Wenn eine Kita zu wenig Personal hat, muss der Träger das melden. Das DRK hat das für die Kita Gänsewinkel in Schwerte nicht getan. Nun drohen Konsequenzen - zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Schwerte

, 16.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie geht es weiter mit der DRK-Kindertagesstätte im Gänsewinkel in Schwerte? Es ist eine komplizierte Geschichte, die nun ein weiteres Kapitel bekommt. Jetzt geht es nicht mehr um das Geld, sondern um Personalmangel.

Schon seit Herbst 2018 fehlen offenbar Erzieherinnen - bis zu zwei Vollzeitkräfte. Das machte Andreas Pap, der Jugendamtsleiter der Stadt Schwerte, am Mittwochabend im Ausschuss gegenüber den Politikern öffentlich.

Das Problem, wie Pap erläuterte: Kindergärten seien verpflichtet, einen Personalmangel sofort zu melden. Der DRK-Kreisverband Unna, der der Träger der Kita Gänsewinkel ist, teilte das allerdings erst Ende Juni 2019 mit. „Seit September 2018 ist dort Land unter und es ist nicht gemeldet worden - das ist richtig übel“, so Pap.

Droht ein Bußgeld vom Landesjugendamt?

Denn nicht nur die Stadt Schwerte ist nun informiert, sondern auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, gewissermaßen das Landesjugendamt. Dort will man bis Mitte September eine Stellungnahme vom DRK: Warum hat man nichts gesagt? Was tat oder tut man gegen den Personalmangel?

Denkbar sei ein Bußgeld. Die Betriebserlaubnis an sich dürfte aber wohl nicht auf der Kippe stehen - zumal alle Beteiligten unterstrichen, man wolle das Problem lösen.

Warum die Stadt Schwerte den Fall überhaupt öffentlich erörtete, wo doch noch gar nichts final entschieden ist? Die Trägerschaft des Kindergartens wäre im Sommer 2019 fast vom DRK auf das Lebenszentrum Königsborn in Unna übergegangen. Das scheiterte, sodass Stadt und DRK nun einen neuen Vertrag schließen wollen. Dafür wiederum müssen Schwertes Politiker ihre Zustimmung geben.

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Stadt und DRK stritten ums Geld - dann kam die Kündigung

Wieso es fast dazu gekommen wäre, dass das DRK die Kita Gänsewinkel hätte abgeben müssen? Rund um den Jahreswechsel 2012/13 schlossen Stadt und DRK einen besonderen Mietvertrag für die neugebaute Kita: Das DRK war nicht einfach Mieter, sondern hatte laut Stadt „den Status eines wirtschaftlich gleichgestellten Eigentümers mit der Verpflichtung, für die damit übertragene Aufgabe der Gebäudeunterhaltung Rücklagen zu bilden“.

Spätestens ab 2017 gab es Unstimmigkeiten zwischen DRK und Stadt, was genau aus wessen Kasse bezahlt werden soll. Es kam zum Streit und dazu, dass der seinerzeit Verantwortliche beim DRK das Mietverhältnis mit der Stadt kündigte.

Sowie dazu, dass sich die Stadt überlegte: Dann könnte das Lebenszentrum Königsborn die Kita Gänsewinkel übernehmen und aus der städtischen Kita Wandhofen ausziehen. Dort sind zwei Träger unter einem Dach, was das Landesjugendamt nicht gerne sieht. Und das entscheidet über Zuschüsse.

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Vertrag kommt nur zustande, wenn die strittigen Fragen geklärt sind

Das Lebenszentrum hätte auch alle Kita-Mitarbeiter vom Gänsewinkel gerne übernommen, doch die Verhandlungen scheiterten an einem Detail: an den Zusatzversicherungen für die Beschäftigen. Das DRK stand weiter bereit und darf nun auch weiter die Kita betreiben. Dazu gaben die Politiker am Mittwoch auch ihr Okay.

Allerdings unter Vorbehalt. Denn die Stadt Schwerte will zwar weiter verhandeln. Definitiv in Kraft treten soll der Vertrag aber nur, wenn der Personalmangel beseitigt ist und die strittigen Fragen mit dem Landesjugendamt geklärt sind.

Man sei auf einem guten Weg, unterstreicht nicht nur Jugendamtsleiter Pap, sondern auch Florian Lehnen, Assistent der Geschäftsführung beim DRK-Kreisverband. Dort gab es in den vergangenen anderthalb Jahren immer wieder personelle Wechsel.

Der ursprüngliche Geschäftsführer, der das Mietverhältnis mit der Stadt Schwerte gekündigt hatte, ist mittlerweile pensioniert. Anfang 2019 kam eine Nachfolgerin, die allerdings nach kurzer Zeit aus gesundheitlichen Gründen ausschied.

Unsichere Zukunft der Kita - deshalb keine Zusagen von Bewerbern

Aber wieso hat das DRK seit Herbst 2018 nicht nachgebessert? Habe man in gewisser Weise doch, unterstreicht Lehnen. So sei zeitweise eine Springerin am Gänsewinkel eingesetzt gewesen.

Generell aber sei es schwierig, Personal zu bekommen. Das erklärte auch die aktuelle Leiterin, die von Schwertes Politikern gebeten wurde, ihre Sicht der Dinge zu erklären. „Wir haben Stellen ausgeschrieben und hatten auch viele Vorstellungsgespräche“, erklärte sie. Das Problem: „Neue Erzieherinnen, die auf dem Markt sind, können sich derzeit Stellen aussuchen.“ Der Mangel in der Branche sei so groß.

Und da lange ein Trägerwechsel im Raum gestanden habe und damit auch die Unsicherheit, wie es im Sommer 2019 weitergehen würde, habe es leider keine Zusagen gegeben.

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