Bonpflicht in Selm: „Blödsinnig, das brauche ich absolut nicht“

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Für jeden Kauf ein Bon: Kunden und Händler in Selm sind nicht unbedingt begeistert von der seit 2020 geltenden Pflicht, jedem Kunden einen Bon anzubieten.

von Marcel Schürmann

Selm

, 04.01.2020, 20:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob die Kunden nach dem Kassenbon fragen, oder nicht: Seit dem 1. Januar 2020 müssen Geschäfte und Lokale ihren Kunden immer einen Kassenbeleg ausstellen - selbst für den Kauf eines einzelnen Brötchens.

Lila Witkowksi ist Angestellte bei der Bäckerei Artmann an der Kreisstraße in Selm. An den ersten beiden Tagen des neuen Jahres habe sie bereits über 600 Kassenbons gedruckt. Die Resonanz der Kunden, die den Bon schließlich auch mitgenommen haben, gehe fast gegen null.

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„Unsere Kunden brauchen keinen Bon. Fast keiner möchte einen haben“, sagt die Bäckerei-Angestellte. Jedem Kunden bietet sie den gedruckten Bon an. Den haben in diesem Jahr laut der Verkäuferin bislang erst zwei Kunden aus dem Laden mitgenommen. „Das war aber mehr aus Spaß, denke ich“, so Witkowski.

Kunden sind teilweise verwirrt

Bis Ende 2019 haben die Verkäufer in der Bäckerei immer erst dann einen Bon gedruckt, wenn ein Kunde explizit danach gefragt hat. Für Witkowksi wäre es sinnvoll, wenn es noch genauso wäre.

Auch das Gros der Kunden im Laden lehne das Angebot, den Kassenbon mitzunehmen, dankend ab. Es herrscht mitunter sogar Verwirrung. „Muss ich den mitnehmen, oder kann ich den hierlassen?“, fragt etwa eine ältere Kundin an der Kasse. „Noch“, sagt Lila Witkowksi, „kann ich darüber lachen“. Sie legt den von der Kundin abgelehnten Bon in eine kleine Plastikschale hinter der Kasse, in der schon einige andere Papierbelege liegen.

„Wir müssen die Bons hinterher nur aufsammeln“

Ein Arbeiter der Stadtreinigung ist ebenfalls im Laden. Er sagt: „Die Bonpflicht ist blödsinnig, das brauche ich absolut nicht. Die Bons werden meistens nur weggeschmissen und wir bei der Stadtreinigung müssen sie hinterher wieder aufsammeln.“ Für Anziehsachen oder Elektrogeräte würde er es verstehen, dass eine Bonpflicht besteht. Beim Einkauf von Lebensmitteln sieht das aber anders aus.

Auf dem Selmer Wochenmarkt gibt es Händler, die schon seit längerem einen Bon ausstellen. Beim Obst- und Gemüsehändler Heinrich Drewes ist das anders. Er und seine Schwester Jutta sind nicht von der Bonpflicht betroffen, da sie eine offene Kasse - also keine elektronische oder digitale Kasse - haben. „So geht es für uns einfacher und schneller“, sagt Drewes. Eine Pflicht zur elektronischen Kasse gibt es in Deutschland derzeit nicht.

Bonausgabe auf dem Wochenmarkt eher unüblich

Von 100 Kunden würden vielleicht zwei einen Bon haben wollen, sagt Drewes. Für die schreibt der Händler dann auch gerne eine Quittutng. Doch generell sei die Ausgabe eines Kassenbons auf dem Wochenmarkt „eher unüblich“.

Wenn es so wäre, dass auch Heinrich Drewes immer einen Bon ausstellen müsste, „dann würde ich das natürlich machen“, sagt der Händler. Drewes glaubt, dass es „zwangsläufig so kommen“ wird, dass auch er irgendwann einen Bon ausstellen muss. Generell findet er die Bonpflicht „okay“.

Bonpflicht in Selm: „Blödsinnig, das brauche ich absolut nicht“

Heinrich und Jutta Drewes verkaufen Obst und Gemüse auf dem Selmer Wochenmarkt. Sie müssen ihren Kunden (bislang) keinen Bon aushändigen. © Marcel Schürmann

Kassenbon? „Nicht mehr up to date“

Heike Breker aus Lüdinghausen geht in Selm einkaufen. Sie steht dem neuen Kassengesetz eher skeptisch gegenüber. „Im Rahmen der Umweltdiskussion, die wir aktuell führen, ist das Kassengesetz über und nicht mehr up to date. Die Bons werden auf Thermopapier gedruckt, das nicht recycelt werden kann. Und es verursacht unnötige Kosten für die Händler.“

Eine umweltschonendere Alternative für den gedruckten Kassenbon gibt es aber auch in dem neuen Gesetz: Wer will, kann sich den Bon auch digital per SMS oder Email schicken lassen.

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