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Diskussionen um Investitionen in die Eissporthalle zogen sich immer wieder in die Länge

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Die Pächterfamilie Kuchnia äußerte bereits vor vier Jahren den Wunsch, die Eishalle zu kaufen – dann passierte lange Zeit nichts.

Unna

, 17.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Es liest sich wie eine endlose Geschichte des Prüfens, Abwägens und Aneinander-Vorbei-Redens, wenn man einen Blick in die Geschichte der Eissporthalle Unna wirft.

Immer wieder stand die Halle in den vergangenen Jahren zur Diskussion, immer wieder ging es um die Verlängerung des Pachtvertrags und vor allem immer wieder um die Frage: Was muss eigentlich der Pächter investieren und was der Verpächter?

Seit 2002 betreiben Uwe und Silvia Kuchnia die Eissporthalle als Pächter. Im Juni 2005 äußern sie den Wunsch, den Vertrag, der Ende 2005 ausläuft, zu verlängern – auch, um Planungssicherheit für notwendige Investitionen zu haben. Schon jetzt erledigen Kuchnias viel in Eigenleistung; streichen unter anderem das Bistro und fliesen das Foyer.

Dachsanierung 2007

Im April 2007 ergibt eine Begutachtung des Daches einen Sanierungsbedarf von 1,2 Millionen Euro – laut der Stadtverwaltung. Im Juli 2007 spricht die Stadt von 800.000 Euro, die für die Sanierung des Daches notwendig sind. 600.000 Euro davon wäre die Stadt bereit zu zahlen, 200.000 Euro müssten die Pächter übernehmen. Die aber haben andere Kosten ermittelt und sprechen von 350.000 Euro, mit denen sich das Dach dank einer Spezialfolie aus Kanada sanieren ließe.

Es kommt zu einem Disput: Der damalige Stadtkämmerer Karl-Gustav Mölle droht, dass die Sanierung des Daches nicht ausgeschrieben würde, wenn Kuchnias nicht ihren Anteil von 200.000 Euro daran verbindlich zusagen. Mehr als die 600.000 Euro, die ohnehin eine freiwillige Leistung der Stadt seien, könne die Stadtverwaltung nicht dazu geben.

Ende Juli 2007 steht eine Vereinbarung: Die Stadt übernimmt bis zu 600.000 Euro der Dachsanierung und Kuchnias versuchen, einzelne Facharbeiten durch preisgünstige Firmen vor Ort erledigen zu lassen. Zusätzlich sollen die Eissportvereine Spenden einwerben. Ende August deutet sich an: Der Einbau der Spezialfolie unter dem Dach lässt die Kosten für die Sanierung auf 470.000 Euro sinken.

Im September ist klar: Die Gesamtkosten für die Dachsanierung liegen dank der Alu-Unterdecke aus Folie nun bei 376.000 Euro, von denen die Pächter 25 Prozent tragen. Die Pächterfamilie erlebt im Sommer 2009 einen herben Rückschlag: Ein psychisch kranker Mann legt an der Eishalle Feuer. Das erst drei Jahre zuvor renovierte Restaurant wird zerstört; geschätzter Schaden: 250.000 Euro.

Im Juli 2011 wird der städtische Zuschuss für den Eissport erhöht. Die Alternative wäre mit dem Aus der Eishalle gleichzusetzen. Bürgermeister Werner Kolter sagt in diesem Kontext: „Es war damals für die Stadt ja auch eine günstige Regelung, die Eishalle an einen Privatbetreiber zu geben“ und spricht von einer „erheblichen Einsparung für den städtischen Haushalt“, die sich durch dieses Modell ergebe.

Investitionsstau 2014

Der Juli 2014 bringt einen Investitionsstau in der Eissporthalle auf die politische Tagesordnung: Laut Stadt müssen die Toiletten, Umkleiden, die Belüftung, die Fenster und einige Türen saniert werden. Und offenbar gibt es Klärungsbedarf, wer wofür zuständig ist. Laut dem Pachtvertrag liegt die Zuständigkeit für den baulichen Zustand beim Pächter. Doch Uwe Kuchnia weist damals auch daraufhin: „Wir sind ja nur Pächter mit einem befristeten Vertrag. Da müssen wir der Stadt keine neue Halle hinsetzen.“

Im September 2014 prüft die WBU noch immer die technischen Investitionsbedarfe, gleichzeitig aber auch Alternativen wie einen Weiterverkauf der Halle oder einen Abriss. Silvia Kuchnia sagt öffentlich: „Wenn ihr verkaufen wollt, kaufen wir die Halle.“

Von 223.000 Euro an „Unterhaltungsaufwendungen“, die bis 2020 in die Halle investiert werden müssten, spricht die WBU im Oktober 2014 – zu zahlen von dem Pächter. Nach 2020 sieht die WBU einen langfristigen Investitionsbedarf von rund 1,8 Millionen Euro. Im November zweifeln Kuchnias diese Zahlen an und wollen eigene Experten zu der Sache um Rat fragen.

Ein angekündigter „Eisgipfel“, um die Lage zu klären, findet 2014 nicht mehr statt. Erst im Juni 2015 gibt es einen Termin für das Gespräch zwischen allen Beteiligten. Dies auch, so Bürgermeister Kolter damals, „um bereits weit vor dem Jahr 2020 eine faire und öffentliche Diskussion zu führen“. Danach herrscht Stillstand. Die bei dem Eisgipfel entstandene Idee, die Eishallen in der näheren Umgebung zu besichtigen, um sich ein Bild von deren Betreibermodellen zu machen, scheint im Februar 2016 verworfen.

Verkaufsvorbereitungen

Ende 2016 prüfen Kuchnias den Kauf der Eishalle. Der Aufsichtsrat der WBU soll dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber stehen. Die Idee: Kuchnias erwerben die Halle für einen symbolischen Preis und treten für das Grundstück in einen Erbpachtvertrag mit der WBU ein.

Im Juli 2017 scheinen die Vertragsverhandlungen zu einem Verkauf gut voranzuschreiten: Der Energieverbund der Eissporthalle mit der Schwimmsporthalle wird aufgelöst; die Anlagen arbeiten nun separat.

Durch einen Ratsbeschluss Ende April können Kuchnias die Halle kaufen – allerdings nur, wenn sie 1,5 Millionen Euro für die anstehenden Investitionen nachweisen. Dies können sie nicht – der Kauf der Eishalle ist damit für sie erledigt.

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