auf dem Land.“

Der Vertreter der Anklage und der Richter hatten Verständnis für die Frau. Allerdings wiesen sie auch auf die Gefährlichkeit hin. Ohne Stau, so der Richter, wäre sie unter Umständen mit 130 Stundenkilometern über die Autobahn gefahren und hätte, wenn etwas passiert wäre, nicht mehr reagieren können. „Dann wären vielleicht Sie und viele anderen Menschen tot gewesen“, so der Richter. Letztlich konnten ihr weitere fünf Monate Sperrfrist zur Neuerteilung der Fahrerlaubnis nicht erspart werden. Hinzu kamen 200 Euro Geldstrafe. Zum Abschied bewies der Richter Herz: „Mein herzliches Beileid.“

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