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Parken geht in Unna auch günstig und komfortabel

Gebühren

Der Griff in die Tasche des Bürgers geht ins Leere, wenn dieser sein Geld in die andere Tasche gesteckt hat. Höhere Parkgebühren in der Innenstadt lenken den Blick auf günstige Alternativen.

08.02.2019 / Lesedauer: 4 min
Parken geht in Unna auch günstig und komfortabel

Unnas Parkhäuser sind attraktiv - nicht nur, wenn sie wie hier an der Massener Straße in Kunstprojekte eingebunden werden. Inzwischen lässt sich das Auto nämlich günstiger unter Dach abstellen als unter freiem Himmel. © Roman Grzelak

Parken ist in Unna teurer geworden - dieser Eindruck bietet sich Autofahrern, wenn sie an einem Automaten der Stadt einen Parkschein ziehen wollen. 1,50 Euro pro Stunde ist seit dem Jahreswechsel der neue Standardtarif. Vorher gab es einen Spitzensatz von 1,20 Euro pro Stunde, an vielen Stellflächen aber auch den günstigeren Tarif von 60 Cent. Je nach Standort ist das Abstellen eines Autos in der Innenstadt also entweder um 25 oder gar um 150 Prozent teurer geworden. Allerdings gilt dies nur für die Freiluftstellplätze der Stadt. Und dies sollten Autofahrer beachten.

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Denn Parken ist in Unna nur zum Teil teurer geworden. Es geht auch günstiger als am Parkscheinautomaten - und gleichzeitig besser. Mit ihren Preisaufschlägen für den ruhenden Verkehr überholt die Stadt nämlich die Betreiber von Parkhäusern und Tiefgaragen. Das Auto im Trockenen abzustellen, ist in Unna günstiger, als es am Straßenrand zu parken.

In vielen Parkhäusern kostet die Stunde nur einen Euro

Ob Schnückel, Hertinger oder Medical-Center: Oft lässt sich das Auto in Unna für einen Euro pro Stunde in die Großgarage fahren. Viele Kaufleute nehmen ihren Kunden zudem die Kosten des Parkens ab. Rewe Rauch etwa zieht bei einem Einkauf ab fünf Euro anderthalb Stunden von der Parkzeit ab. Das Fitness-Center Freestyle lässt seine Mitglieder für Training drei Stunden lang gratis Parken. Im Medical Center I am Katharinen-Hospital gibt es überdies auch ein Angebot für jedermann: 30 Minuten parken ohne Gebühr - das reicht auch für manch eine andere Besorgung im Umfeld.

Und die Betreiber der Parkhäuser zeigen derzeit keine Bestrebungen, die Lücke zwischen dem eigenen Parktarif und dem Gebührenniveau der Stadt zu schließen. Für Stefan Pollmann, den Studioleiter bei Freestyle, ist das Stellplatzangebot im „Hertinger“ eher ein Service für die Kunden als ein eigenes Geschäftsmodell. Und auch nach der geplanten Modernisierung, die in einigen Wochen anlaufen soll, sei es zurzeit nicht Ziel, die Preise fürs Parken anzuheben. Ähnlich äußert sich das Katharinen-Hospital zu den Parktarifen im Medical-Center: „Wir werden die Entwicklung beobachten“, erklärte ein Sprecher. Geplant sei derzeit nichts.

Unter Dach und Fach günstiger zu parken als im Freien, das klappt in Unna sogar in Einrichtungen der Stadt. 1,50 Euro pro Stunde Parken kassieren die Wirtschaftsbetriebe Unna lediglich im Parkhaus an der Flügelstraße. An Massener Straße, Neumarkt und Bahnhof kostet die Stunde seit der Tarifanhebung im Sommer 2017 jeweils 1,20 Euro.

Parken geht in Unna auch günstig und komfortabel

In die Parkscheinautomaten an den Freiluftstellplätzen müssen Autofahrer nun 1,50 Euro pro Stunde stecken. © Roman Grzelak

Mehr Geld verlangen für ein vielleicht schlechteres Angebot - dieser Versuch der Stadt wirkt ambitioniert. Einen echten Mangel an Parkplätzen hat Unna nämlich nicht - das stellt die Stadt selbst in ihrem Faltblatt „City-Parken in Unna“ heraus: „Rund 4.000 Parkplätze finden Sie im Unnaer Zentrum. Oberirdisch, sicher und sauber in Tiefgaragen und Parkhäusern, bewacht oder nicht: Die Besucher unseres lebendigen Stadtzentrums haben die große Auswahl.“, heißt es dort. Angesichts der jüngsten Tarifanpassung mag Otto Normalverbraucher denken: „Und das ist gut so.“

Unna will jährlich 300.000 Euro mehr kassieren

Dabei geht Unna ein gewisses Risiko ein. Die höheren Parktarife an den Freiluftstellplätzen sollen mehr Geld in die Stadtkasse bringen - und müssen es nun auch, weil der Haushaltsplan entsprechende Mehreinnahmen fest einplant. 808.000 Euro will Unna künftig jährlich mit den Parkscheinautomaten einnehmen. Das wären rund 300.000 Euro mehr als bislang.

Ob die Rechnung aufgeht, entscheiden die Autofahrer mit ihrem Parkverhalten. Eine Flucht in die Parkhäuser würde den Besuchern der Stadt nutzen und der Stadt schaden. Bislang gibt es wenig Hinweise darauf, dass dies nun geschieht. Im Parkhaus des Hertinger-Zentrums habe sich die Auslastung nicht so stark verändert, dass es gleich ins Auge springe, meint Freestyle-Chef Stefan Pollmann. Die Kunden der Gewerbetreibenden im Haus dürften einen großen Teil der Auslastung bewirken. Externe nutzen das Parkhaus vor allem an Markttagen und bei Volksfesten in der Innenstadt. Das geschieht aber unabhängig von den Tarifen der Stadt.

Das Rathaus selbst konnte bislang noch keine Zahlen liefern, die Rückschlüsse auf eine veränderte Parkplatznutzung zulassen würden. Einen einzelnen Monat auf das ganze Jahr hochzurechnen, wäre aber vielleicht auch eine eher unsichere Prognose. Auf Jahressicht hängt vieles auch einfach vom Besucheraufkommen in der Innenstadt ab. Und da 2019 ein Jahr mit Un(n)a Festa Italiana ist, mag vielleicht auch mit höheren Autozahlen zu rechnen sein.

So bleibt von der Differenz zwischen den Parktarifen unter Dach und unter freiem Himmel vor allem die Empfehlung an den Einzelnen, sich einmal bewusst damit auseinanderzusetzen, wo er Geld und Auto lässt. Selbst der Komfortgewinn beim Parken in Tiefgaragen und Parkhäusern ist subjektiv, wie Gespräche unserer Redaktion mit Nutzern zeigen. Es gibt tatsächlich auch Menschen, die einfach lieber unter freiem Himmel parken, solange es nicht wie aus Eimern gießt.

Parken geht in Unna auch günstig und komfortabel

Wo geht es nun lang? Die Wegeführung in einem Parkhaus kann verwirrend sein. © Udo Hennes

Undurchsichtige Wegeführungen, steile Rampen, eine dunkel-düstere Atmosphäre und vielleicht auch Park- und Rangierflächen, die einfach viel zu klein sind für die Autoformate von heute, können die Fahrt ins Parkhaus zur Last machen. Im Einzelfall mag es darauf ankommen, wie gut die Gegebenheiten des Bauwerks mit denen des Autofahrers zusammenpassen. Anfahren auf steilen Rampen stört den Automatik-Fahrer weniger als den Besitzer eines Wagens mit Schaltgetriebe. Und zu kleine Stellflächen sind vielleicht auch nur ein Synonym für ein zu großes Auto.

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