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Horst Höfer. Das ist der Mann, der am Rande von Stockum das wohl kleinste Bergbaumuseum der Welt betreibt. Und der Mann, der vor über 60 Jahren sofort wusste: „Die Doris heirate ich.“

Unna

, 24.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Er war sich sicher. Sofort. So sicher, dass er nach zwei Tagen bei ihren Eltern aufkreuzte und sich vorstellte - als neuer Schwiergersohn. Denn dass er seine Doris heiraten würde, das wusste Horst Höfer von dem Augenblick an, als er sie im Bus nach Unna das erste Mal traf. 61 Jahre ist das her; am Sonntag vor 60 Jahren haben die beiden „Ja“ zueinander gesagt. Und sicher sind sie sich immer noch.

Glück auf: Bei Horst und Doris Höfer war es Liebe auf den ersten Blick

Horst Höfer ist das Gesicht des kleinsten Bergbaumuseums. © Udo Hennes

Horst Höfer - diesen Namen kennt jeder in Unna. Den Betreiber des wohl kleinsten Bergbaumuseums kann man wohl zurecht als „Bergbau-Legende“ bezeichnen. Wer jemals in der „Fröhlichen Morgensonne“ in Stockum zu Besuch war, weiß: Horst Höfer erzählt nicht nur einfach vom Bergbau, er lebt Bergbau. Möglich macht das: Doris. „Unter 20 Frauen wäre keine andere gewesen, die das hier alles mitgemacht hättte“, sagt Horst Höfer über seine Ehefrau.

„Unter 20 Frauen wäre keine andere gewesen, die das hier alles mitgemacht hätte.“
Horst Höfer über seine Doris

Am zweiten Abend ging‘s sofort zusammen ins Kino

Dass er die Richtige fürs Leben gefunden hatte, wusste der damals 26-Jährige sofort, als er im Frühjahr 1958 morgens in den Bus nach Unna einstieg und Doris ihm gegenüber saß. Kurz sprachen sie miteinander, dann stiegen sie aus dem Bus und jeder ging seiner Wege. Am nächsten Morgen setzte sich Horst zu Doris. „Was meinst du, wollen wir heute abend zusammen ins Kino gehen?“ Die 17-jährige Doris wollte - musste aber irgendwie ihre Eltern in Siddinghausen informieren, dass sie später nach Hause kommen würde. „Wir hatten kein Telefon, daher habe ich in der Poststelle in Siddinghausen angerufen und sie gebeten, dass sie meinen Eltern sagen, dass ich mit einem späteren Bus nach Hause komme“, erinnert sich Doris.

Glück auf: Bei Horst und Doris Höfer war es Liebe auf den ersten Blick

Doris und Hörst Höfer in ihrer „Kuschelecke“ im Garten der „Fröhlichen Morgensonne“. © Udo Hennes

Horst war schon mit 26 Jahren für seine Frechheit berüchtigt

Das klappte - doch die Eltern machten sich Sorgen, dass ihre erst 17-jährige Tochter den doch recht langen Weg von der Bushaltestelle an der Bundesstraße bis hoch nach Siddinghausen zu so später Stunde alleine beschreiten musste. Also wartete ihr Bruder an der Bushaltestelle auf sie. Und ihm verrriet sie auf dem Nachhauseweg: „Ich war mit einem Horst Höfer im Kino.“ „Mit Horst Höfer?“, entgegnete ihr Bruder entsetzt. Der junge Horst hatte sich in und um Stockum einen Namen gemacht; frech sei er und immer kümmere er sich um die Mädchen. Doris erinnert sich: „Mir fiel ein,dass ich Horst schon einmal wahrgenommen hatte, als er in den Bus stieg und den Fahrer mit „Hallo Jupp“ begrüßte. Da dachte ich, was ist der aber frech.“

Nach vier Wochen holte er den Verlobungsring hervor

Doch Frechheit siegt: Als Doris am darauffolgenden Abend vom Bus nach Hause kam, stand der Firmenwagen von Horst schon auf dem Hof ihrer Eltern. „Da habe ich aber gestaunt.“ Horst war schon da - für ihn das Normalste der Welt. „Ich dachte mir, ich stelle mich ihren Eltern mal vor, schließlich werde ich ja der neue Schwiegersohn“, erzählt er mit einem Lachen in den Augen. Vier Wochen später war er wieder da - dieses Mal mit dem Verlobungsring. „Das ging meinen Eltern dann doch etwas zu schnell, ich war ja erst 17 Jahre“, erinnert sich Doris. Also warteten sie.

„Wir waren einfach sofort ein gutes Team.“
Doris Höfer über ihren Horst

Ihm zuliebe wagte sie ihre erste Grubenfahrt

Ein Jahr später war es soweit: Am 27. April 1959 heirateten sie auf dem Standesamt in Hemmerde; einen Tag später in der evangelischen Kirche in Hemmerde. Sie bezogen eine kleine Wohnung in Unna, renovierten sie gemeinsam bis tief in die Nacht. „Wir waren einfach sofort ein gutes Team“, findet Doris. Dass sie dank ihres Mannes nicht nur eine, sondern an die hundert Grubenfahrten machen, mit ihm durch abgelegene Bergstollen klettern und innerhalb einer Urlaubswoche 50 verschiedene Zechen besuchen würde, ahnte sie damals wohl nicht. Bereut hat sie es keine Sekunde. „Man erlebt so viele Dinge, die ich sonst nie gemacht hätte, wie beispielsweise die Grubenfahrt. Das waren Bereicherungen und oft auch einfach Abenteuer.“

Am Sonntag wird gemeinsam mit der Familie gefeiert; 65 Gäste reisen an. Und dann? Dann geht der Alltag im kleinsten Bergbaumuseum weiter; die nächsten Besucher haben sich schon angekündigt. Dass es ihnen dort langweilig wird, kann Horst und Doris Höfer nicht passieren, denn - so formuliert es Doris: „Man kommt mit Horst aus dem Staunen nicht heraus - und das ist bis heute so.“

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