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Schalkes Weston McKennie ist ein Toptalent. Der 19-Jährige hat in der vergangenen Saison den Sprung in die Bundesliga geschafft. Uns verrät er, worauf es ankommt, um als Profi Fuß zu fassen.

Gelsenkirchen

, 20.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem 20. Mai 2017?

Das war ein besonderer Tag für mich, mein Bundesligadebüt in Ingolstadt. Ich bekam die Info, dass ich zum Profikader gehören würde und konnte das zunächst gar nicht glauben. Dann rief ich sofort meine Familie in den USA an, weil ich so aufgeregt war. Sie haben sich natürlich mit mir gefreut.

Hatten Sie mit Ihrem Einsatz gerechnet?

Überhaupt nicht. Ich war völlig perplex, als ich nach 77 Minuten eingewechselt wurde. Es stand 1:1, Benjamin Stambouli hatte die Rote Karte gesehen. Ich hatte eigentlich mit der Einwechslung von Klaas-Jan Huntelaar gerechnet. Aber es kam anders, und ich war voller Adrenalin. Nach den ersten Ballkontakten legte sich dann meine Nervosität.

Und danach?

War alles gut. Ich konnte ruhig schlafen und war glücklich über meine ersten Bundesligaminuten.

Schalkes McKennie: „Die anderen Vereine werden mich mehr auf der Rechnung haben“

Zum ersten Mal für Schalke im Einsatz: Weston McKennie bei seinem Bundesliga-Debüt am 20. Mai 2017. © imago

Sind Bundesligaspiele mittlerweile Routine für Sie?

Auf keinen Fall. Ich bin vor jedem Spiel etwas aufgeregt, egal, ob es sich um Spiele in der Bundesliga, im Pokal oder bald in der Champions League handelt. Ich denke, das muss aber auch so sein, sonst würde jedem Profisportler etwas fehlen.



Oft gilt der Satz, dass das zweite Profijahr für junge Spieler besonders schwierig wird.

Das könnte auch für mich zutreffen. Die anderen Vereine werden mich jetzt mehr auf der Rechnung haben. Sie wissen jetzt, was ich kann. Aber ich mache mich nicht verrückt und werde weiterhin hart arbeiten.

Um was zu erreichen?

Ich wünsche mir, dass ich so viele Einsatzzeiten wie möglich bekomme und vielleicht auch mal ein Tor für Schalke in der Bundesliga schieße. Das ist mir bisher leider noch nicht gelungen.

Wie beurteilt Trainer Domenico Tedesco Ihre Entwicklung?

Wir sprechen viel. Er gibt mir ständig Tipps und sagt mir, was ich noch besser machen kann. Auch zu A-Jugendtrainer Norbert Elgert besteht Kontakt. Ihm habe ich sehr viel zu verdanken. Ich hoffe, dass Domenico Tedesco und Norbert Elgert mit meiner Entwicklung zufrieden sind.


Haben Ihre Eltern Sie auch schon einmal live in der Bundesliga spielen sehen?

Zweimal. Einmal gegen Hamburg und dann beim legendären 4:4 in Dortmund. Nach dem 0:4-Rückstand waren sie sehr niedergeschlagen, doch als uns noch der Ausgleich in letzter Minute durch Naldo gelang, waren auch sie aus dem Häuschen. Das war ein Erlebnis, an das ich mich sehr gerne erinnere, auch wenn ich damals früh ausgewechselt wurde. Aber aufgrund des sensationellen Spielverlaufs kann ich das locker verschmerzen.

Dabei war Ihr Vater sehr skeptisch, als Sie zu Schalke wechselten.

Er hat erkannt, wie sehr ich den Wechsel wollte und wie viel ich dafür geopfert habe. Als er gesehen hat, wie ich mich hier entwickelt habe, war er einverstanden mit meiner Entscheidung. Mein Vater gehört nicht zu den Eltern, die ihre Kinder zu etwas zwingen. Er will nur das Beste für mich und daher war es ihm wichtig, dass ich alle Optionen abwäge, bevor ich meine endgültige Entscheidung treffe.

Sie machen immer einen fröhlichen und gut gelaunten Eindruck. Können Sie auch böse werden?

(lächelnd) Ich bin eine Frohnatur. Es braucht schon sehr viel, um mich wirklich wütend zu machen. Wenn mich etwas auf die Palme bringt, dann vielleicht Personen, die schlecht über mich und meine Familie sprechen, auf dem Platz, wenn die gegnerischen Spieler ständig hart foulen.

Schalkes McKennie: „Die anderen Vereine werden mich mehr auf der Rechnung haben“

Autogramme des US-Amerikaners sind auf Schalke mittlerweile sehr beliebt. McKennie gilt als Frohnatur. © imago


Kann Schalke den Erfolg der Vorsaison wiederholen?

Für uns geht es darum, unsere Entwicklung weiter voranzutreiben. In unserer Mannschaft steckt sehr viel Potenzial. Was mich betrifft, so habe ich in meinem ersten Profi-Jahr viel gelernt. Vor allem Nabil Bentaleb und Leon Goretzka haben mir wertvolle Ratschläge gegeben. Solche Tipps sind gerade für junge Spieler sehr wichtig.

Auf ihrer Position im defensiven Mittelfeld herrscht enormer Konkurrenzkampf. Haben Sie davor keine Angst?

Nein. Das war ja auch schon in der vergangenen Saison so. Der Trainer hat viele Alternativen. Die sind auch nötig, weil wir uns für die Champions League qualifiziert haben.

Umfrage

Wie schätzen Sie Weston McKennies Einsatzchancen in der kommenden Saison ein?

69 abgegebene Stimmen

Machen Sie als junger Spieler in der Kabine auch schon mal den Mund auf?

Ich bin noch jung und mache keine Ansagen. Ich höre zu, was die Führungsspieler zu sagen haben und versuche dann, es auf dem Feld umzusetzen. Aber wenn ich eine Idee habe, bin ich auch nicht der schüchterne Typ und behalte sie für mich.