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Nur eine statt der üblichen drei Fahrspuren stand Autofahrern auf der B1, die aus Holzwickede nach Unna fuhren, am Dienstagmittag zur Verfügung. Der Grund: Eine Drogen-Schwerpunktkontrolle.

Unna

, 12.02.2019 / Lesedauer: 5 min

„Heutzutage passiert so viel auf den Straßen, da finde ich solche Kontrollen richtig gut.“ - Der Mann, der das sagt, ist gerade selbst kontrolliert worden: Arnold Weber, 25 Jahre alt, ist am Dienstagvormittag auf der B1 unterwegs, als ihn ein Polizeibeamter rauswinkt und bittet, auf den Parkplatz der Rettungswache an der Florianstraße zu fahren. 22 Polizisten sind im Einsatz: Drogen-Schwerpunktkontrolle.

„Haben Sie Alkohol getrunken oder Drogen genommen?“ - Diese Frage ist Standard an diesem Vormittag. Auch Arnold Weber bekommt sie gestellt - und verneint. Dass er als junger Mann durchaus gut in ein gewisses Muster passt, das auf viele Fahrzeugführer zutrifft, die unter Drogeneinfluss unterwegs sind, scheint ihm bewusst. Gestört durch die Kontrolle fühlt er sich aber nicht, im Gegenteil. „Das ist wichtig, dass die Polizei das macht. So viele Leute fahren Auto, nachdem sie getrunken oder Drogen genommen haben. Das ist einfach gefährlich.“ Nach einem kurzen Gespräch und der Kontrolle seines Führerscheins und der Fahrzeugpapiere darf Weber weiterfahren.

Drei positive Drogen-Urintests binnen einer Stunde

Doch längst nicht für alle Fahrer geht die Fahrt an diesem Tag weiter. Um 10 Uhr haben die 22 Beamten ihre Kontrolle begonnen, eine Stunde später zieht Polizeihauptkommissar Dino Tönnies von der Direktion Verkehr ein ernüchterndes Fazit: „Wir haben jetzt schon drei Fälle, bei denen der Urintest positiv war und die jetzt zur Blutprobe mit auf die Wache kommen.“

„Heutzutage passiert so viel auf den Straßen, da finde ich solche Kontrollen richtig gut.“
Arnold Weber, 25 Jahre, Autofahrer

Für Tönnies ist das Bestätigung, dass solche Schwerpunktkontrollen dringend notwendig sind. „Drogen im Straßenverkehr sind gerade ein sehr, sehr großes Thema“, sagt er und nennt eine andere Kontrollmaßnahme vor wenigen Wochen als Beispiel: „Da haben wir innerhalb von vier Stunden zehn positive Proben gehabt - und das alles an nur einem Kontrollpunkt. Wenn man dann mal hochrechnet, wie viele Menschen zur selben Zeit kreisweit auch unter Drogen unterwegs sind, wird einem bewusst, dass wir da dringend etwas machen müssen.“

Die Schwerpunktkontrolle am Dienstag soll daher gleich zwei Zwecke erfüllen: Zum einen sollen junge Polizeikollegen, die im Wach- und Wechseldienst arbeiten, darin geschult werden, mögliche Drogensünder hinter dem Steuer zu erkennen. „Die Kollegen nehmen am häufigsten Verkehrsunfälle auf, da hat es Sinn, dass sie auch einen Blick dafür bekommen, ob jemand unter Drogeneinfluss unterwegs ist“, erklärt Tönnies.

Polizei kontrolliert in Unna fast 100 Fahrer auf Drogenverstöße am Steuer

Erfahrene Kollegen wie Carsten Ambrosi (links), der seit 25 Jahren Polizeibeamter ist, geben im Rahmen solcher Schwerpunktkontrollen ihr Wissen an junge Kollegen wie Alina Hönsch weiter. Die 23-Jährige ist seit September 2018 Polizeikommissarin. © Marcel Drawe

Für Alina Hönsch bedeutet das die Gelegenheit, von der Erfahrung derjenigen Kollegen zu profitieren, die in jahrelanger Berufspraxis ein Gespür dafür entwickelt haben, wer möglicherweise nach dem Konsum von Drogen Auto fährt. Die 23-jährige Polizeikommissarin hat im vergangenen September ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeitet aktuell auf der Wache in Werne. „Dass ich heute hier dabei sein kann, ist klasse. Ich nehme daraus sehr viel mit“, sagt sie.

Zusammen mit ihrem Kollegen Carsten Ambrosi hat sie gerade einen Kastenwagen kontrolliert. Dessen Fahrer zeigt sich kooperativ. „Da merkte man von Beginn an, dass er nichts zu verbergen hat“, sagt Hönsch. „Man spürt es meistens schon, wenn die Fahrer aussteigen, ob sie Drogen konsumiert haben oder nicht“, ergänzt Ambrosi. Der Kastenwagenfahrer darf weiter fahren - nachdem er ein Bußgeld bezahlt hat, weil er kein Warndreieck dabei hatte.

Drogen und Wirkung


Gefährlicher Einfluss auf den Straßenverkehr

  • Amphetamine sind synthetische, chemische Verbindungen, die eine aufputschende Wirkung haben. In der Medizin werden sie häufig zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) genutzt. Amphetamine wirken stimulierend und in höheren Dosen euphorisierend. Oft gehen auch ein vermindertes Schmerzempfinden und eine erhöhte Risikobereitschaft mit ihrer Wirkung einher. In Deutschland werden der Handel und der Besitz ohne Erlaubnis strafrechtlich verfolgt. Im Urin sind Amphetamine 24 Stunden nach Konsum nachweisbar, manchmal auch bis zu vier Tage.
  • Cannabis, umgangssprachlich auch als Gras, Marihuana oder Haschisch bekannt, hat eine berauschende Wirkung. Die Folgen des Konsums sind je nach körperlicher Verfassung des Konsumenten sehr unterschiedlich: Bewusstseinsverschiebung und die Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses können ebenso dazu gehören wie gerötete Augen, ein gesenkter Blutdruck und Müdigkeit. Der Besitz und die Weitergabe von Cannabis sind in Deutschland verboten. Im Urin ist Cannabis zwei bis vier Tage nach dem Konsum nachweisbar.

„So etwas haben wir natürlich auch bei einer Schwerpunktkontrolle im Blick“, sagt Polizeihauptkommissar Dino Tönnies. „Wir schauen auf den Zustand der Reifen, des gesamten Fahrzeuges und ob alles dabei ist, was ein Autofahrer dabei haben sollte.“ Im Falle eines jungen Mannes ist das an diesem Tag seine Brille: Laut Eintragung im Führerschein soll er sie beim Fahren tragen - tut er aber nicht, als er von den Beamten kontrolliert wird. Die Folge: ein ungeplanter Aufenthalt auf dem Parkplatz der Rettungswache, bis ein Kumpel die Brille vorbeibringt.

Dass die Beamten ausgerechnet an der Rettungswache ihre Kontrolle durchführen, hat einen simplen Grund: Hier gibt es Toiletten. Die sind keinesfalls für die Beamten selbst gedacht, sondern für diejenigen, die im Rahmen der Kontrolle zu einem Urintest gebeten werden. „Wenn wir den begründeten Verdacht haben, dass jemand unter Drogeneinfluss fährt, bitten wir ihn, einen Urintest zu machen“, erklärt Tönnies. Nach welchen Kriterien die Beamten dabei vorgehen, verrät er sinnigerweise nicht, nur so viel: „Das erkennt man meistens sehr gut. Jemand, der Amphetamine genommen hat, ist aufgedreht, redet hektisch. Umgekehrt wirkt jemand, der gekifft hat, sehr entspannt und geradezu abwesend.“

Polizei kontrolliert in Unna fast 100 Fahrer auf Drogenverstöße am Steuer

In den Sanitärräumen der Rettungswache wird der Urintest sofort ausgewertet. Wer hier positiv getestet wird, muss zur Blutprobe mit auf die Polizeiwache. © Marcel Drawe

Der Urintest - der im Beisein eines Polizeibeamten oder einer Polizeibeamtin durchgeführt wird - gibt sofort Klarheit: Wer hier positiv getestet wird, der fährt nur noch als Beifahrer mit auf die Wache. Dort nimmt ein Arzt dann Blut ab, um die Ergebnisse genauer zu analysieren. Ein Bußgeld von bis zu 500 Euro oder ein Strafverfahren wegen Fahrens unter Drogeneinfluss kann am Ende des Prozesses stehen.

„Die meisten Menschen wissen, dass Alkohol sich in Etappen abbaut, aber wie lange Drogen noch Einfluss auf den menschlichen Körper nehmen, ist vielen nicht bewusst.“
Dirk Tönnies, Polizeihauptkommissar

Damit es gar nicht erst soweit kommt, hoffen Dino Tönnies und seine Kollegen auch auf die simple Abschreckwirkung, die ihre Kontrollen haben. Das ist der zweite Zweck ihres Tuns: „Den Menschen soll bewusst werden, dass nicht nur Alkohol am Steuer schlimm ist, sondern Drogen genauso“, erklärt Tönnies. Wer Drogen nehme, habe oft kein Gefühl dafür, wie sehr dies sein Fahrverhalten einschränke. Dabei sind Wahrnehmungsstörungen und verlängerte Reaktionszeiten keine Seltenheit. „Die meisten Menschen wissen, dass Alkohol sich in Etappen abbaut, aber wie lange Drogen noch Einfluss auf den menschlichen Körper nehmen, ist vielen nicht bewusst“, sagt Tönnies. Er nennt als Beispiel einen jungen Mann, der an diesem Dienstagvormittag positiv getestet wurde. „Nach dem Test gab er zu, am Wochenende in Holland gewesen zu sein und dort gekifft zu haben. Das konnte man heute noch in seinem Urin nachweisen.“

Polizei kontrolliert in Unna fast 100 Fahrer auf Drogenverstöße am Steuer

Auf dem Gelände der Rettungswache wurden die rausgezogenen Fahrzeuge und ihre Fahrer kontrolliert. © Marcel Drawe

So etwas wie eine „Hauptdroge“, mit der sie Autofahrer erwischen, kann Dino Tönnies nicht nennen: „Das ist sehr unterschiedlich. Kokain, Amphetamine, alles ist dabei.“ Oftmals sei auch eine Kombination anzutreffen: „Das ist das Drogen-Ping-Pong: Die Leute nehmen morgens Amphetamine, um sich aufzuputschen und über den Tag zu kommen und abends rauchen sie dann Gras, um wieder runterzukommen.“ Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass Fahrer von Paketdiensten, Außendienstmitarbeiter oder Fahrer in ähnlich stressigen Berufen für solch‘ ein Verhalten in Frage kommen. Die Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen und in dieser vor allem Männer, werde am häufigsten positiv auf Drogen im Straßenverkehr getestet, sagt Polizeihauptkommissar Dino Tönnies. Da ist jemand wie Arnold Weber eine gern gesehene Ausnahme.

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