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Nach Unfall mit Grundschüler: Eltern und Polizei sehen großen Handlungsbedarf in Massen

dzVerkehr

Drei Tage nach dem Unfall an der Bismarckstraße in Massen, bei dem ein sechsjähriger Grundschüler von einem Auto erfasst wurde, geht es dem Jungen besser. Unterdessen werden immer mehr Stimmen laut, die eine schnelle Verbesserung der Verkehrssituatin fordern.

Massen

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der sechsjährige Junge, der beim Queren der Bismarckstraße am Freitagnachmittag von einem Auto erfasst wurde, befindet sich auf dem Wege der Besserung. Noch wird er allerdings in einem Krankenhaus behandelt. Währenddessen verstärken Eltern der Grundschüler der Schillerschule ihre Bemühungen, für den Bereich der Bismarckstraße eine Fußgängerquerung zu erreichen.

Parkende Autos machen die Straße unübersichtlich

„Die Straße ist für Fußgänger unheimlich schlecht einzusehen, wenn man sie überqueren will“, sagt Patrick Schomers, der Vater des verunglückten Jungen, „am Straßenrand parken mittlerweile so viele Autos, dass die Kinder kaum sehen können, ob ihnen Gefahr durch ein heranfahrendes Auto droht.“ Auch sein Sohn habe den Gegenverkehr nicht sehen können, als er am Freitag die Straße überqueren wollte. Er wurde von dem Auto einer 30-jährigen Autofahrerin erfasst, die nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte.

„Meistens ist es ja leider so, dass immer erst etwas passieren muss, damit sich etwas tut.“
Patrick Schomer, Vater des verunglückten Jungen

Für Patrick Schomers steht außer Frage, dass an dieser Situation dringend etwas geändert werden muss. „Ein Zebrastreifen würde sicherlich helfen. Die Stadt sollte hier investieren, denn die Situation hat sich auch einfach verändert. Es sind längst viel mehr Kinder auf dieser Straße zu Fuß unterwegs.“ Schomers wohnen in dem Neubaugebiet „Große Wiese“; wie viele andere Kinder von dort gehen ihr Sohn und seine ältere Schwester den Schulweg zur Schillerschule zu Fuß. „Meistens ist es ja leider so, dass immer erst etwas passieren muss, damit sich etwas tut“, sagt Patrick Schomers, „ich hoffe, dass der Unfall unseres Sohnes jetzt dazu führt, dass Politik und Stadt erkennen, wie wichtig hier ein Zebrastreifen ist.“

Reaktionen auf Facebook

Zahlreiche Eltern kritisieren die Verkehrssituation

  • Über die Facebookseite unserer Redaktion hatten sich bereits am Wochenende zahlreiche Eltern zu dem Unfall und zu der Verkehrssituation an der Bismarckstraße gemeldet. So schrieb beispielsweise Nicole Ernst: „Alle Elterntaxis parken bei Cromberg an der Kegelbahn und heizen dann los, weil man seine Kinder bis vor die Schule fährt“, schildert sie die Situation an der Mittelstraße, die in die Bismarckstraße mündet. „Es wird Zeit, dass etwas passiert, gerade weil der Hellweg jetzt Tempo 30 hat, und die Autofahrer mit mindestens 50 dann die Mittelstraße und Bismarckstraße langheizen“, so Nicole Ernst weiter.
  • Eine andere Prioritätensetzung bei der Einrichtung von Tempo 30-Bereichen wünscht sich Jennifer Kuchenbecker, die sich ebenfalls über unsere Facebookseite zu Wort meldet: „Statt die kinderreichen Siedlungen zu entschärfen, wird die Kleistraße zur 30er-Zone erklärt. Ich persönlich habe auf andere Prio-Orte gehofft. Vielleicht würden auch Verkehrsinseln schon so manchen Heizer stoppen.“
  • Michael Ziems hat noch etwas anderes beobachtet: „Leider sind es zu 8 Prozent Anwohner, die dort lang fahren“, schreibt er auf der Facebookseite unserer Redaktion, „vor der eigenen Haustür schreien alle nach Verkehrsberuhigung und 100 Meter weiter wird aufs Gas getreten. Wenn jeder sich an das Tempo und die Regeln hält, die er vor der eigenen Tür fordert, wären solche Maßnahmen überflüssig.“

Ortsvorsteher bittet Bürgermeister um Prüfung zweier Zebrastreifen

Für Massens Ortsvorsteher Dr. Peter Kracht ist das längst klar: „Dieser Unfall bestärkt mich in der Einschätzung, dass trotz der vorhandenen 30er-Zone zwei Zebrabstreifen, auf der Mittelstraße sowie auf der Bismarckstraße, notwendig sind.“ In mehreren Gesprächen in seiner letzten Sprechstunde hätten mehrere Mütter, deren Kinder in die Schillerschule gehen, dies als dringenden Wunsch geäußert. „Ich werde diesen Wunsch am Dienstag an den Bürgermeister weitergeben und ihn um wohlwollende Prüfung bitten, denn in Tempo 30-Zonen sind nur in Ausnahmefällen Zebrastreifen erlaubt. Der Unfall zeigt aber, dass hier Eile geboten ist.“

Stadt will nach den Ferien eine neue Verkehrszählung durchführen

Stadtsprecher Christoph Ueberfeld bestätigt unterdessen, dass eine Verkehrszählung an der Bismarckstraße vor einigen Jahren ergab, dass eine Fußgängerquerungshilfe in dem dortigem Tempo 30-Bereich keine Rechtfertigung habe. Er sagt aber auch: „Eine aktuelle Einschätzung dazu kann es erst nach der Ermittlung neuer Zahlen geben. Nach den Osterferien wird die Stadt Unna dort sowohl Fußgänger als auch Fahrzeuge zählen lassen und dann diese Ergebnisse auswerten.“

Als Unfallschwerpunkt ist die Bismarckstraße bisher nicht bekannt. Die Kreispolizeibehörde Unna hat im Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis 31. März 2019 ingesamt zwei Unfälle registriert; eine Unfallflucht an einem geparkten Auto und ein missglücktes Wendemanöver. Doch Polizeisprecherin Vera Howanietz bestätigt, dass der für Massen zuständige Bezirksbeamte die Situation an der Bismarckstraße ähnlich wie die Eltern einschätzt. „Er hat bereits vor dem Unfall einen entsprechenden Bericht an die Stadtverwaltung weitergeleitet“, sagt Howanietz. Ein Zebrastreifen an der Bismarckstraße sei demnach durchaus sinnvoll - auch für die älteren Bewohner des Neubaugebietes „Große Wiese“.

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