Zentralrat der Juden: Antisemitismus entgegentreten

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat mehr Zivilcourage gegen „Alltags-Antisemitismus“ angemahnt. Es sei wichtig, sich im Bekanntenkreis oder am Stammtisch klar zu positionieren, wenn antijüdische Äußerungen fielen, sagte Schuster am Donnerstag in Dortmund beim Evangelischen Kirchentag. Kritik an der Regierung in Israel sei völlig unproblematisch, solange sie nicht „dämonisiere“ oder Israels Existenzrecht in Abrede stelle. Nicht legitim sei es dagegen, „Israel zu sagen und Juden zu meinen“. Zugleich betonte Schuster: „80 Prozent der Bevölkerung haben keine antijüdischen Ressentiments.“ Es gebe aber viele - auch gut gebildete - Menschen, die keine Juden als Nachbarn wollten.

20.06.2019, 17:23 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zentralrat der Juden: Antisemitismus entgegentreten

An einer Podiumsdiskusion beteiligt sich Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Foto: Roland Weihrauch

Muslime und Juden stünden sich nicht als Feinde gegenüber, sagte Schuster. Allerdings seien Vorurteile und Ressentiments gegenüber Israel und Juden bei Einwanderern aus dem arabischen Raum nicht an der Grenze zu Deutschland abgegeben worden. Nach Worten der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor ist unter Muslimen die Einsicht gewachsen, dass Minderheiten „sich viel mehr zusammenraufen“ müssten und stärker gemeinsam gegen Diskriminierung vorgehen sollten. Es könne jedoch mitunter auch schwerfallen, sich klar gegen Antisemitismus zu positionieren, wenn man als Muslim selbst Herabwürdigung erlebe und sich für diesen Missstand ebenfalls mehr Empörung wünsche.

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