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Die Uhr der Stadtkirche Unna läuft bald wieder

Erster Glockenschlag am 1. Juli

Fünf Monate lang war es still. Seitdem Sturm „Friederike“ am 18. Januar für den Sturz einer Fiale vom Turm der Stadtkirche gesorgt hatte, stand an der Kirche buchstäblich die Zeit still. Die Kirchturm wurde ausgeschaltet und damit auch das Glockengeläut. Das ändert sich am 1. Juli.

Unna

, 27.06.2018 / Lesedauer: 3 min
Die Uhr der Stadtkirche Unna läuft bald wieder

Kurz vor drei Uhr statt fünf nach vier: Am Dienstag bewegten sich die Zeiger der Stadtkirchen-Uhr erstmals wieder seit Sturm „Friederike“.

Um kurz nach elf war es plötzlich zehn vor drei. Und das, obwohl es vorher fünf Monate lang fünf nach vier war. Solche Zahlenspiele sind zur Zeit an der Stadtkirche möglich. Im Kirchturm laufen die Vorbereitungen für Sonntag: Denn um Punkt zwölf Uhr mittags sollen an diesem Tag die Kirchenglocken wieder läuten. Seit Sturm „Friederike“ im Januar schwiegen sie – jetzt soll ihr Klang den Unnaern signalisieren: Es geht mit der Stadtkirche voran.

Der Mann, der die Zahlenspiele an der Kirchturm am Dienstag zu verantworten hat, heißt Josef Fritsche. Mit Fingerspitzengefühl und einem genauen Auge hantiert der Küster an dem Uhrwerk hoch oben im Kirchturm. „Man muss auf die Finger aufpassen“, weiß er. Das komplizierte Uhrwerk ist fast 120 Jahre alt.

Als „Friederike“ am 18. Januar über Unna tobte und dabei auch eine der tonnenschweren Fialen vom Turm riss, stellten die Kirchenverantwortlichen das Uhrwerk sicherheitshalber aus. „Das Glockengeläut sorgt für starke Erschütterungen und das war in der Situation einfach zu gefährlich“, erklärt Dietrich Schneider, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Unna.

Theoretisch hätten die Zeiger der Uhr weiterlaufen können, doch man entschied sich spontan, auch sie abzustellen. „Das hat ja auch einen gewissen Symbol-Charakter: Die Zeit an der Stadtkirche ist mit dem Fialen-Sturz stehen geblieben“, sagt Schneider. Und so stand die Uhr seit dem Sturmtag auf fünf Minuten nach vier.

Besuch der Präses

Jetzt aber soll die Zeit auch für die Stadtkirche weiterlaufen: Die Bauarbeiten am durch die eingeschlagene Fiale teilweise eingestürzten Gewölbe laufen auf Hochtouren und die Schäden an der Fassade werden begutachtet. Mit der Inbetriebnahme der Uhr möchte die Kirchengemeinde ein sichtbares Zeichen geben: Die Stadtkirche ist nicht aufgegeben, es geht weiter.

Als Anlass für den ersten Glockenschlag nach über fünf Monaten dient der Besuch von Präses Annette Kurschus im Rahmen der landeskirchlichen Visitation am kommenden Sonntag, 1. Juli. „Der Gottesdienst an diesem Tag wird draußen vor dem Bauzaun gefeiert, bevor um kurz vor zwölf die Präses ein paar Worte sagen wird“, erzählt Dietrich Schneider. Nach dem Grußwort von Kurschus und mit einem musikalischen Gruß der Turmbläser vom Turm werden sich die Augen (und Ohren) gespannt nach oben richten. Klappt alles, dann sollen um Punkt zwölf Uhr die Glocken läuten.

Testlauf für die Glocken

Die werden in diesem Jahr auch noch 100 Jahre alt, wie Küster Josef Fritsche während der Vorbereitungsarbeiten für Sonntag feststellte. Die alten Glocken wurden 1917 im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Ab 1918 läuteten dann neue Glocken in der Stadtkirche – und 100 Jahre später werden sie am Sonntag wieder erklingen.

Bis es soweit ist, könnten die Unnaer allerdings schon zwischendurch den ein oder anderen Glockenklang hören. So auch am Dienstag, als Josef Fritsche das Uhrwerk erstmals wieder aufzog. „Wir müssen ja schließlich testen, ob auch wirklich alles klappt. Es könnte sich ja auch etwas verhakt haben“, so der Küster.

Zumindest die Zeiger der Uhr haben einen ersten Testlauf schon erfolgreich hinter sich gebracht. Als Josef Fritsche um kurz nach elf Uhr am Dienstagvormittag seines Amtes waltete, setzte sich das Uhrwerk mechanisch präzise in Gang – und der aufmerksame Spaziergänger wird beim Blick nach oben festgestellt haben, dass es nicht mehr fünf nach vier ist.

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