Zehn, neun, acht ... - Verkauf von Knallern hat begonnen

Bunt und laut: Das neue Jahr wird traditionell mit farbenfrohen Raketen und ohrenbetäubenden Böllern eingeläutet. Die Nachfrage nach Feuerwerk ist groß. Stundenlang harren Kunden vor allem in der Eifel aus.

28.12.2018, 09:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Zehn, neun, acht ... - Verkauf von Knallern hat begonnen

Männer tragen Kisten mit Feuerwerk beim Werksverkauf des Feuerwerksherstellers Weco. Foto: Christophe Gateau

Böller, Raketen, Wunderkerzen: Seit den frühen Morgenstunden darf Silvesterfeuerwerk auch in Nordrhein-Westfalen verkauft werden. Die Böller-Branche erwartet auch in diesem Jahr einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Allerdings warnen Branche, Politik und Polizei vor den Risiken durch illegale Einkäufe vor allem aus dem Ausland, wie sogenannte Polenböller.

„Obwohl in Europa nur zugelassenes Feuerwerk verkauft und abgebrannt werden darf, bieten Internethändler in den letzten Jahren zunehmend illegale Feuerwerkskörper an“, warnte NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vor der letzten großen Party des Jahres. Deshalb erwartet er auch in diesem Jahr wieder massenweise illegale Böller und Raketen.

Im vergangenen Jahr wurden bereits mehr als 7000 verbotene Feuerwerkskörper sichergestellt - 2016 waren es noch rund 2800. Dies gehe vor allem auf einzelne Großfunde zurück, sagte Heike Sennewald, die Sprecherin des Zollfahndungsamts Essen. Für 2018 zeichne sich sowohl bei den Ermittlungsverfahren als auch bei den Sicherstellungen eine steigende Tendenz ab.

Ein Großteil der in NRW beschlagnahmten Pyrotechnik komme aus Osteuropa - oft in Paketen, die übers Internet bestellt würden, sagte Sennewald. „Die leichte Verfügbarkeit im Internet ist unser größtes Problem“, sagte auch Ruth Haliti von der Generalzolldirektion in Köln.

Erst Anfang Dezember hatten Fahnder bei bundesweiten Durchsuchungen - auch in NRW - insgesamt 27 000 illegale Feuerwerkskörper mit 315 Kilo Sprengstoffmasse gefunden. Die Ermittler fingen 74 Pakete mit gefährlichen Böllern ab, die auf dem Weg zu den Käufern waren. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen. Sie sollen illegales Feuerwerk bei einem Onlineshop in Polen gekauft haben.

Experten warnen regelmäßig vor den Gefahren durch verbotene Böller. Vor allem um den Jahreswechsel komme es immer wieder zu schlimmen Unfällen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) rät, nur geprüftes Feuerwerk zu kaufen, das mit CE-Zeichen und BAM-Registriernummer gekennzeichnet ist. „Wer illegales Feuerwerk abbrennt, riskiert Gesundheit und Leben - und mitunter auch ein Strafverfahren, wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz“, warnte Laumann.

Gesichert wird die Nacht durch ein großes Polizeiaufgebot, mehr Kontrollen und Böllerverbote: Die Polizei in Nordrhein-Westfalen verstärkt in zahlreichen Städten ihre Sicherheitsmaßnahmen und ihre Präsenz in der Silvesternacht. Besonders Düsseldorf und Köln wappnen sich zum Jahreswechsel mit mehr Personal für viele Kontrollen und Einsätze. An Silvester 2015/16 waren rund um den Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell bedrängt und bestohlen worden.

In der kommenden Silvesternacht schieben nach Angaben des NRW-Innenministeriums 5500 Beamte Dienst. Beim vorigen Jahreswechsel seien es mit 5700 Beamte etwas mehr gewesen, allerdings sei der Bedarf diesmal vor allem im ländlichen Raum als nicht mehr so hoch eingestuft worden. Normalerweise seien nachts 2200 Polizisten im Dienst. Alle 18 Hundertschaften der Bereitschaftspolizei werden hinzugezogen, wenn auch nicht alle in voller Stärke.

Während vor allem die Polizei, aber auch einige Krankenhäuser ihre Besetzungen verstärken oder im Ernstfall auf Notfallpläne vertrauen, hat die Feuerwerksbranche Hochsaison. Sie rechnet zum Jahreswechsel 2018/19 mit einem Umsatz auf dem Niveau der Vorjahre. „Wir hoffen, dass der Vorjahresumsatz von 137 Millionen Euro auch in diesem Jahr erreicht werden wird“, teilte der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) mit.

Der Verkauf von Feuerwerk der Kategorie F2 - dazu zählen Raketen, Batterien und Knallkörper - ist dieses Jahr bereits zum 28. Dezember erlaubt, da einer der gesetzlich vorgesehen Verkaufstage auf einen Sonntag fällt. So ist es in der ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz geregelt.

In Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis bildeten sich bereits am Abend vor dem Verkaufsstart lange Schlangen beim Werksverkauf des Herstellers Weco. Mit Schlafsäcken und kleinen Grillgeräten warteten die ersten Kunden schon seit Donnerstagvormittag darauf, ihr Feuerwerk für die Silvesternacht zu kaufen. Zum Werksverkauf des Feuerwerkproduzenten nahe Bonn strömen deshalb jedes Jahr Tausende Raketen-Fans. „Es ist erstaunlich, wie gut die Menschen die Wartezeiten von teils mehr als 12 Stunden wegstecken“, sagte Unternehmenssprecher Oliver Gerstmeier am Freitagmorgen. Weco ist nach eigenen Angaben der größte Hersteller von Feuerwerkskörpern in Deutschland, das Unternehmen produziert rund 23 Millionen Silvesterraketen im Jahr.

Vor allem in der Düsseldorfer Altstadt werden die Feuerwerksfreunde mit ihren Einkäufen nicht viel anfangen können, denn dort herrscht Knaller- und Böllerverbot. Das gilt auch für Raketen und Batterien. Erlaubt sind Wunderkerzen und Bodenfeuerwirbel. In Köln dürfen rund um den Dom keine Feuerwerke abgebrannt werden. In Dortmund ist das Zünden von Feuerwerk und Pyrotechnik in zwei Innenstadt-Zonen nahe dem Hauptbahnhof verboten. In Bielefeld umfasst die böllerfreie Zone das Umfeld der Sparrenburg in der Stadtmitte.

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