Zwei Mütter, eine Führungsposition: Wie Jobsharing eine Karriere in Teilzeit möglich macht

dzFamilie und Beruf

Wenn man sich für ein Kind entscheidet, ist die Karriere der Mutter beendet? Veronique Dornfeld und Diane Heidbreder beweisen das Gegenteil. Sie teilen sich eine Führungsposition.

Schwerte

, 04.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, das ist für viele Eltern eine Herausforderung. Ist es dann nicht „nur“ ein ganz normaler Job, sondern eine Führungsaufgabe, wird diese Herausforderung noch größer - oft auch zu groß. Anders ist es bei Veronique Dornfeld (34) und Diane Heidbreder (37). Sie haben in Schwerte gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber eine Lösung gefunden, die den beiden Müttern eine Karriere in Teilzeit ermöglicht: Als Leiterinnen der drei Commerzbank-Filialen in Schwerte, Unna und Herdecke.

Jobsharing: Zwei Teilzeitstellen, eine Führungsposition

Sie teilen sich diese Führungsposition mit zwei 60-Prozent-Stellen. Dass ihr Arbeitgeber ihnen dieses Jobsharing (engl.: Arbeitsteilung) in so verantwortungsvoller Position zutraut, hat die beiden Frauen selbst ein bisschen überrascht. Sie leiteten beide mit Teilzeitstellen je eine Filiale der Bank. Dann wurde das System umgestellt: Ein Filialleiter war nun für drei Filialen verantwortlich. Diane Heidbreder: „Alleine in Teilzeit kann man nicht drei Filialen leiten. Weil ich nicht auf 100-Prozent aufstocken wollte, war klar, dass es nur im Jobsharing möglich ist.“

„Alleine in Teilzeit kann man nicht drei Filialen leiten.“
Diane Heidbreder

Bei ihr überwog die Skepsis, ob das vom Arbeitgeber gewünscht sei. Sie bewarb sich trotzdem um eine der Führungspositionen - und bekam den Zuschlag: „Als der Anruf kam, dass ich mir die Stelle teilen kann, war ich wirklich überrascht.“ Ihr Glück: Auch Veronique Dornfeld hatte sich in Teilzeit auf die Stelle beworben.

Familien-Erfahrung hilft: „Wir sind da wie ein Elternpaar“

Der Vorgesetzte entschied: Die beiden Frauen können sich mit zwei 60-Prozent-Stellen eine Filialleitung teilen. Für Diane Heidbreder nicht selbstverständlich: „So viele Erfahrungswerte gibt es damit ja noch nicht, da muss man als Vorgesetzter auch das Vertrauen haben, dass es funktioniert. Zumal unserem Chef bewusst ist, dass uns Familie auch sehr wichtig ist und damit auch eine Verantwortung verbunden ist.“

Zwei Mütter, eine Führungsposition: Wie Jobsharing eine Karriere in Teilzeit möglich macht

Veronique Dornfeld (l.) und Diane Heidbreder teilen sich die Filialleitung. © Bernd Paulitschke

Seit September ist das Duo gemeinsam am Start - und profitiert auch von den Erfahrungen in der Familie: „Wir haben miteinander besprochen, dass wir beide Entscheidungsfreiheit behalten möchten. Die jeweils andere trägt die Entscheidung dann mit. Wir haben es den Kollegen so geschildert: Wir sind da wie ein Elternpaar – wenn Papa nein sagt, sagt Mama auch nein“, so Heidbreder.

„Bei den Kollegen kam es gut an, dass wir auf diese Art die Chance bekommen haben, die Filialen zu leiten“, sagt Veronique Dornfeld. Die Kollegen würden merken, dass die Aufteilung klappt, es wenig Reibungsverluste gibt. „Ich hatte ein bisschen Angst davor, dass viel Arbeitszeit dafür draufgeht, dass man darüber spricht, was man tut – und es eben nicht einfach nur tut. Diese Befürchtung hat sich überhaupt nicht bestätigt“, so Diane Heidbreder.

Modelle, um trotz Elternzeit nicht den Anschluss zu verpassen

Die Chance, auch in Teilzeit Führungsverantwortung zu übernehmen, ist nur ein Modell der Commerzbank, das den Beiden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bisher ermöglicht hat: „Familie ist für mich wahnsinnig wichtig, das stand immer fest“, sagt Veronique Dornfeld (34). „Aber ich wollte das auch mit meinem Job vereinbaren können.“ Das würde auch Diane Heidbreder (37) so unterschreiben.

Und so ähnelt sich der Karriereweg der beiden Frauen sehr: Ausbildung zur Bankkauffrau, dann folgt ein Studium, die ersten Führungsaufgabe. Schließlich leiten beide in Vollzeit je eine Commerzbank-Filiale. Und dann kommt die Zeit für die Familiengründung - samt Elternzeit.

Zwei Mütter, eine Führungsposition: Wie Jobsharing eine Karriere in Teilzeit möglich macht

Die Teilzeitstelle ermöglicht Veronique Dornfeld auch genügend Zeit für die Familie. © Dornfeld

Im Dezember 2014 freuen sich Veronique Dornfeld und ihr Mann Thomas über die Geburt von Louis. „Natürlich ist dann da die Frage: Was passiert, wenn du wiederkommst?“, so die 34-Jährige, die in Castrop-Rauxel wohnt.

Diane Heidbreder und ihr Mann Sebastian, die in Dortmund wohnen, bekommen 2015 ihren Sohn Felix. Sie verlässt sich in dieser Situation auf die verschiedenen Teilzeit-Modelle zur Rückkehr in den Beruf, die ihr Arbeitgeber anbietet: „Man kann da ganz getrost in die Familienplanung gehen.“ Aber was heißt das für die beiden Frauen ganz konkret?

Von zuhause aus auf dem Laufenden bleiben

Veronique Dornfeld entscheidet sich für die Variante „Keep in touch“. Wer ein Kind bekommt, kann sich dabei für einen Teilzeitvertrag mit 10- oder 20 Prozent-Stelle entscheiden. Zwölf Monate lang hält die 34-Jährige so Kontakt zu ihrem Job: Mails und interne Mitteilungen mitlesen, sich fortbilden - alles von zuhause aus. Anschließend steigt sie wieder in die Filialleitung ein - allerdings nicht mehr in Voll-, sondern in Teilzeit.

Diane Heidbreder nimmt die „Rückkehrgarantie“ in Anspruch: Wer spätestens neun Monate nach der Geburt mit 25 Prozent wieder in den Job zurückkehrt, hat bei der Commerzbank Anrecht auf seinen bestehenden Arbeitsplatz. So steigt sie nach der Elternzeit wieder ein, behält auch in Teilzeit die Filialleitung.

Zwei Mütter, eine Führungsposition: Wie Jobsharing eine Karriere in Teilzeit möglich macht

Karriere ist die eine Sache, aber Diane Heidbreder genießt auch die Zeit mit Sohn Felix. © Heidbreder

Einfach ist das nicht immer: „Die erste Zeit war hart, das muss ich sagen. Viel arbeiten zu müssen, obwohl man gedanklich noch nicht wieder mit 100 Prozent bei der Arbeit ist. Und sich behaupten zu müssen, dass man es schafft in Teilzeit. Und auch zwischendurch mal in der Situation zu sein: Sagst du jetzt den Termin ab, um zuhause sein zu können, oder wie erklärst du jetzt, dass du jetzt zuhause sein möchtest. Das muss man mit sich selbst ausmachen. Das sind zwei, drei harte Monate, aber danach hatte ich das nicht mehr. Weil ich gemerkt habe, ich bin glücklich am Arbeitsplatz. Und wenn ich aus der Bank gehe, habe ich auch ein Kribbeln im Bauch, weil ich mich freue, den Kleinen abzuholen.“

„Die erste Zeit war hart, das muss ich sagen.“
Diane Heidbreder

Im Gespräch mit anderen Müttern merke man oft schnell, das der Umgang mit der Rückkehr in den Beruf nicht überall so reibungslos klappe, so Veronique Dornfeld: „Oft sind die Modelle sehr starr: Du darfst nur so viel Prozent, zu diesen Zeiten, an diesen Tagen arbeiten. Wir sind hier maximal flexibel. Wir gucken, wann besteht Bedarf und organisieren uns dann selber.“

Ohne Unterstützung der Familie geht es nicht

Bei allen Freiheiten, die der Arbeitgeber lässt, betonen die beiden Frauen aber auch: Ohne die Unterstützung der Familie würde es nicht gehen. Die Ehemänner, auch beide Mütter und Schwiegermütter unterstützen die Entscheidung, parallel in Familie und Karriere zu investieren.

Dabei hatte Diane Heidbreder durchaus mit Einwänden gerechnet: „Ich habe meine Mutter gefragt, ob sie am langen Donnerstag die Kinderbetreuung übernehmen kann. Ich muss dazusagen: Meine Mutter war Hausfrau, hat meine Schwester und mich großgezogen als Hauptaufgabe. Da hatte ich ein bisschen Angst vor der Resonanz. Aber sie hat gesagt: Ich kann mir bei dir nichts anderes vorstellen.“

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