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Im Kampf gegen den Fluglärm geht es nicht ums gewinnen. Es geht darum, nicht noch mehr zu verlieren. Ursula Wirtz hat diesem Kampf trotzdem ihr halbes Leben gewidmet. Nun zieht sie sich zurück.

Unna

, 22.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Nach 29 Jahren ist für Ursula Wirtz Schluss. Diesmal wirklich! Ihre Abschiedsrede steht schon auf der Tagesordnung für die Jahreshauptversammlung der Schutzgemeinschaft Fluglärm. Und niemand solle ihr mit dem Versuch kommen, sie noch einmal überreden zu wollen. „Irgendwann muss doch mal Schluss sein“, sagt die bald 77-Jährige. Der Wechsel wird kommen.

Es ist mehr als eine Personalie im Vorstand einer Bürgerinitiative. Ursula Wirtz war die Personifizierung des Kampfes gegen Nachtflug- und Ausbaupläne am Dortmunder Flughafen. Kämpferisch und kompetent erwies sie sich für das Management der Flughafengesellschaft als äußerst unangenehme Gegnerin. In den 29 Jahren, in denen Ursula Wirtz Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Fluglärm war, hatte der Flughafen fünf Geschäftsführer. Ihr Wissen um wirtschaftliche und rechtliche Belange der Luftverkehrsbranche hätte ihr vermutlich jederzeit einen Job darin einbringen können. Allerdings war Ursula Wirtz eine Überzeugungstäterin, wenn es darum ging, dem Flughafen bei allen Expansionsplänen Steine in den Weg zu legen. Wenn Familie Wirtz eine Reise unternimmt, ist das Reisemittel bevorzugt die Bahn. Den Flughafen in Dortmund beschreibt Ursula Wirtz nicht nur als Ärgernis, sondern auch als überflüssig.

„Die Sportflugzeuge damals nervten auch, aber anders. Sie flogen nicht an Heiligabend oder um 6 Uhr.“
Ursula Wirtz

Fluglärmbewegung schon seit 1968

Der Weg in die Lärmschutzbewegung begann für Ursula Wirtz mit der persönlichen Betroffenheit. Eine Bürgerbewegung gegen den Flughafen formierte sich bereits 1968. Als Keimzelle galt die Massener Friedenskirche. Damals starteten im Westen von Massen kleine Sportflugzeuge. „Die nervten auch, aber anders“, blickt Ursula Wirtz zurück. „Sie flogen zwar überall herum und auch bei uns über dem Garten, aber nicht an Heiligabend oder morgens um 6 Uhr.“ Insofern spricht sie den Begründern der Bewegung Weitsicht aus. Als sie selbst aktiv wurde, waren die Auswirkungen des Flughafens in der Nachbarschaft schon wesentlich klarer ersichtlich.

Ursula Wirtz wurde 1984 erstmals in den Vorstand der Bürgerinitiative gewählt. 1990 übernahm sie den ersten Vorsitz. „Für mich war es eine günstige Zeit. Die beiden Töchter waren gerade flügge geworden. Manche Mütter fallen dann in eine Depression und müssen sich erst einmal sortieren. Mir hat sich so eine Frage gar nicht gestellt.“ Dafür, so räumt sie ein, falle es ihr heute etwas schwer, sich vorzustellen, wie ihr Leben nach dem Vorsitz in der SGF aussehen wird.

„Kossack hat uns die Verdopplung der Mitgliederzahlen beschert, als er mit seiner 2800-Meter-Bahn kam.“
Ursula Wirtz

Die Führung der Schutzgemeinschaft Fluglärm ist ein Ehrenamt in Vollzeit. Als der Flughafen erstmals Pläne für eine 2.800-Meter-Startbahn vorlegte, verdoppelten sich die Mitgliederzahlen. Aktuell gehören der Schutzgemeinschaft Fluglärm rund 1.200 Menschen an. Ihre Mitgliedsbeiträge geben dem Verein auch die nötige Finanzkraft, um juristisch gegen den Flughafen beziehungsweise die Genehmigungsbehörden vorzugehen. Fluglärmgegner zu sein, das ist vor allein ein zäher Kampf auf der Ebene der Verwaltungsgerichte. Und Ursula Wirtz zeigte diese Zähigkeit.

Die größte Leistung: „Bremsfunktion beweisen“

Am Ende war der Kampf aber auch für sie einer, der gar nicht zu gewinnen ist. „Von mir aus könnte man den ganzen Saftladen zumachen“, meint die bald 77-Jährige. Und doch ist ihr klar, dass es dazu nicht kommen wird. Der Flughafen wird bleiben - und sein bislang aufgelaufenes Betriebskostendefizit von 350 Millionen Euro weiter ausbauen. Und doch dürfe die SGF ihren Kampf nicht aufgeben - gerade wegen der fortwährend neuen Anläufe des Flughafens. „Die Bremsfunktion bewiesen zu haben“ nennt Wirtz daher auch als eine ihrer wichtigsten Errungenschaften in 29 Jahren an der Spitze der Schutzgemeinschaft. Drei Jahre habe das Wohnumfeld in Unna und Dortmund allein durch das Klageverfahren gegen die Nachtflugfreigabe durch die Bezirksregierung Münster gewonnen. „Mit der berühmten Salamitaktik ist es dem Flughafen immer wieder gelungen, seine Interessen gegenüber denen der Bevölkerung durchzusetzen. Doch ohne unseren Einsatz hätte er sich sehr viel dickere Scheibchen abschneiden können“, so Wirtz.

Versammlung

Schutzgemeinschaft sucht neue Führungskräfte

Zur Jahreshauptversammlung lädt die Schutzgemeinschaft Fluglärm für den 7. Mai in das Melanchthonhaus der Massener Friedenskirche, Kleistraße 8. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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