Zwischen Brauereiknapp und Schloss Cappenberg: Das ist der nördlichste Weinberg in NRW

dzWein aus Cappenberg

Voll hängen die Reben am Schloss Cappenberg noch nicht, trotzdem zeigt sich der Weingutsleiter Jens Pape (29) zufrieden. Er verrät, wann der erste Cappenberger Wein verkostet werden kann.

Cappenberg

, 22.10.2018, 06:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kugelrund und mit einer leicht grünlichen Färbung zeigen sich die Rieslingtrauben, die an den Reben zwischen Brauereiknapp und Schloss Cappenberg wachsen. Im vergangenen Jahr wurden dort 1000 Reben auf circa 2000 Quadratmetern Fläche angepflanzt. Seitdem ist der Weinberg am Schloss der nördlichste von ganz Nordrhein-Westfalen.

Aktuell sind die Trauben dort reif, was an der braunen Färbung der Kerne zu erkennen ist. Manche trocknen sogar bereits. Jens Pape (29), der das Weingut leitet, nimmt eine der reifen Trauben zwischen Daumen und Zeigefinger. Er drückt den Saft heraus und lässt ihn auf ein Handrefraktometer tropfen. Mithilfe des Gerätes, das ein wenig an ein Fernrohr erinnert, kann er das Mostgewicht feststellen. „Das sind jetzt 95 Grad Oechsle“, erklärt Jens Pape. Mit dieser Maßeinheit werde die Qualität des Weines festgestellt. „95 Grad Oechsle ist eine der höchsten Qualitätsstufen“, sagt Jens Pape.

Das erste Jahr ist zufriedenstellend

Das sei ein gutes Zeichen für den Weinberg, der Sebastian Graf von Kanitz gehört. Das ursprüngliche Gut der Familie von Kanitz befindet sich im hessischen Lorch. Doch auch der Weinberg in Cappenberg sei vielversprechend. „Die Qualitätsstufe zeigt uns, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, indem wir hier Wein anbauen“, sagt Jens Pape. Er sei mit der Entwicklung der Reben in ihrem ersten Jahr zufrieden.

Und das trotz der sommerlichen Hitze und der andauernden Trockenheit. „Ab 34 Grad stellen die Reben ihre Tätigkeit beziehungsweise ihr Wachstum ein“, sagt Jens Pape. Doch die Temperaturen seien nicht das Hauptproblem. „Schlimmer ist die Trockenheit.“ Zwar bräuchten Weinreben weniger Wasser als manch andere Pflanzen, dennoch könnte der Boden deutlich feuchter sein, um ihnen optimale Bedingungen zu bieten. „Ein paar Reben sind uns deshalb auch kaputt gegangen.“

Jungpflanzen brauchen mehr Wasser

Ältere Weinreben, wie beispielsweise die auf dem Gut in Lorch, ertragen die Trockenheit besser. Die Jungpflanzen in Cappenberg haben jedoch etwas unter dem Wassermangel gelitten. „Aber das passiert auch, wenn es zu feucht ist“, sagt Jens Pape. Aktuell sind er und seine Mitarbeiter dabei, das Unkraut rund um die Reben zu jäten, damit die Reben sich ungehindert entwickeln können.

Zwischen Brauereiknapp und Schloss Cappenberg: Das ist der nördlichste Weinberg in NRW

Jens Pape leitet das Cappenberger Weingut. Schon im kommenden Jahr rechnet er mit der ersten Ernte. © FOTO:CAROLIN WEST

„Das muss alles mechanisch erfolgen“, erklärt Jens Pape. „Wir betreiben hier einen ökologischen Anbau und können keine Herbizide oder ähnliches spritzen.“ Zum Teil sei auch ein Mähroboter oder ein schmaler Traktor im Einsatz. Um die Entwicklung der Reben im Blick zu behalten, ist Jens Pape mindestens alle 14 Tage auf dem Weinberg.

Die Liebe zum Wein

Der Weingutsleiter interessierte sich schon früh für den Weinanbau. „Ich habe schon mit 13 auf dem Weinberg von Freunden meiner Eltern mitgeholfen“, erzählt Jens Pape. Der gebürtige Dortmunder war schon immer fasziniert vom Obstanbau. Der Weinanbau habe ihn für sich eingenommen, weil er so „die Pflanzen über Jahre begleiten“ kann. „Und irgendwann kam dann auch die Liebe zum Weintrinken dazu“, sagt Jens Pape und lacht.

Der 29-Jährige studierte Oenologie und Weinbau und war ab 2013 auf dem Weingut der Familie von Kanitz tätig. „Ich habe meine Abschlussarbeit noch im Betrieb geschrieben“, erzählt Jens Pape. Am liebsten trinkt er einen gereiften trockenen Riesling. „Aber es gibt viele tolle Weine, ein absoluter Liebling ist da schwer auszumachen.“

Gespannt auf das Ergebnis

Auf dem Weinberg am Schloss Cappenberg habe er an einen leichten, frischen Wein gedacht. In diesem Jahr, so Jens Pape, hätte es aber auch ein kräftigerer Wein werden können. „Aber es war von den Temperaturen her auch ein Ausnahmejahr“, sagt er. „Ich bin gespannt auf den Geschmack, der am Ende herauskommt.“

Mit der ersten Weinernte rechnet Jens Pape im kommenden Jahr. Nennenswerte Mengen werden aber vermutlich erst ab 2020 erreicht, so der Weingutsleiter. Trotzdem könnte bereits aus den Trauben des kommenden Jahres der erste Cappenberger Wein hergestellt werden. „Die Verkostung könnte dann beim Kammermusik-Festival im Schloss stattfinden“, blickt Jens Pape in die Zukunft und lächelt.

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