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Fahrservice in Königsborn ermöglicht Besuch am Grab der Liebsten

dzAngebot der evangelischen Gemeinde

Wenn mit dem Alter die Mobilität abnimmt, dann fällt auch der Weg zum Grab der Angehörigen schwer. Damit ältere Bürger die Grabstätten ihrer Liebsten dennoch besuchen können, bietet die evangelische Gemeinde Königsborn einen besonderen Fahrdienst an.

Königsborn

, 13.07.2018 / Lesedauer: 4 min

„Da steht Frau Neumann, die schreckt auch der Regen nicht ab.“ Bernd Hillebrand kennt die ältere Dame, die an der Haltestelle wartet, schon gut. Zum dritten Mal fährt die 87-Jährige heute bei ihm mit. Hillebrand ist Busfahrer. Genau genommen ist er Bullifahrer. Er fährt den Gemeindebulli der evangelischen Gemeinde Königsborn. Jeden Dienstag und Mittwoch stehen ganz besondere Fahrten auf dem „Fahrplan“: Bernd Hillebrand und seine Kollegen fahren den Südfriedhof und den Friedhof in Afferde an. Für ältere Menschen, die selbst nicht mobil sind, ein tolles Angebot – findet Ingrid Neumann.

Die 87 Jahre sieht man Ingrid Neumann wahrlich nicht an. „Bis vor anderthalb Jahren bin ich noch mit dem E-Bike gefahren und auch schon mal zum Südfriedhof gelaufen“, erzählt sie. Aber jetzt wollen die Knie nicht mehr so, wie sie sollten. Und da kommt das Angebot der Kirchengemeinde gerade Recht. Fünf Haltstellen fährt der Gemeindebulli auf dem Weg zum Südfriedhof an; erst im Frühjahr hat die Gemeinde das Angebot ausgeweitet. „Wir testen gerade, wie gut das angenommen wird“, sagt Bernd Hillebrand,

Ingrid Neumann ist heute der einzige Fahrgast. „Das ist schade. Ich hoffe sehr, dass noch mehr Menschen dieses Angebot wahrnehmen“, sagt die Seniorin. Der Linienbus ist für die Seniorin keine Alternative. „Der fährt ja nur bis zum Anfang des Südfriedhofes. Das Grab von meinem Mann liegt aber am anderen Ende. Bis ich da bin, bin ich ja schon einen halben Kilometer gelaufen“, sagt Ingrid Neumann. Bernd Hillebrand hingegen hält dort, wo es für die Friedhofsbesucher am besten passt, meistens direkt in der Nähe des Blumengeschäfts, weil viele Mitfahrerinnen dort erst noch Pflanzen für ihren Friedhofsbesuch kaufen.

Bisher nur Frauen als Fahrgäste

In erster Linie sind es Frauen, die das Angebot der Friedhofsfahrten wahrnehmen. „Das hat verschiedene Gründe“, glaubt Bernd Hillebrand. Zum einen sei es meistens der Fall, dass der erste Ehepartner, der stirbt, der Mann sei.

Da viele Frauen der heutigen Rentnergeneration nie einen Führerschein gemacht hätten, seien sie dementsprechend auch nicht mobil. „Ganz oft ist es der Mann, der fährt. Stirbt er, sind die Frauen plötzlich nicht mehr mobil“, weiß Hillebrand. Doch er kann sich auch vorstellen, dass für alleinstehende ältere Männer die Hemmschwelle, sich von jemand anderem fahren zu lassen, viel höher ist als für Frauen in der gleichen Situation. „Männer lassen sich nicht gerne fahren, sie fahren am liebsten selbst“, schmunzelt Hillebrand.

Sechs Fahrer im Wechsel

Die Friedhofsfahrten mit dem Gemeindebulli teilen sich zur Zeit sechs Fahrer – übrigens alles Männer. Bernd Hillebrand ist seit März dabei und hat gleich bei seiner ersten Fahrt gemerkt, wie wichtig dieses Angebot für ältere Menschen ist. „Ich habe eine ältere Dame gefahren, die davon sprach, dass sie dringend jemanden sucht, der ihr im Garten hilft. Und da ich jemanden kannte, habe ich ihr das vorgeschlagen“, erzählt Hillebrand. Dies zeige, dass das Miteinander reden mindestens so wichtig sei wie das eigentliche Fahren zum Friedhof, meint Hillebrand.

Mittlerweile hat er Ingrid Neumann am Südfriedhof abgesetzt. „Ich hole nur eben Blumen und bin gleich wieder da“, sagt die ältere Dame. „Lassen Sie sich Zeit, uns hetzt keiner“, ruft Bernd Hillebrand ihr nach. Auf dem Rückweg nach Königsborn wird er noch kurz in der Innenstadt halten: Ingrid Neumann hat ihn gefragt, ob er sie dort aussteigen lassen könnte, damit sie noch ein paar Besorgungen erledigen kann. „Das mache ich natürlich. Das ist doch selbstverständlich.“

Die Friedhofsfahrten finden immer dienstags (Südfriedhof) und mittwochs (Friedhof Afferde) statt. Die „Haltestellen“ und Abfahrtszeiten sind für beide Touren gleich:

  • 9.15 Uhr Paul-Gerhardt-Kirche
  • 9.25 Uhr Bushaltestelle an der Ecke Schützenstraße/Vaersthausener Straße
  • 9.30 Uhr am Parkplatz von Drücke an der Steinstraße
  • 9.40 Uhr Gemeindehaus Brücke
  • 9.45 Uhr Tankstelle an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Parkstraße/Afferder Weg
  • Das Angebot ist kostenlos; über eine Spende für den Treibstoff freuen sich die Fahrer.
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