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Katholische Bratwurst im evangelischen Brötchen: Das schmeckt nach mehr. Gemeinsam haben Hunderte Christen am Sonntag in Königsborn eine Premiere gefeiert: Unnas erstes ökumenisches Gemeindefest. Dabei zeigt sich: Protestanten und Katholiken eint schon längst vieles.

Königsborn

, 08.07.2018 / Lesedauer: 3 min

501 Jahre nach der Reformation ist nicht absehbar, dass Katholiken und Protestanten wieder eine Einheit bilden. Auf lokaler Ebene aber arbeitet und feiert man zusammen – vor allem in Königsborn.

Der Bratwurststand vor der Christuskirche, an dem sich zahlreiche Besucher nach dem Eröffnungsgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche stärkten, kann tatsächlich als gelebte Ökumene gedeutet werden. Silvia Blanck und Katharina Bußmann, beide aktiv in der Evangelischen Kirchengemeinde Königsborn, verteilten in aufgeschnittenen Brötchen die Bratwürste, die ihre „Kollegen“ am Grill nach und nach lieferten. Auf die Frage „Woher seid Ihr eigentlich?“, erfuhren sie von Christian Hillebrand und Richard Srbecky, sie seien aus der katholischen Gemeinde. So lernt man sich kennen.

Mehr als zufrieden beobachtete Pfarrer Michael Helmert von der evangelischen Gemeinde diese und viele andere Begegnungen am Sonntag zwischen der Gabelsbergerstraße und dem Kurparkrand. Das Fest sei „ein schönes Zeichen, Ökumene neu aufzubauen“. Besonders ergriffen habe ihn das Kirchenlied „Großer Gott wir loben dich“, gemeinsam gesungen von rund 350 Menschen im Gottesdienst.

Natürlich würden die beiden Kirchen nie zu einer organisatorischen Einheit zurückfinden. „Aber wir haben einen Gott, einen Glauben, eine Taufe. Wenn wir uns darauf ausrichten, sehen wir, was wir gemeinsam haben.“ Die Königsborner Frauengruppen der jeweiligen Konfessionen treffen sich schon seit Jahren regelmäßig. Sie waren sozusagen die Vorreiter für dieses Ökumenefest. Einen solchen Austausch will Helmert nun auch bei „seinen“ Männern anregen. Ein Fest in dieser Größenordnung sei sicher für nächstes Jahr nicht zu machen, aber vielleicht eine gemeinsame Veranstaltung zu Pfingsten.

Ganz praktisch müssen sich die Kirchen Gedanken machen, wie sie mit knappem hauptamtlichem Personal ihre Seelsorgearbeit angesichts großer gesellschaftlicher Herausforderungen stemmen. Auch hier liegt die Zusammenarbeit nah: Derzeit in Planung ist ein ökumenischer Besuchsdienst.

In der Arbeit vor Ort gibt es keine Konfessionsgrenzen

Christus- und Herz-Jesu-Kirche liegen nah beieinander, aber ein kleiner Fußweg entlang der Hubert-Biernat-Straße liegt doch dazwischen. Beim ökumenischen Gemeindefest folgten einige dem Aufruf, symbolische Hände – immer in zwei Farben – auf das Pflaster zu sprühen. Die Aktionskunst verband die beiden Standorte des gut besuchten Fests. © Marcel Drawe

Der katholische Pfarrer Paul Mandelkow nimmt das Heilig-Geist-Hospiz, das Engagement in der Flüchtlingshilfe oder das von verschiedenen Gruppen getragene Unnaer Bündnis gegen Rechts als Beispiele für gute Zusammenarbeit. Michael Löblein, ehrenamtlich engagiert in der katholischen Gemeinde, bestätigt: „Auf lokaler Ebene versuchen wir, das Gemeinsame zu leben.“ Und auf dieser lokalen Ebene rücken die Themen, die immer für die Trennung der beiden Kirchen stehen, in den Hintergrund. Mandelkow etwa begrüßt, dass das gemeinsame Abendmahl auch von offizieller Seite ermöglicht werde. „Aber in den Gemeinden machen das viele sowieso schon seit Jahrzehnten.“ Und Frauen im Priesteramt? Er persönlich hätte nichts dagegen, sagt Mandelkow. „Da kann aber auch jetzt keiner was dran machen. Man kann sich da stundenlang drüber ereifern. Das bringt aber niemanden weiter.“

Ähnliche Probleme und daraus folgende Strukturveränderungen erleben katholische und evangelische Gemeinden in Unna. Immer weniger Menschen gehören den jeweiligen Kirchen an, sodass es auf unterschiedlichen Ebenen Zusammenschlüsse gab. Die Herz-Jesu-Gemeinde hat rund 5000 Gemeindemitglieder. Eine eigenständige Pfarrgemeinde ist sie nicht mehr. Sie gehört zur Pfarrei St. Katharina. Langfristig sollen die Unnaer Gemeinden eine Einheit mit denen in Fröndenberg und Holzwickede bilden. In Königsborn gab es bis vor sieben Jahren noch zwei evangelische Kirchengemeinden. Die Paul-Gerhardt- und die Christuskirchengemeinde fusionierten zur Evangelischen Kirchengemeinde Unna-Königsborn. Ihr gehören aktuell rund 6700 Menschen an.
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