Zahl der Salafisten in NRW leicht erhöht

Umbruch in der Szene

Die große Expansion der Salafisten-Szene scheint vorbei. Sie wachse aber immer noch leicht, berichtet der NRW-Verfassungsschutz. Radikalisiert würden bereits Kinder.

Düsseldorf

26.12.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zahl der Salafisten in NRW leicht erhöht

Die Zahl der vom Verfassungsschutz registrierten extremistischen Salafisten hat sich in Nordrhein-Westfalen leicht erhöht. Seit 2018 sei ihre Zahl um rund 100 auf 3200 gestiegen. © Oliver Berg/dpa

Die Zahl der vom Verfassungsschutz registrierten extremistischen Salafisten hat sich in Nordrhein-Westfalen leicht erhöht. Seit 2018 sei ihre Zahl um rund 100 auf 3200 gestiegen, teilte das NRW-Innenministerium auf dpa-Anfrage mit.

Der NRW-Verfassungsschutz führt den leichten Anstieg unter anderem darauf zurück, dass sich die Zahl und der Anteil der Frauen im Salafismus erhöht habe. Die extremistisch-salafistische Szene in Nordrhein-Westfalen befinde sich derzeit zudem im Umbruch.

Salafisten-Szene breche auseinander

Durch den hohen Repressionsdruck der Sicherheitsbehörden mit Strafverfahren und Vereinsverboten lasse sich ein Auseinanderbrechen der Szenestrukturen feststellen. Viele Hauptakteure befänden sich in Haft, andere hätten sich zurückgezogen.

Auch wenn die Aktivitäten der Salafisten öffentlich nicht mehr so wahrnehmbar seien wie früher, gebe es aber keinen Grund zur Entwarnung. Die Aktivitäts- und Gefahrenlage sei weiterhin hoch, so das Ministerium.

Durch den Ausfall von Organisationen und Personen sei eine deutlich wahrnehmbare Lücke entstanden. Dieses Vakuum werde zwar von neuen Protagonisten ausgefüllt, die massiven Expansion der Jahre 2010 bis 2016 werde aber nicht erreicht.

Akteure gehen vorsichtiger vor

Die nachrückenden Akteure müssten aufgrund des hohen Drucks vorsichtiger und konspirativer vorgehen. Entsprechende Lerneffekte in der Szene seien bereits zu beobachten gewesen. Der Vorfeldaufklärung der Sicherheitsbehörden komme daher eine entscheidende Bedeutung zu.

Der NRW-Verfassungsschutz stellte fest, dass sich nach dem Wegfall einer größeren Anzahl von Männern innerhalb der Szene durch repressive Maßnahmen der Sicherheitsbehörden die Rolle von Mädchen und Frauen verstärkt hat. Bereits deutlich wahrnehmbar sei ein Anstieg der Aktivitäten von Frauen in den sozialen Netzwerken. Ausreisende, Zurückgekehrte und in Deutschland verbliebene Salafistinnen seien zunehmend gewaltbejahend und gewaltbereit.

Gefahr für radikaliserte Kindeserziehung sei hoch

Darüber hinaus seien inzwischen durch die Geburt von Kindern etwa 100 salafistische Familienverbände entstanden. Es bestehe die Gefahr, dass die Frauen ihre Kinder sehr fundamentalistisch und sehr extremistisch erziehen. So werde den Kindern das Zählen und Buchstabieren am Beispiel von Waffen und Kriegsmaterial beigebracht.

Die Szene schotte sich ab. Die Salafistinnen schickten ihre Kinder nicht in den Kindergarten. So wachse eine „zweite Generation“ von Salafisten heran, die bereits im Kindesalter radikalisiert werde.

dpa