Wunsch zum 100. Geburtstag: Wieder ein eigenes Gebäude für die Lüner Volkshochschule

dzÜber 5000 Kursteilnehmer

Seit 100 Jahren gibt es in Lünen eine Volkshochschule, seit 1975 hauptamtlich geleitet. Im Laufe der Jahre hat sich vieles verändert. Das Interesse an den Kursen ist aber weiterhin groß.

Lünen

, 02.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mehr als 5000 Teilnehmer nutzen derzeit das Kursangebot der Lüner Volkshochschule. Darunter sind 100, die bereits 45 Kurse und mehr absolviert haben. „Manche haben sogar schon 110 Kurse besucht und sind immer noch aktiv“, freut sich VHS-Leiterin Marion Gramm über das Interesse.

Zum 100. Geburtstag der VHS gibt es eine Jubiläumsfeier für geladene Gäste. 230 Anmeldungen gibt es schon, darunter sind ehemalige Mitarbeiter, viele der momentan 85 Kursleiter und auch eine Auswahl aus den 100 besonders treuen Teilnehmern.

Eine erfahrene Kursleiterin und ein neuer Kursleiter

Eine Zeitreise durch die 100 Jahre gibt es mit Fotos im neuen Programmheft. Als Kursleiter stehen im Heft auch Gabi Böer und Sascha Gottwald. Sie ist seit 30 Jahren dabei, kümmerte sich um das Thema Alphabetisierung und ist bis heute in Integrationskursen als Leiterin aktiv.

Er gehört erst seit April 2018 zum Kursleiterteam. Der gebürtige Dortmunder, der seit 2003 in Lünen lebt, leitet Computer-Kurse. Seine Frau kannte die VHS durch Yoga-Kurse, er hörte bei der Initiative „Lünen bewegt Bildung“ davon, dass die VHS Dozenten suche.

Computerkurse in normalen Klassenräumen

Derzeit absolviert er noch eine pädagogische Qualifikation, die er Ende des Jahres abschließen wird und die viele der Kursleiter besucht haben, die zwar fachliches Wissen, aber keine pädagogische Ausbildung haben.

Gottwalds Computer-Kurse finden in Räumen der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen-Süd statt. „Es sind normale Klassenräume, wir verwenden die eigenen Notebooks der VHS“, so der Kursleiter. Wenn er abends in die Klassenzimmer kommt, hängt noch der Geruch des Schulalltags in den Räumen.

Das war einmal anders. Bis vor zehn Jahren hatte die Lüner VHS 20 Jahre lang ein eigenes Gebäude an der Cappenberger Straße, eine ehemalige Schule. Da gab es eine große Küche und viele Räume für Computer-, Integrations- oder auch Gesundheitskurse.

Die Geschichte der Lüner VHS

Seit 1975 hauptamtliche Leitung

  • Am 24. November 1919 trat Lünen dem Verband der kommunalen Volkshochschulen Westfalens bei. Einige Monate zuvor war in der Lippestadt eine Volkshochschule gegründet worden - als eine der ersten Volkshochschulen in Westfalen.
  • Bevor die Erwachsenenbildung kommunale Sache wurde, gab es sogenannte Volksbildungsvereine.
  • Der Zweite Weltkrieg stellte eine Zäsur dar. Aber nach Kriegsende konstituierte sich in Lünen der Landesverband der Volkshochschulen NRW.
  • Der damalige Oberstadtdirektor Karl-Friedrich Butz war ein Verfechter der Erwachsenenbildung und holte Heinrich Bartholomä aus Dortmund als Leiter der VHS nach Lünen.
  • Er war ebenso ehrenamtlich tätig wie seine Nachfolger Viktor Zbick (ab 1951), Otto Lübbe (ab 1958) und Hans-Werner Harzer (ab 1969), der spätere Oberbürgermeister und Bürgermeister Lünens.
    Wunsch zum 100. Geburtstag: Wieder ein eigenes Gebäude für die Lüner Volkshochschule

    Lünens früherer Bürgermeister Hans-Werner Harzer (am Mikrofon) leitete die VHS von 1969 bis 1975 ehrenamtlich. © Goldstein

  • 1975 wurde Annette Borns die erste hauptamtliche VHS-Leiterin. Als sie dann 1990 Fachbereichsleiterin Kultur wurde, kam Wilfried Kautz als neuer VHS-Leiter nach Lünen.
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    Die erste hauptamtliche Leiterin der Lüner VHS, Annette Borns mit Günter Grass. Annette Borns wurde später Fachbereichsleiterin Kultur und wechselte später als Kultursenatorin nach Lübeck. © Borns

  • Als er 2016 in Rente ging, folgte ihm Marion Gramm, die nun zum 1. Oktober Pensionärin wird.

Dann hätte das Haus energetisch saniert werden sollen - so damals die Begründung, warum die VHS ausziehen musste. Kurz danach zogen Klassen des Lippe Berufskollegs auf Zeit ein und das Haus bekam ein Siegel für Energieeffizienz. Inzwischen ist das Haus abgerissen worden und es entstanden dort neue Wohnungen.

Als die VHS-Verwaltung 2009 in die Stadttorstraße zog und die Kurse dezentral an verschiedenen Orten in der Innenstadt und den Stadtteilen stattfinden mussten, verlor die VHS auf einen Schlag fast die Hälfte aller Teilnehmer. Von 6000 sank die Zahl auf 3100.

„Heute haben wir wieder über 5000 Teilnehmer“, sagt Marion Gramm. Davon belegen etwa 1000 Teilnehmer Integrationskurse, die zusammen mit dem Sprachenbereich etwa 56 Prozent der derzeitigen Unterrichtsstunden ausmachen.

Wunsch zum 100. Geburtstag: Wieder ein eigenes Gebäude für die Lüner Volkshochschule

Auf dem Gelände des früheren VHS-Gebäudes stehen heute Wohnhäuser. Die VHS hatte dort bis 2009 ihr Domizil. © Goldstein

„Mit Aufgabe des eigenen VHS-Gebäudes hat sich die Stadt Lünen keinen Gefallen getan. Damit wurde Bildung auf ein Mindestmaß reduziert“, kritisiert Gabi Böer die Entscheidung vor zehn Jahren.

Sie kümmerte sich um das Thema Alphabetisierung, Kurse werden seit 1981 angeboten. Der Bedarf für solche Kurse sei früh da gewesen, auch durch Migranten. „In den früheren Jahren kamen viele Thailänderinnen und Frauen von den Philippinen, die deutsche Männer geheiratet hatten und nun Deutsch lernen wollten. Am Anfang war es durchaus auch Sozialarbeit und nicht nur Sprachvermittlung.“

Erst Boatpeople, dann Aussiedler aus Russland und Polen

Die allerersten Deutsch-Kurse für Migranten gab es schon 1976 - damals für die Boatpeople, die nach dem Vietnamkrieg aus ihrer Heimat geflüchtet waren und in Notaufnahmelagern lebten.

In den 90er Jahren kamen dann viele Aussiedler aus Russland und Polen. Böer: „Wir hatten ein großes Lehrerteam und es gab auch soziale Betreuung der Menschen.“

Heute ist die Zusammensetzung der Kurse im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ international und dabei machen die Flüchtlinge - entgegen landläufiger Meinung - den geringsten Teil aus. Teilnehmer kommen aus Polen, der Türkei, dem Iran und Irak, Thailand aber auch aus Südamerika.

Gabi Böer wünscht der VHS zum 100. Geburtstag „so viel Weitsicht, dass man ein zentrales Gebäude braucht, damit Weiterbildung sinnvoll gestaltet wird.“ Und damit es kurze Wege sind beispielsweise für Jugendliche oder Migranten, die nach einem Kurs noch weitere benötigen und sich unproblematisch informieren können.

Wunsch zum 100. Geburtstag: Wieder ein eigenes Gebäude für die Lüner Volkshochschule

Der frühere VHS-Leiter Wilfried Kautz (r.) und Achim Nolden, viele Jahre für die Verwaltung der VHS und die Integrationskurse zuständig, bei einer Ausstellung im Rathaus-Foyer. © Peter Fiedler

In solch einem Haus wären - wie es früher war - auch wieder Sprachenfeste, VHS-Nächte, Ausstellungen oder Literatur-Nächte möglich. „Der Stellenwert von Bildung verändert sich, allein wenn man an das lebenslange Lernen denkt“, so Marion Gramm. Da sind die vielen fitten Senioren, die vor Ort etwas für ihre Gesundheit tun, Sprachen auffrischen oder EDV lernen wollen - unter adäquaten Lernbedingungen.

Auch sie wünscht sich ein eigenes VHS-Gebäude und „eine Verwaltungsspitze, die sich für die VHS und ihr Anliegen stark macht.“ Und sie könnte sich vorstellen, nach ihrer Pensionierung, die in Kürze ansteht, zusammen mit Dagmar Harris-Boag (bei der VHS für den Sprachenbereich zuständig) einen Förderverein VHS zu gründen. „Da wollen wir aber erstmal abwarten, ob die neue Leitung sich das auch vorstellen kann.“

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