Hier ein Container, dort eine mobile Lösung: Selm braucht neue feste Kindergartenplätze. Möglichst schnell. Aber es gibt ein großes Problem.

Selm

, 30.08.2019, 11:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zahlen sprechen für sich: Knapp 800 Kinder besuchen derzeit einen Kindergarten in der Stadt Selm. Damit ist das System restlos ausgeschöpft. Und ohne die Kindertagespflege würde es in Selm sogar eine echtes Betreuungsproblem geben. „137 Mädchen und Jungen sind hier in der Vollzeitbetreuung“, sagt Wolfgang Strickstrock, Leiter des Amtes für Jugend, Schule, Familie und Soziales.

Um möglichst viele Wünsche der Eltern zu erfüllen, hat die Stadt nachjustieren müssen und eine weitere mobile Einheit am AWO-Kindergarten Konfetti am Bockmühlenweg geschaffen. Zum Start am 12. August gab es noch kleinere Probleme: Wasser und Entwässerung waren noch nicht angeschlossen, doch jetzt läuft alles wie erhofft.

Bei hochsommerlichen Temperaturen kommt Leichtbau an Grenzen

Okay, großen Charme strahlen die Mobilelemente nicht unbedingt aus. Nicht von außen, nicht von innen. Aber die Mitarbeiter der Einrichtung haben bereits dafür gesorgt, dass sie wohnlicher wirken. „Es kommen noch weitere Möbel“, sagt Anita Stenzel, die zusammen mit Kathrin Becker die Einrichtung leitet.

Die Mobileinheiten bieten aber viel Platz und haben wichtige Sicherheitselemente wie Fingerklemmschutz an den Türen. Aber natürlich kommen die Leichtbaumodule auch an Grenzen - vor allem bei hochsommerlichen Temperaturen.

Großes Außengelände eröffnet den Kindern viele Möglichkeiten

„Wir haben ein sehr großes Außengelände“, sagt Anita Stenzel. „Und auch das Bestandsgebäude ist sehr großzügig“, ergänzt Daniel Frieling, Abteilungsleitung Kindertagesstätten bei der AWO.

Genutzt wird die mobile Einheit aktuell von einer Gruppe für drei- bis sechsjährige Kinder. Natürlich können die Mädchen und Jungen auch die anderen Räume und Flächen der Einrichtung nutzen, die sich gerade ein Stück weit neu finden muss. Von den aktuell 95 Kinder in der Einrichtung sind 43 erst seit Beginn des neuen Kitajahres im August in der Kita Konfetti.

Stadt will „so schnell wie möglich bauen“

Eine Dauerlösung sollen die Container aber nicht sein. „Wir wollen so schnell wie möglich bauen“, sagt die Beigeordnete Sylvia Engemann. Wunsch der AWO ist, dass der Anbau im Sommer 2020 zum neuen Kindergartenjahr bezogen werden kann. Und da die Erweiterung im hinteren Bereich erfolgt, kann zunächst der Anbau errichtet werden. Und wenn er fertig ist, kann die Gruppe aus den Container umziehen.

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Amtsleiter Wolfgang Strickstrock geht mit Blick auf die vielen Aufträge für die Baubranche eher davon aus, dass der Anbau „in der zweiten Jahreshälfte 2020 fertig wird“. Das gilt für die Kita Konfetti ebenso wie für die Kita St. Martin an der Albert-Schweitzer-Straße 1. Beide Einrichtungen sollen jeweils um eine Gruppe erweitert werden.

Gerade aufgebaut - bald überflüssig: Stadt will Kita-Container durch Anbauten ersetzen

Der Kindergarten Konfetti ist durch Mobileinheiten ergänzt worden. Möglichst schnell soll es einen Anbau geben. © Thomas Aschwer

Fördermittel des Landes erleichtern Kita-Neubau

Weil danach aber die Container wieder verschwinden, werden keine zusätzlichen Plätze geschaffen werden. Aber sicher schönere. Die Frage nach dem „Wann“ kann die Beigeordnete nicht beantworten. Auch nicht für den neuen Vier-Gruppen-Kindergarten mit 70 Plätzen am Pädagogenweg. Hier sind für die Stadt Selm aber zentrale Fragen geklärt.

Gebaut wird die Einrichtung von einem Investor, Betreiber wird dann das Rote Kreuz sein. Was für die Stadt ganz wichtig ist: „Das Land NRW hat die Geldschatulle geöffnet“, sagt Wolfgang Strickstrock. Fördermittel von rund 1,89 Millionen Euro fließen für die neue Einrichtung nach Selm. Sylvia Engemann räumt ein, dass Selm auf dieses Geld dringend angewiesen ist.

Neuer Qualifizierungskurs Tagespflege startet

„Wir müssen einen Spagat schaffen. Wir sind Stärkungspakt-Kommune und müssen bei allen Investitionen genau hinsehen.“ Auf der anderen Seite gebe es einen Rechtsanspruch der Eltern, den die Stadt auch erfüllen wolle. „Alle Kinder, die im regulären Anmeldezeitraum angemeldet wurden und bei denen ein beruflicher Bedarf der Eltern angezeigt wurde, konnte ein Betreuungsplatz angeboten werden“, ergänzt der Amtsleiter.

Es gehe darum, die Dinge möglichst passgenau hinzubekommen, so Sylvia Engemann. Deshalb hat die Kindertagespflege vielleicht in Selm auch eine deutlich größere Bedeutung als vielleicht in anderen Orten. Und weil die Tageseltern eine „so große Hilfe sind“, startet wieder ein neuer Qualifizierungskurs mit acht Teilnehmern.

Stadt plant ein neues digitales Anmeldeverfahren

Dass neue Kindergarten-Gruppen und weitere Tageseltern absolut notwendig sind, belegen die Zahlen. Mit Kindertagespflege und den 13 Kitas in der Stadt werden 96,8 Prozent der Ü3-Kinder betreut. Ein mittlerweile „üblicher Wert“ in der Region. Die U3-Betreuung ist zwar stark steigend, jedoch auf einem niedrigeren Niveau. Sie liegt inklusive der Kindertagespflege bei 55,6 Prozent.

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Die Kindertagespflege übernimmt dabei in der Stadt Selm eine ganz besonders wichtige Rolle. Amtsleiter Wolfgang Strickstrock weist darauf hin, das Eltern einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung, jedoch keinen Anspruch auf einen Kitaplatz haben. Die Betreuung könne auch über Tagesväter- und -mütter erfolgen.

Um das Anmeldeverfahren für die Eltern künftig einfacher zu gestalten, plant die Stadt ein Online-Kita-Anmeldesystem. Für das Kita-Jahr 2020 wird es aller Voraussicht nach noch nicht greifen, ein Jahr später soll es aber am Start sein und das bisherige System ablösen. Bislang ist es so, dass die Eltern ihre Kinder im Wunsch-Kindergarten anmelden. Zudem können sie in weiteren Kitas ihren Zwei- und Drittwunsch schriftlich artikulieren.

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