Spaziergänger finden in Villigst im Wald eine grausam zugerichtete Leiche. Ein Zeuge gibt der Polizei einen entscheidenden Tipp. Der Festgenommene gesteht mehr als einen Mord.

Schwerte

, 02.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war purer Zufall, der dafür sorgte, dass die Leiche von Susanne V. bereits kurz nach ihrer Ermordung wieder auftauchte. Denn eigentlich hatte der Mörder sie fast 30 Meter abseits vom Weg im sogenannten „Schüttholzwäldchen“ am Halstenbergweg gut verborgen.

Ein Spaziergänger hatte nämlich am jenem Morgen des 19. März 1989, einem Sonntag, ein seiner Ansicht nach verdächtiges Auto aus dem Wäldchen fahren sehen. Darauf ließ er seinen Hund von der Leine. Der spürte in dem Wald an der Stadtgrenze zu Iserlohn aber keine Abfälle oder Umweltfrevel auf, sondern eine Frauenleiche.

Suchmeldung mit auffälliger Stiefelette

Schnell stellte sich allerdings raus, dass der Fahrer des „verdächtigen“ roten Autos mit dieser Sache nichts zu tun haben konnte, denn die Leiche hatte zumindest über Nacht dort gelegen. Die Blutspuren verrieten, der Täter hatte sein Opfer auf dem Weg erschlagen und dann einen Hang hinunter geschleift. Rund 30 Meter entfernt vom Weg hatte sie der Hund dann entdeckt. Es handelte sich um eine junge Frau, die offensichtlich zur Punkszene gehörte. Mit Bildern einer auffälligen Stiefelette, die das Opfer getragen hatte, und einer Beschreibung der jungen Frau wandte sich die Kripo an die Presse.

Zeuge brachte Polizei auf die Spur des Anhalterinnen-Mörders

Mit dieser Stiefelette suchte die Polizei nach der Identität des Opfers. © Repro

Vier Tage nach dem Leichenfund meldete sich ein Ehepaar, das seine Tochter vermisste. Sie hatten in der Zeitung die Beschreibung des Opfers gelesen und nun den schrecklichen Verdacht, dass es sich um ihre Tochter handeln könnte. Auch die Schwester der Toten hatte sich bei den Ermittlern gemeldet, weil sie die Stiefelette wiedererkannt hatte. Schnell war die traurige Wahrheit klar: Bei dem Mordopfer handelte es sich um die 19-jährige Susanne V.

Opfer besuchte Punkkonzert in Hemer

Die junge Frau lebte in einer Wohngemeinschaft in Menden. Von dort war sie am Samstagabend nach Hemer zu einem Punkkonzert aufgebrochen. Zeugen berichteten, dass sie dort irgendwann zwischen zwei und drei Uhr aufgebrochen war, vermutlich, um nach Hause zu trampen. Ab dort verliert sich ihre Spur.

Zeuge brachte Polizei auf die Spur des Anhalterinnen-Mörders

Susanne V. wollte per Anhalter zurück nach Menden. Auf dem Weg traf sie auf ihren Mörder. © Repro

Auf der Suche nach dem Täter stieß die Polizei zunächst auf einen Mitbewohner aus der Wohngemeinschaft. Der hatte nämlich Susanne V. eigentlich nach Hause fahren wollen. Doch das hatte sich zerschlagen, weil der junge Mann das Auto, das er sich geliehen hatte, wieder abgeben musste. Für die Tatnacht gaben ihm Zeugen zudem ein Alibi.

Mit Zeitungsaufrufen und Fotos der jungen Frau suchte die Kripo Iserlohn, die den Fall übernommen hatte, nach Zeugen. Und hatte Glück. Ein 21-jähriger Mann aus Hemer meldete sich, vor allem weil sein Vater ihn gedrängt hatte, seine Erlebnisse dort zu erzählen.

Zeuge sah Opfer ins Auto einsteigen

Der Zeuge hatte die junge Frau in der Tatnacht am Straßenrand entdeckt und wollte bei der nächsten Möglichkeit wenden, um sie mitzunehmen. Doch während er an einer Ampel hielt, konnte er im Rückspiegel gerade noch beobachten, wie Susanne in ein anderes Auto stieg. Nicht ganz freiwillig, glaubte der Zeuge zunächst und folgte der Limousine. Als der Wagen dann zwischen Hemer und Menden in einen Feldweg einbog, sei es ihm unheimlich geworden. Da habe er gewendet und sei heimgefahren, erzählt er später bei der Kripo. Allerdings nicht ohne sich das Kennzeichen des Ford Sierra zu notieren.

Und das führte zu dem 27 Jahre alten Familienvater Günther K. aus Schwerte. Der Kfz-Mechaniker wurde festgenommen. Schon in den ersten Vernehmungen gestand er die eine Tat. Und nicht nur die: K. erzählte auch von einen zweiten Mord. Bereits im November 1988 hatte er die 23 Jahre alte Rosemarie S. aus dem sauerländischen Nachrodt getötet. Auch sie war als Anhalterin unterwegs.

Liebevoller Vater – sadistischer Mörder

Bei den Vernehmungen erwies sich K. als widersprüchliche Persönlichkeit. Ein liebevoller Vater einer einjährigen Tochter auf der einen und ein von krankhaften sadistischen Fantasien getriebener Mensch auf der anderen Seite. In seinem Ford Sierra fuhr er nachts durch die Gegend, um Frauen zu finden, die ihn sexuell befriedigen sollten. In diesen Fantasien spielte stets Gewalt eine Rolle. Befriedigung sei ihm nicht möglich gewesen, ohne dass sich die Opfer in Todesangst befanden, stellte ein Gutachter später fest.

Im Fall Susanne V. hatte er die junge Frau mit einem Messer bedroht und sie gezwungen sich auszuziehen und ihn zu befriedigen, bevor er sie in einem Gewaltexesss mit einer Eisenstange totschlug.

Beim Gerichtsprozess im Dezember 1989 gab er an, dass er auch zuvor öfters Anhalterinnen mitgenommen habe. „Da habe ich aber immer die Kurve gekriegt“, erklärte er den Richtern. Im November 1988 dann aber nicht mehr. In einem Wald bei Kesbern erstickte er sein erstes Opfer mit Laub und Erde, nachdem er es zuvor gewürgt und mit einem Paketbande stranguliert hatte. Wäre es nur diese Tat gewesen, Günter K. hätte auf verminderte Schuldfähigkeit wegen seiner krankhaft sadistischen Perversion hoffen können. Doch der Staatsanwalt brachte es auf den Punkt: Spätestens von da an hätte er keine Anhalterinnen mitnehmen dürfen. „Er hätte wissen müssen, dass der Film, von dem er wiederholt sprach, an einem gewissen Zeitpunkt in seinem Kopf nicht mehr zu stoppen war.“

Reue über eigene schreckliche Taten

Sechs Mal hatte er mit einer Eisenstange auf den Kopf von Susanne V. geschlagen. „Lustvolle Zerstörungswut“ attestiert ihm der Staatsanwalt. Und das Gericht erklärt die Tat als einen Akt der sadistischen Aggression. Er habe die Tötung der jungen Frauen genießen wollen.

Aber auch vor Gericht blieb K. widersprüchlich. Denn die Richter attestierten ihm auch echte Reue über seine schrecklichen Verbrechen. Das rettete den Kfz-Mechaniker aber nicht vor einer lebenslangen Freiheitsstrafe und der Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie.

Serie: Tatort

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Rohrmeisterei
Theater am Fluss zeigt „Herr der Diebe“ – So war die Premiere des Jugendstücks
Hellweger Anzeiger Bahnhof Aplerbeck-Süd
BVB-Fan aus der Bahn geworfen – Jetzt äußert sich die Polizei zur Schlägerei im Zug
Hellweger Anzeiger B236 in Schwerte
B236-Ausbau soll erst im Frühling starten – Eigentümer bereitet sich auf Enteignung vor
Hellweger Anzeiger Viele Fotos
Elsebad, Hennen, Schwerte-Ost, Hof Klempt – so waren die Weihnachtsmärkte 2019 in Schwerte