Patienteninformation der Ärzte Zeitung zum grünen Rezept

dzHintergrund

26.10.2018, 13:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2004, als die neue Gesundheitsreform in Kraft trat, bezahlen die Krankenkassen im Regelfall nicht mehr für rezeptfreie Arzneimittel. Kassenpatienten müssen diese meist recht preiswerten Arzneimittel seitdem zu 100 Prozent selbst bezahlen.

Nur für Kinder bis einschließlich zwölf Jahren und in Ausnahmefällen bei besonders schweren Krankheiten können rezeptfreie Arzneimittel auf Kassenrezept verordnet werden.

Dennoch sind diese Medikamente nachweislich wirksam - und haben immer noch einen hohen Stellenwert in der ärztlichen Therapie. Das gilt auch deshalb, weil Patienten oft ihren Arzt um Rat fragen, wenn es um möglichst nebenwirkungsarme Arzneimittel oder um pflanzliche Medikamente geht, die fast alle rezeptfrei sind.

Tatsache ist, dass nach wie vor jede fünfte ärztliche Verordnung auf ein rezeptfreies Arzneimittel entfällt. Deshalb wurde als eine Hilfestellung für Arzt und Patient das grüne Rezept entwickelt.

Damit gibt es nun drei Rezepttypen: das rosafarbene Kassenrezept, das blaue Privatrezept, das bei der (privaten) Krankenversicherung zur Kostenerstattung eingereicht werden kann, und das grüne Rezept als Merkhilfe für den Patienten und wichtige Information für den Apotheker dafür, welches Arzneimittel er konkret nach ärztlicher Auffassung an den Patienten abgeben soll.

Doch viele Patienten wissen noch nicht gut Bescheid, warum sie Medikamente selbst zahlen müssen, auch wenn sie dafür ein grünes Rezept bekommen.

Bei einer Umfrage der Ärzte Zeitung antworteten 56 Prozent der rund 700 antwortenden Ärzte, sie müssten nach wie vor in der Sprechstunde erläutern, dass die Patienten die Medikationskosten selbst bezahlen müssen. 36 Prozent der Ärzte sagten, ihre Patienten hätten häufig Fragen zu rezeptfreien Arzneimitteln.

82 Prozent der Ärzte nutzen das grüne Rezept bewusst als Merkhilfe oder Kaufempfehlung für den Patienten. Nur knapp fünf Prozent der Ärzte halten dies für überflüssig. Und nur 14 Prozent der Ärzte wollen sich auf eine mündliche Empfehlung an den Patienten verlassen.

Eine Zwei-Drittel-Mehrheit der von der Ärzte Zeitung befragten Ärzte findet es zwar grundsätzlich richtig, dass Patienten auch finanziell in die Verantwortung für ihre Gesundheit genommen werden. Aber das Ausmaß an Eigenbeteiligung sehen Ärzte auch mit sozialer Sensibilität: Vor allem Familien mit Kindern, die älter als zwölf Jahre sind und die deshalb fast alle rezeptfreien Arzneimittel aus eigener Tasche bezahlen müssen, stehen mitunter vor einer beachtlichen finanziellen Belastung. Medizinisch kann das zum Risiko werden: wenn akute Krankheiten verschleppt und dann chronisch werden.

Die Ausgrenzung rezeptfreier Medikamente hat eine weitere Nebenwirkung. Ärzte berichten, dass Patienten aus finanziellen Gründen darauf drängen, dass ihnen verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnet werden. Diese haben mitunter deutlich mehr oder schwerere Nebenwirkungen.

Allerdings hat sich gezeigt, dass Ärzte unter medizinischen Gesichtspunkten verantwortungsbewusst verordnen und nicht alle Wünsche erfüllen.