Zentralrat der Juden: Bei AfD-Regierung Zeit, zu gehen

Antisemistismus

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, war kürzlich in der Unionsfraktion zu Gast. Dabei warnte er vor einer Regierungsbeteiligung der AfD. Wenn es dazu komme, gebe es Grund, Deutschland zu verlassen, sagte Schuster.

Berlin

von Markus Decker

, 17.12.2019, 08:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zentralrat der Juden: Bei AfD-Regierung Zeit, zu gehen

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU und Verteidigungsministerin, mit Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden. © dpa

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, will Deutschland verlassen, wenn die AfD mitregiert. Das sagte er nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) – wie erst jetzt bekannt wurde – bei einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 25. November.

Wie Teilnehmer berichten, sagte Schuster in der Sitzung, es gebe wegen des zunehmenden Antisemitismus Unruhe in der jüdischen Gemeinde. Er sage bei derlei Gelegenheiten immer, Juden könnten in Deutschland leben, sie seien hier sicher und sollten sich nicht verunsichern lassen. Der 65-Jährige fügte allerdings hinzu: „Wenn es Koalitionen mit der AfD gäbe, müsste auch ich sagen: Jetzt ist es Zeit, Deutschland zu verlassen.“ Denn damit würde der Boden entzogen, auf dem jüdisches Leben in Deutschland möglich sei.

Grütters: Niemand denkt an Zusammenarbeit

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erwiderte Teilnehmern zufolge: „Ich kann Ihnen versichern: Hier im Raum gibt es niemanden, der über so etwas nachdenkt.“ Daraufhin gab es Applaus. Insgesamt sei das Gespräch mit der Unionsfraktion harmonisch verlaufen, heißt es. Es habe eine positive Grundstimmung geherrscht.

Der Publizist Michel Friedman hatte sich mit Blick auf eine etwaige Emigration aus politischen Gründen zuletzt ähnlich geäußert wie Schuster. AfD-Politiker – darunter der wegen Antisemitismus abgewählte Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Stephan Brandner, – hatten anschließend signalisiert, dass sie dies als zusätzlichen Ansporn empfänden.

In ostdeutschen Landesverbänden der CDU gibt es teilweise Sympathien für eine Zusammenarbeit mit der AfD.

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